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Nie war Frauenwahlrecht so wertvoll wie am heutigen Tag

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TRUMP FRAUEN WAHL
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Die Welt blickt heute gebannt auf die USA, wo ein neuer Präsident gewählt wird. Spannend, denn es ist eine Richtungsentscheidung für das Land. Nach dem Brexit-Schock herrscht Nervosität. Wohin strebt Amerika? Nie gab es so viele Daten, so viel Analyse, dennoch wird eines immer klarer: Es gibt ihn nicht, "den Amerikaner".

Das Land ist divers, teilt sich in unglaublich viele Gruppen und Untergruppen auf. Wir alle haben in den vergangenen Wochen und Monaten viel über Demographie und Zielgruppen gehört.

Wie das ist mit dem älteren weißen Männern, den Latinos, den Schwarzen, den Gebildeten, den Ungebildeten usw. usw. usw. Aber je näher die Wahl rückt, ein Unterschied scheint der Allentscheidende: Mann oder Frau, Präsident oder Präsidentin!

Mehr zum Thema: US-Wahl: Hillary oder Trump - so wird der neue Präsident gewählt

In vielen Umfragen wird immer deutlicher: Gäbe es in den USA kein Frauenwahlrecht, und das gibt es erst seit 1920, dann würde Donald Trump haushoch gewinnen. Er ist der Star der Männer, und zwar aller Männer!


Würden nur Frauen wählen, dann würde Hillary Clinton unangefochten US-Präsidentin. Trump hat mit seinen Äußerungen, mit denen er vielfach ja fast alles und jeden beleidigte, vor allem die Wählerinnen auf Abstand gebracht. Unvergessen der Satz Paul Ryans, Trumps Äußerungen über einen Richter, der ein Verfahren gegen ihn eröffnete, seien "ein Textbuchbeispiel klassischen Rassismus".


Da aber (glücklicherweise) Frauen und Männer wählen, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit heute Nacht Hilary Clinton die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten. Umfragen des Daten-Gurus Nate Silver prophezeien eine 71.44% Wahrscheinlichkeit eines Sieges von Hillary Clinton.

Seien wir also dankbar für das Frauenwahlrecht! Das fiel ja nicht irgendwie vom Himmel oder war ein schräger Einfall von irgendjemandem. Vielen Jüngeren fällt es schwer zu glauben, dass das ein sehr hart erkämpftes Recht ist.

Frauen haben fast siebzig Jahre teils unter Einsatz ihres Lebens in Westeuropa und Nordamerika dafür gekämpft und sich gegen eine Phalanx ignoranter Männer durchsetzen müssen und tun dies weltweit bis zum heutigen Tage.

Es brauchte Kriege und Revolutionen bis das allgemeine Wahlrecht für Frauen durchgesetzt wurde. In Deutschland vor knapp 100 Jahren, 1918! In USA ein bisschen später. In Großbritannien, was von Beginn an ein Zentrum des Kampfes des Frauenwahlrechts gewesen ist, in vollem Umfang gar erst 1928!

Wahlrecht war schon immer hart umkämpft: Man musste dafür männlich sein, ein gewisses Alter haben und Land besitzen, um wählen zu können. Das war schon im antiken Athen so. Es gab durch die Geschichte die unterschiedlichsten Modelle, in Preußen etwa ein Dreiklassenwahlrecht. Aber alle hatten eins gemein: Frauen war nicht dabei.

Die Idee mit dem Frauen-Wahlrecht kam mit der Französische Revolution auf, als 1789 die berühmte Forderung nach Freiheit Gleichheit und Brüderlichkeit erschallte.

Denn daraus erfolgte das Wahlrecht für alle männlichen Bürger. Und irgendwie wollte den Französinnen nicht in den Sinn, dass das gemeinsam Erkämpfte nicht für Frauen gelten sollte. Und von da an wurde gekämpft. Als die unerschrockene Olympe de Gouges ihre Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin lautstark veröffentlichte, endete sie auf der Guillotine.

Dieses hart erkämpfte Recht könnte heute der westlichen Führungsmacht eine Präsidentin Hillary Clinton bescheren.

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