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An die Lehrerin, die mich anrief, um über das Benehmen meiner Tochter zu sprechen

12/12/2016 11:20 CET | Aktualisiert 13/12/2017 11:12 CET

Es war ein typischer Dienstagnachmittag. Neben mir lag mein geöffneter Kalender, der wie immer voll mit Terminen und Verpflichtungen war. Direkt daneben summte und vibrierte mein Handy, weil ständig neue Benachrichtigungen und Textnachrichten eintrafen.

In Gedanken ging ich bereits den Ablauf des heutigen Abends durch: Was sollte es zum Essen geben? Wann musste ich mich auf den Weg zum Elternabend machen? Wie sollte ich meine Tochter zum Golfplatz bringen und gleichzeitig sicherstellen, dass meine jüngste Tochter ihre Hausaufgaben macht?

Ich fragte mich, ob die Medizin mittlerweile weit genug war, um mich klonen zu können. Und warum zur Hölle konnten sie diesen Prozess zum Wohle aller Mütter wie mir nicht einfach ein bisschen beschleunigen?

Plötzlich blinkte mein Handy auf, weil jemand anrief

Ich telefoniere nur äußerst wenig. Ich gehöre nicht zu den Frauen, die permanent stundenlang mit ihren Freundinnen telefonieren und sich dabei über den neuesten Klatsch und Modetipps austauschen.

Als mir klar wurde, dass es sich bei der angezeigten Nummer um eine Durchwahl der Grundschule handelte, begann mein Herz ein wenig zu klopfen.

Es gibt genau drei Gründe, warum man mitten am Tag einen Anruf von der Schule bekommt

1. Dein Kind hat eine Krankheit oder eine Verletzung: Es hat sich übergeben, Läuse bekommen oder sich den Arm gebrochen.

2. Dein Kind hat etwas angestellt: Ein Telefonat über Verhaltensauffälligkeiten - der absolute Horroranruf aller Eltern.

3. Dein Kind ist der dummen Idee eines anderen Kindes zum Opfer gefallen: Wenn dein Kind gemobbt wird oder durch das Verhalten eines anderen Kindes verletzt wird, ist das genauso schlimm, wie wenn es selbst etwas falsch macht.

Mit einem Anflug von Panik griff ich nach dem Handy

Ich: "Hallo?"

"Mrs. Lowe?"

Ich: "Ja . . ."

"Hier spricht Mrs. Mott, ich bin die neue Kunstlehrerin an Zoes Schule. Ich habe heute Mrs. Scotts Klasse im Kunstunterricht. Zoe sitzt hier bei mir im Unterricht und ich möchte mich gerne mit Ihnen über das Verhalten Ihrer Tochter während der heutigen Stunde unterhalten."

Ich: *schluck**Panik**Was um Himmels Willen hat sie angestellt, dass ich so einen Anruf bekomme?* "Okaaaaay."

"Nun, wir arbeiten im Kunstunterricht gerade mit Schablonen. Wir haben unsere Namen mit Schablonen gemalt."

Ich: *Oh nein. Wir haben doch darüber gesprochen, dass es bestimmte Ausdrücke gibt, die man in der Schule nicht verwenden darf. Und dass diese Ausdrücke zu Hause bei Mama und Papa in Ordnung sind, obwohl man eigentlich nicht so sprechen sollte. Hat sie etwa "scheiße" auf ihr Blatt geschrieben? Oh bitte, sag mir, dass sie nicht "scheiße" oder "Popo" oder "Hintern" oder irgendein anderes Synonym für den Allerwertesten auf ihr Blatt geschrieben hat.* "Okaaaaay."

"Zoe hat das wirklich sehr gut gemacht. Sie hat genau aufgepasst und sorgfältig gearbeitet. Sie hat sich richtig angestrengt."

Ich: *uuuuunnnnnndddd dann PENG* "Okaaaaay."

"Zoes Klasse möchte Ihnen gerne noch etwas sagen."

Die gedämpften Stimmen von Zweitklässlern im Chor: "Hipp, hipp, HURRA!"

"Das war ein hipp, hipp, hurra, falls Sie es nicht verstanden haben. Wir wollten uns einfach mal bei Ihnen bedanken, weil Sie so ein tolles Kind in unsere Schule schicken."

Ich: *meine Gefühle spielen komplett verrückt* "Wie toll sind Sie denn eigentlich?! Danke."

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie ich aufgelegt habe

Ich weiß nur, dass ich in einem Moment noch komplett ausgeflippt bin, weil mein Kind sich möglicherweise daneben benommen hat und dass ich bereits im nächsten Moment von Stolz und Dankbarkeit erfüllt war und mir dachte: "Was für eine wundervolle Lehrerin!"

Wenn ich gefasster gewesen wäre und mein chaotisches Gebrabbel vorher sortiert hätte, dann hätte ich Mrs. Mott Folgendes gesagt:

Danke

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir zu erzählen, dass mein Kind etwas gut gemacht hat.

Dass die inneren Werte meiner Tochter für Sie mehr zählen als ihre schulischen Leistungen.

Dass Sie meine Tochter für ein tolles Kind halten.

Dass Sie wussten, wie viel es mir bedeutet, wenn ich höre, dass sie sich toll verhalten hat.

Sie hatten einen langen Arbeitstag, an dem Sie für eine Horde kleiner Kinder gesorgt haben und ihnen etwas beigebracht haben. Danke, dass Sie trotz dieser Anstrengung nicht das Seelenleben dieser Kinder aus den Augen verloren haben.

Danke, dass Sie viele Jahre Ihres Lebens geopfert haben, um später in einem Beruf zu arbeiten, in dem Sie permanent zu wenig Anerkennung bekommen und zu schlecht bezahlt werden.

In einem Beruf, in dem Sie viele Stunden für die Vorbereitung aufwenden müssen und einen großen Betrag Ihres eigenen Geldes in Unterrichtsmaterialien investieren müssen.

Danke, dass Sie mir noch mehr vor Augen geführt haben, dass Sie sich wirklich Gedanken machen. Und zwar nicht nur um Ihren Job, sondern auch um meine Tochter und sogar um mich.

Danke, dass Sie meiner Tochter ein Erfolgserlebnis verschafft haben, indem Sie sie vor ihren Eltern und Freunden gelobt haben. Damit haben Sie ihr gezeigt, dass ihr vorbildliches Verhalten auch belohnt wird.

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Ich habe die Vision, dass meine Tochter irgendwann Ihr Gesicht vor sich hat, wenn sie einige Jahre älter und ein gutes Stück größer ist. Sie wird sich daran erinnern, wie ihre Lehrerin vor der Klasse steht und mich anruft, um das eben passierte Telefonat mit mir zu führen.

Dabei wird sie strahlen und sich daran erinnern, was für ein tolles Gefühl es war, als Sie ihr sagten, wie wichtig sie ist.

Und falls sie es doch vergessen sollte, werde ich sie an diese eine besondere Person erinnern, die eine ungewöhnliche Methode gewagt hat, um sie zu dem Menschen zu erziehen, zu dem auch ich sie gerne erziehen möchte. Und dann werde ich noch einmal unbeholfen "danke" flüstern und mich wieder an diesen Tag erinnern.

Noch mehr Blogs von Cherie Lowe könnt ihr auf ihrer Webseite Queen of Free und auf ihrem Facebook-Account lesen.

Dieser Blog ist ursprünglich bei "The TODAY Parenting Team" erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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