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Nach 12 Jahren als Darstellerin verlor ich alles - wie ich mich wieder aus den Schulden befreite

28/05/2017 17:00 CEST | Aktualisiert 28/05/2017 17:00 CEST
Franziska Krug via Getty Images

  • 2015 verlor ich meine TV-Rolle und konnte Kredite nicht mehr zurückzahlen

  • Ich merkte danach rasch: Ohne professionelle Hilfe schaffe ich es nicht

  • Ich möchte Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass viel möglich ist

Manchmal genügt ein Satz, um ein Leben auf den Kopf zu stellen: „Wir planen nicht mehr mit dir, in einem halben Jahr endet deine Rolle." Mit diesen Worten verkündete man mir im März 2015 mein Aus in der ARD-Serie „In aller Freundschaft". Nach zwölf Jahren war plötzlich alles vorbei. Klappe, die letzte.

Mein regelmäßiges Einkommen, mit dem ich die Hauptverdienerin meiner siebenköpfigen Familie gewesen bin - weg. Meine Fixkosten und Kreditabgaben - unverändert hoch.

Auf den ersten Schock folgte bald Verzweiflung. Rollenangebote blieben aus, und das Arbeitslosengeld sicherte unser Überleben, mehr aber auch nicht. Ich versuchte zunächst, sämtliche Kosten zu minimieren: Ich kündigte Zeitungen, Versicherungen, Fitnessstudio-Mitgliedschaften, verkaufte Kleider beim Secondhandladen. Doch das reichte bei Weitem nicht.

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Mein Hauptproblem war nicht etwa ein verschwenderischer, luxuriöser Lebensstil, sondern meine Großzügigkeit. Ich hatte Menschen, denen es schlecht ging, viel Geld geliehen. Besser gesagt: geschenkt. Denn ich hatte keinen Cent davon wiederbekommen. Ob ich naiv war? Sicherlich. Dennoch bereue ich diesen Schritt bis heute nicht.

Positiver Zuspruch von allen Seiten

Letztlich musste ich mir also eingestehen, dass ich in der Schuldenfalle saß - und allein keinen Ausweg daraus fand. Ich holte mir Hilfe bei einem Insolvenzberater. Und ich kann heute sagen: Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Das Wichtigste, was er mir mit auf den Weg gab, war positiver Zuspruch.

"Machen Sie sich nicht verrückt. Ich helfe Ihnen. Sie sind nicht allein." Ich weiß, dass viele Betroffene die Geldprobleme jahrelang vor sich hin schieben, sogar krank darüber werden. Und ich kann es nachvollziehen. Auch ich habe mir viele Gedanken gemacht: Was passiert, wenn das öffentlich wird? Was bedeutet das für meine Kinder?

Der Gang zum Gericht, bei dem ich meine Insolvenz anmelden musste, war belastend. Aber auch hier erhielt ich positiven Zuspruch. Ich sah Berge von Akten - allesamt beinhalteten Insolvenzanträge. Man sitzt zusammen in einem Boot, man kann es schaffen. Allein 2016 meldeten über 100.000 Deutsche Privatinsolvenz an - und sicherlich kann sich nicht jeder von der Schuldenlast befreien.

Die Sicht auf Materielles hat sich verändert

Ich hatte Glück. Ein dreiviertel Jahr später erhielt ich eine neue Rolle in der ARD-Serie "Rote Rosen". Eine Hauptrolle. Bereits nach eineinhalb Jahren konnte ich meine Schulden zurückzahlen und arbeite nun daran, wieder soliden Boden unter den Füßen zu bekommen.

Derzeit schreibe ich ein Buch über meine Erfahrungen. Ich möchte anderen Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass man es schaffen kann. Diese Zeit war sehr schwer - und hat mich gleichzeitig geprägt wie keine andere. Ich habe ein ganz neues Bewusstsein für die wirklich wichtigen Dinge im Leben erhalten.

Mein Rat an alle, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, lautet daher auch: Holen Sie sich Hilfe. So früh wie möglich! Die Zeit der Insolvenz ist belastend - doch die Schuldenlast wiegt wesentlich schwerer.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing Klartext.

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