BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Cheryl Shepard Headshot

Nach 12 Jahren als Darstellerin verlor ich alles - wie ich mich wieder aus den Schulden befreite

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
CHERYL SHEPARD
Franziska Krug via Getty Images
Drucken
  • 2015 verlor ich meine TV-Rolle und konnte Kredite nicht mehr zur├╝ckzahlen
  • Ich merkte danach rasch: Ohne professionelle Hilfe schaffe ich es nicht
  • Ich m├Âchte Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass viel m├Âglich ist

Manchmal gen├╝gt ein Satz, um ein Leben auf den Kopf zu stellen: ÔÇ×Wir planen nicht mehr mit dir, in einem halben Jahr endet deine Rolle." Mit diesen Worten verk├╝ndete man mir im M├Ąrz 2015 mein Aus in der ARD-Serie ÔÇ×In aller Freundschaft". Nach zw├Âlf Jahren war pl├Âtzlich alles vorbei. Klappe, die letzte.

Mein regelm├Ą├čiges Einkommen, mit dem ich die Hauptverdienerin meiner siebenk├Âpfigen Familie gewesen bin - weg. Meine Fixkosten und Kreditabgaben - unver├Ąndert hoch.

Auf den ersten Schock folgte bald Verzweiflung. Rollenangebote blieben aus, und das Arbeitslosengeld sicherte unser ├ťberleben, mehr aber auch nicht. Ich versuchte zun├Ąchst, s├Ąmtliche Kosten zu minimieren: Ich k├╝ndigte Zeitungen, Versicherungen, Fitnessstudio-Mitgliedschaften, verkaufte Kleider beim Secondhandladen. Doch das reichte bei Weitem nicht.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Durch diese Ausl├Âser ├╝berschulden sich junge Menschen in Deutschland

Mein Hauptproblem war nicht etwa ein verschwenderischer, luxuri├Âser Lebensstil, sondern meine Gro├čz├╝gigkeit. Ich hatte Menschen, denen es schlecht ging, viel Geld geliehen. Besser gesagt: geschenkt. Denn ich hatte keinen Cent davon wiederbekommen. Ob ich naiv war? Sicherlich. Dennoch bereue ich diesen Schritt bis heute nicht.

Positiver Zuspruch von allen Seiten

Letztlich musste ich mir also eingestehen, dass ich in der Schuldenfalle sa├č - und allein keinen Ausweg daraus fand. Ich holte mir Hilfe bei einem Insolvenzberater. Und ich kann heute sagen: Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Das Wichtigste, was er mir mit auf den Weg gab, war positiver Zuspruch.

"Machen Sie sich nicht verr├╝ckt. Ich helfe Ihnen. Sie sind nicht allein." Ich wei├č, dass viele Betroffene die Geldprobleme jahrelang vor sich hin schieben, sogar krank dar├╝ber werden. Und ich kann es nachvollziehen. Auch ich habe mir viele Gedanken gemacht: Was passiert, wenn das ├Âffentlich wird? Was bedeutet das f├╝r meine Kinder?

Der Gang zum Gericht, bei dem ich meine Insolvenz anmelden musste, war belastend. Aber auch hier erhielt ich positiven Zuspruch. Ich sah Berge von Akten - allesamt beinhalteten Insolvenzantr├Ąge. Man sitzt zusammen in einem Boot, man kann es schaffen. Allein 2016 meldeten ├╝ber 100.000 Deutsche Privatinsolvenz an - und sicherlich kann sich nicht jeder von der Schuldenlast befreien.

Die Sicht auf Materielles hat sich ver├Ąndert

Ich hatte Gl├╝ck. Ein dreiviertel Jahr sp├Ąter erhielt ich eine neue Rolle in der ARD-Serie "Rote Rosen". Eine Hauptrolle. Bereits nach eineinhalb Jahren konnte ich meine Schulden zur├╝ckzahlen und arbeite nun daran, wieder soliden Boden unter den F├╝├čen zu bekommen.

Derzeit schreibe ich ein Buch ├╝ber meine Erfahrungen. Ich m├Âchte anderen Betroffenen Mut machen und ihnen zeigen, dass man es schaffen kann. Diese Zeit war sehr schwer - und hat mich gleichzeitig gepr├Ągt wie keine andere. Ich habe ein ganz neues Bewusstsein f├╝r die wirklich wichtigen Dinge im Leben erhalten.

Mein Rat an alle, die sich in einer ├Ąhnlichen Situation befinden, lautet daher auch: Holen Sie sich Hilfe. So fr├╝h wie m├Âglich! Die Zeit der Insolvenz ist belastend - doch die Schuldenlast wiegt wesentlich schwerer.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Xing Klartext.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.