Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Cherno Jobatey Headshot

Unsere Autojungs können wohl alles, außer laut sein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AUDI WORKING
Bloomberg via Getty Images
Drucken

Der Automobilbau, Deutschlands Schlüsselindustrie, sei am Ende, wird in diesen Tagen viel philosophiert. Es „schumpert" mal wieder gewaltig! Alles raunt von kreativer Zerstörung einer „alten" Industriebranche. Man scheint es bereits mit Händen greifen zu können, dass die deutschen Autobauer alle Trends verpennt haben, und nun planlos beim Rückzugsgefecht irgendwie noch Steuergeld in Form von Verkaufsförderung für Elektroautos abgreifen.

Mobilitätsforscher Andreas Knie warnte im Focus „vor dem bevorstehenden Zusammenbruch einer deutschen Schlüsselindustrie - und einer akuten Bedrohung für Millionen Arbeitsplätze".

Die ARD zeigte eine beeindruckende Reportage über „Das Märchen von der Elektromobilität". Ein grimmiger Autoexperte erklärte gleich am Anfang: „Deutschland ist das Schlusslicht! International bei E-Mobilität, wir fahren hinterher".

Für Die Zeit ist Tesla ein Game Changer, von dem man was lernen kann. Die Tausendsassas von Tesla hätten eine neue Art Autos erfunden, sauber, ohne Verbrennungsmotor, klasse Design, einfach toll. Und dazu hätten sie gerade einen Verkaufsrekord erzielt!

Kooperationen mit Silicon Valley abgelehnt

Außerdem - so war zu lesen - haben Audi, BMW und Mercedes es auch noch abgelehnt, mit Apple eine Kooperation einzugehen. Und dann ist er da, das flaue Gefühl im Magen und die Frage: Warum machen die das? Merken die nicht, dass sie vor einem „Nokia Moment" stehen?

Google propagiert mit lustigen Kugelfahrzeugen das selbstfahrende Auto. Tesla revolutionierte batteriebetriebene Elektrofahrzeuge nebst Produktion und Vertrieb. Es würde doch so gut passen, wenn deutsche Technik und kalifornisches Design nebst deren Über-Software in Allianz das Super-Auto der Zukunft kreierten.

Wie gut sind unsere Autojungs?

Eines kann man schon jetzt sagen: Schwaben, Bayern und Franken können eines nicht: Angeben bis der Arzt kommt! Irgendwie scheinen deutsche Autobauer während des Ingenieursstudiums vor lauter Promovieren vergessen zu haben, was schon jeder Kochlehrling früh lernt: Klappern gehört zum Handwerk.

Um ein bisschen relativierend in die Debatte einzugreifen, hier eine kleine Aufzählung, die zeigt, wie gut unsere Auto-Jungs wirklich sind. Der Stand der deutschen Auto-Industrie

Selbstfahrend

Bereits vor einem Jahr zeigte Audi völlig unaufgeregt was geht, indem ein selbstfahrender Audi A7 vom Silicon Valley hunderte Meilen über kalifornische Schlaglochpisten zur Technologie-Messe bis nach Las Vegas CES, dem Mekka der Technikfreaks, fuhr.

Um dann aber doch ein richtiges Zeichen für German Engineering zu setzen, zeigten die Nordbayern, dass deutsche Autos - selbst wenn sie selbstfahrend sind - richtig schnell sein können und elegant. Und das - wohl als kleine Spitze gegen Tesla - mit einem Großserienfahrzeug: Audis Selbstfahrer bretterte in Rekordgeschwindigkeit um den Hockenheimring.

Beim Livestream brach der Server zusammen, weltweit war die Anteilnahme groß, nur bei uns bekam das anscheinend kaum jemand mit.

Selbstfahrend ohne Verbrennungsmotor

Das Messegespräch bei der gleichen CES 2015 aber war Mercedes: Die Schwaben überraschten mit einem neuen selbstfahrenden App-gesteuerten Elektro-Auto.

Bei der diesjährigen CES in Las Vegas zeigte VW, wie sich die Wolfsburger die Zukunft vorstellen, der BUDD-e. (Min 23.00)



Und BMW ist mit seinem I3 ja schon länger dabei, verkauft ein Serienprodukt. Aber das soll nicht alles gewesen sein: Jetzt zeigten die Münchner, wie es weitergehen wird mit BMW.



Auch die Sportler von Porsche sind mit von der Partie: Deren Idee hört auf den Namen: Mission E

Unsere Autojungs - Rückgrat der deutschen Industrie - können also doch was! Nur kriegen sie ihre kommunikativen PS in diesen Digitalen Zeiten anscheinend nicht so richtig auf die Straße. Meine Schlussfrage lautet also: Müssen die deutschen Autobauer immer so wohlerzogen, vornehm und leise sein? Ginge nicht ein bisschen mehr Elon Musk oder Uber's Travis Kalanick?

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Fährt der Lord wirklich Ford? Das verraten Automarken über Berufe und politische Einstellung

Lesenswert: