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An die Lehrerin, die mich anrief, um ├╝ber das Benehmen meiner Tochter zu sprechen

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
LEHRERIN
Getty
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Es war ein typischer Dienstagnachmittag. Neben mir lag mein ge├Âffneter Kalender, der wie immer voll mit Terminen und Verpflichtungen war. Direkt daneben summte und vibrierte mein Handy, weil st├Ąndig neue Benachrichtigungen und Textnachrichten eintrafen.

In Gedanken ging ich bereits den Ablauf des heutigen Abends durch: Was sollte es zum Essen geben? Wann musste ich mich auf den Weg zum Elternabend machen? Wie sollte ich meine Tochter zum Golfplatz bringen und gleichzeitig sicherstellen, dass meine j├╝ngste Tochter ihre Hausaufgaben macht?

Ich fragte mich, ob die Medizin mittlerweile weit genug war, um mich klonen zu k├Ânnen. Und warum zur H├Âlle konnten sie diesen Prozess zum Wohle aller M├╝tter wie mir nicht einfach ein bisschen beschleunigen?

Pl├Âtzlich blinkte mein Handy auf, weil jemand anrief

Ich telefoniere nur ├Ąu├čerst wenig. Ich geh├Âre nicht zu den Frauen, die permanent stundenlang mit ihren Freundinnen telefonieren und sich dabei ├╝ber den neuesten Klatsch und Modetipps austauschen.

Als mir klar wurde, dass es sich bei der angezeigten Nummer um eine Durchwahl der Grundschule handelte, begann mein Herz ein wenig zu klopfen.

Es gibt genau drei Gr├╝nde, warum man mitten am Tag einen Anruf von der Schule bekommt

1. Dein Kind hat eine Krankheit oder eine Verletzung: Es hat sich ├╝bergeben, L├Ąuse bekommen oder sich den Arm gebrochen.

2. Dein Kind hat etwas angestellt: Ein Telefonat ├╝ber Verhaltensauff├Ąlligkeiten - der absolute Horroranruf aller Eltern.

3. Dein Kind ist der dummen Idee eines anderen Kindes zum Opfer gefallen: Wenn dein Kind gemobbt wird oder durch das Verhalten eines anderen Kindes verletzt wird, ist das genauso schlimm, wie wenn es selbst etwas falsch macht.

Mit einem Anflug von Panik griff ich nach dem Handy

Ich: "Hallo?"

"Mrs. Lowe?"

Ich: "Ja . . ."

"Hier spricht Mrs. Mott, ich bin die neue Kunstlehrerin an Zoes Schule. Ich habe heute Mrs. Scotts Klasse im Kunstunterricht. Zoe sitzt hier bei mir im Unterricht und ich m├Âchte mich gerne mit Ihnen ├╝ber das Verhalten Ihrer Tochter w├Ąhrend der heutigen Stunde unterhalten."

Ich: *schluck* *Panik* *Was um Himmels Willen hat sie angestellt, dass ich so einen Anruf bekomme?* "Okaaaaay."

"Nun, wir arbeiten im Kunstunterricht gerade mit Schablonen. Wir haben unsere Namen mit Schablonen gemalt."

Ich: *Oh nein. Wir haben doch dar├╝ber gesprochen, dass es bestimmte Ausdr├╝cke gibt, die man in der Schule nicht verwenden darf. Und dass diese Ausdr├╝cke zu Hause bei Mama und Papa in Ordnung sind, obwohl man eigentlich nicht so sprechen sollte. Hat sie etwa "schei├če" auf ihr Blatt geschrieben? Oh bitte, sag mir, dass sie nicht "schei├če" oder "Popo" oder "Hintern" oder irgendein anderes Synonym f├╝r den Allerwertesten auf ihr Blatt geschrieben hat.* "Okaaaaay."

"Zoe hat das wirklich sehr gut gemacht. Sie hat genau aufgepasst und sorgf├Ąltig gearbeitet. Sie hat sich richtig angestrengt."

Ich: *uuuuunnnnnndddd dann PENG* "Okaaaaay."

"Zoes Klasse m├Âchte Ihnen gerne noch etwas sagen."

Die ged├Ąmpften Stimmen von Zweitkl├Ąsslern im Chor: "Hipp, hipp, HURRA!"

"Das war ein hipp, hipp, hurra, falls Sie es nicht verstanden haben. Wir wollten uns einfach mal bei Ihnen bedanken, weil Sie so ein tolles Kind in unsere Schule schicken."

