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Lieber Ben... ein sehr persönlicher Abschiedsbrief an Ben Wettervogel

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WETTERVOGEL
dpa
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Lieber Ben,

wenn ich an Dich denke, dann denke ich an zehn gemeinsame Jahre. An unzählige Sendungen des Morgenmagazins, Planungsrunden, Telefongespräche und viele Feierabendfrühstücke im Café, direkt neben dem ZDF.

Wenn ich an Dich denke, dann erinnere ich mich auch an einen Menschen mit einem großen Herzen. Ein Mensch, der immer an das Gute geglaubt hat. Aber auch ein Mensch, der sich selbst nie zu ernst genommen hat.

Dein Humor war unschlagbar. Auch die schwierigsten Situationen konntest Du mit Deinem untrüglichen Gespür drehen. Vieles kam spontan. Live auf Sendung. Oft war die Zusammenarbeit mit Dir daher wie ein Blindflug in unglaublich spaßige Situationen.

Ben, Deine Mützen-Aktionen sind legendär

Zum Beispiel erinnere ich mich an Deine Aktion mit den ZDF-Mützen bei den Olympischen Winterspielen. Während der Vorspann schon lief, sagtest Du: "Cherno, wir machen jetzt einen Mützentest. Die sehen so schräg aus, darunter werden sogar wir unglaublich attraktiv".

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Als wir auf Sendung waren, mussten wir sofort laut loslachen.

Du konntest die verkrampftesten Situationen lösen. Das hat die Zusammenarbeit mit Dir so unvergesslich gemacht. Menschen, die zusammen lachen können, erreichen viele andere Menschen. Das haben wir!

Auf Dich war immer Verlass, Ben Wettervogel!

Aber Du warst nicht nur im Spaß für mich da. Nein, ich konnte mich auch sonst immer auf Dich verlassen.

Wenn mal ein Spruch nicht zündete, hast Du ihn gerettet. Aber nicht nur das. Du hast einen richtig guten Witz daraus gemacht.

Du warst aber auch ein ziemlich politischer Mensch. Nach Studiointerviews hast Du den ein oder anderen Politiker gegriffen, um das Interview mit Deinen eigenen Fragen fortzuführen. Du hattest Haltung. Egal, ob es um Verteidigungsfragen ging oder um neue Entwicklungen im deutschen Parteiensystem.

Du warst auch einer der härtesten Arbeiter beim ZDF. Du warst morgens vor mir da. Manchmal schon um 2 Uhr. Nur, um Dein Wetter selbst vorzubereiten. Draußen wusste das niemand.

Du konntest das Schwierige ganz leicht aussehen lassen. Du hast diesen alten Satz von Fred Astaire gelebt wie kein anderer.

Du hast Deine Moderationen auswendig gekonnt

Du hast immer aus dem Kopf moderiert. Ohne Prompter. Und wenn ein Interview mal wieder ein bisschen zu lang war, hast Du Deinen Part live gekürzt.

Und wenn die Technik mal gar nicht wollte, dann hattest Du auch darauf eine Antwort: Einmal war mitten in der Sendung der Ton weg. Andere hätten aufgegeben. Doch Du hast ein Blatt Papier gegriffen und das Wetter gezeichnet. Wie in einem Stummfilm.

Das war großes Kino.

Ich habe wahnsinnig viel von Dir gelernt. Durch Dich habe ich beispielsweise erfahren, wie viel Chemie im Wetter steckt. Ich habe bis heute keinen Wettermann kennengelernt, der ein solcher Experte in seinem Feld war - es aber trotzdem nicht raushängen ließ.

Du warst ein Mensch, den man einfach mögen musste. In Deutschland kannte Dich fast jeder. Du hattest Fans, die deinen Kleidungsstil nachahmten, sogar deine Frisur - bei uns saßen sie grüppchenweise im Publikum.

Deine Westen, passend zum Wetter, werde ich nie vergessen

Es gibt Leute, die glaubten, dass Du die Farbe Deiner legendären Westen passend zum Wetter gewählt hast: Mal lila. Mal orangefarben.

Kein Wunder, dass Dich an Tagen der Offenen Tür beim ZDF immer so viele Menschen persönlich treffen wollten.

Du warst für sie so viel mehr als ein Wettermann.

Du warst der Gegenpol zu den vielen schlechten Nachrichten, die wir jeden Morgen verbreiten mussten. Denn wenn selbst das Wetter mies werden sollte, hast Du es so verkauft, dass wir mit einem Lächeln in den Hagel geblickt haben.

Ich bin unfassbar traurig. Und ich bin dankbar, dass ich Dich kennen durfte.

Im Himmel wird es jetzt lustiger werden. Und sie werden da oben endlich verstehen, woraus die Wolken unter ihnen wirklich bestehen.

Dein Cherno

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