Ich: *meine Gef├╝hle spielen komplett verr├╝ckt* "Wie toll sind Sie denn eigentlich?! Danke."

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wie ich aufgelegt habe

Ich wei├č nur, dass ich in einem Moment noch komplett ausgeflippt bin, weil mein Kind sich m├Âglicherweise daneben benommen hat und dass ich bereits im n├Ąchsten Moment von Stolz und Dankbarkeit erf├╝llt war und mir dachte: "Was f├╝r eine wundervolle Lehrerin!"

Wenn ich gefasster gewesen w├Ąre und mein chaotisches Gebrabbel vorher sortiert h├Ątte, dann h├Ątte ich Mrs. Mott Folgendes gesagt:

Danke

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir zu erz├Ąhlen, dass mein Kind etwas gut gemacht hat.

Dass die inneren Werte meiner Tochter f├╝r Sie mehr z├Ąhlen als ihre schulischen Leistungen.

Dass Sie meine Tochter f├╝r ein tolles Kind halten.

Dass Sie wussten, wie viel es mir bedeutet, wenn ich h├Âre, dass sie sich toll verhalten hat.

Sie hatten einen langen Arbeitstag, an dem Sie f├╝r eine Horde kleiner Kinder gesorgt haben und ihnen etwas beigebracht haben. Danke, dass Sie trotz dieser Anstrengung nicht das Seelenleben dieser Kinder aus den Augen verloren haben.

Danke, dass Sie viele Jahre Ihres Lebens geopfert haben, um sp├Ąter in einem Beruf zu arbeiten, in dem Sie permanent zu wenig Anerkennung bekommen und zu schlecht bezahlt werden.

In einem Beruf, in dem Sie viele Stunden f├╝r die Vorbereitung aufwenden m├╝ssen und einen gro├čen Betrag Ihres eigenen Geldes in Unterrichtsmaterialien investieren m├╝ssen.

Danke, dass Sie mir noch mehr vor Augen gef├╝hrt haben, dass Sie sich wirklich Gedanken machen. Und zwar nicht nur um Ihren Job, sondern auch um meine Tochter und sogar um mich.

Danke, dass Sie meiner Tochter ein Erfolgserlebnis verschafft haben, indem Sie sie vor ihren Eltern und Freunden gelobt haben. Damit haben Sie ihr gezeigt, dass ihr vorbildliches Verhalten auch belohnt wird.

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Ich habe die Vision, dass meine Tochter irgendwann Ihr Gesicht vor sich hat, wenn sie einige Jahre ├Ąlter und ein gutes St├╝ck gr├Â├čer ist. Sie wird sich daran erinnern, wie ihre Lehrerin vor der Klasse steht und mich anruft, um das eben passierte Telefonat mit mir zu f├╝hren.

Dabei wird sie strahlen und sich daran erinnern, was f├╝r ein tolles Gef├╝hl es war, als Sie ihr sagten, wie wichtig sie ist.

Und falls sie es doch vergessen sollte, werde ich sie an diese eine besondere Person erinnern, die eine ungew├Âhnliche Methode gewagt hat, um sie zu dem Menschen zu erziehen, zu dem auch ich sie gerne erziehen m├Âchte. Und dann werde ich noch einmal unbeholfen "danke" fl├╝stern und mich wieder an diesen Tag erinnern.

Noch mehr Blogs von Cherie Lowe k├Ânnt ihr auf ihrer Webseite Queen of Free und auf ihrem Facebook-Account lesen.

Dieser Blog ist urspr├╝nglich bei "The TODAY Parenting Team" erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen ├╝bersetzt.

Wenn du eine Tochter hast, nimm dir drei Minuten Zeit, um dieses Video zu sehen

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Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes f├╝nfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in S├╝deuropa, Afrika oder S├╝dasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterst├╝tzen kann.

Die Initiative Anderes Sehen e.V. etwa k├╝mmert sich um die fr├╝hkindliche F├Ârderung von blinden Kindern - ein Bereich, den die beiden Gr├╝nder zuvor als zutiefst vernachl├Ąssigt erfahren haben.

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Zudem hat die Initiative die Echoortungsmethode Klicksonar nach Deutschland geholt und bietet hierf├╝r Schulungen an. Auch die Aufkl├Ąrung von Betreuungspersonen und die Bereitstellung von Vorschulmaterialien geh├Âren zum Angebot von Anderes Sehen e.V.

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