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Warum ich mich ohne Gebärmutter jetzt wirklich als Frau fühle

20/02/2016 12:41 CET | Aktualisiert 20/02/2017 11:12 CET
Yuri Arcurs via Getty Images

Es gibt verschiedenste Arten, wie sich Schicksalsschläge zeigen. Man erkennt sie daran, dass sie das bekannte Leben durchschütteln, Beziehungen und die eigene Nervenstärke prüfen.

Ich kenne mehrere davon.

Mit 14 hatte ich eine Krebsdiagnose. Mit 20 Jahren musste ich lernen, mit Rheuma umzugehen. Heute erzähle ich Ihnen, wie ich damit umgegangen bin, dass ich mit 38 Jahren meinen Kinderwunsch begraben und letztes Jahr erfuhr, dass ich wohl seit 25 Jahren an Endometriose litt. Meine Gebärmutter musste entfernt werden, um mich von meinen schlimmen Krämpfen und Schmerzen zu befreien.

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Aber das Jahr zwischen 38 und 39 erwies sich auch als Geschenk. Die Zeit der Trauer und der Aufarbeitung verwandelte sich in tiefes Annehmen. Ich konfrontierte mich mit allen vermeintlich nicht geheilten Themen mit anderen Frauen in meiner Familie: Schwestern, Mutter, Großmütter, Tanten, Urgroßmütter, und so weiter. Ich machte Verzeihungsrituale, schrieb seitenweise Gedanken und Gefühle auf. Viele Nächte spendete ich diesem Thema und allem, was mir in den Sinn kam. Ich wollte nichts verpassen!

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Schonungslos beleuchtete ich auch meine Liebe zu mir. 

Nehme ich mich WIRKLICH zu 100 % an? Wo bin ich noch hart mit mir? Sehe ich mich wirklich als Frau? Akzeptiere ich mich als Frau? Gehe ich aus dem Haus und stehe zu meiner Weiblichkeit, mit der Souveränität einer erwachsenen Frau, die es geniesst, eine Frau zu sein?

Eine kaum erklärbare Kraft wurde frei! Und ich fühlte mich femininer denn je! Ich genoss es nun erst recht, mich schön zu machen; nicht für jemand anderen, sondern einfach für mich selbst! Ich liebte und genoss täglich die zarten Stoffe auf meiner Haut. Das frischgeföhnte Haar. Mein Make-up. Ich liebte es, auszugehen und zu tanzen.

Wenn ich während meinen Tagen die schlimmen Krämpfe hatte, machte ich frei, nahm alternative Mittel zu mir, legte Wärmeflaschen auf und den Frieden auf die offenbar nicht änderbare Tatsache. So gut es ging. Es half mir, mit achtsamen Meditationen- und Atemübungen in meine Mitte zu kommen, in mir zu ruhen. Bewusst und weich zu atmen und lächelnd meiner Weiblichkeit zu begegnen. 

Ich weiss, es tönt paradox. Aber dadurch, dass ich während dieser Leidenszeit die Chance nutzte, mich anzunehmen, wie ich bin, passierte dies:

Es wurde eine der schönsten Zeiten meines Lebens.

Ich war monatelang komplett bei mir, mit fast täglichen Glücksgefühlen, Dankbarkeit und Freude!

Als ich aber Anfang 2015 mit jedem Monat mit noch schlimmer werdenden Bauchkrämpfen konfrontiert worden bin, hatte ich diese Gefühle verloren. Die Beschwerden wurden so schlimm, dass ich während den Tagen stundenlang heulend auf dem Sofa lag und danach völlig erschöpft einschlief. Die Krämpfe überfielen mich sogar außerhalb der Menstruation. Ende März 2015 überkam mich eine riesige Wut.

Muss ich mir das gefallen lassen? Wer sagt, dass ich das ertragen muss?

Was ist, wenn ich ein erkranktes Organ habe? Was ist, wenn es beides braucht: Diese Heilungsübungen UND eine saubere, klare Diagnose?

Ich spürte in mich hinein. Versuchte, alle meine Bauchorgane von innen zu fühlen. Es war die Gebärmutter, die sich meldete. Und ich wusste plötzlich instinktiv, dass ich ihr helfen muss.

Tags darauf kontaktierte ich einen neuen Gynäkologen. Ultraschall und Abtasten ergaben, dass aufgrund seiner Erfahrungen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Endometriose vorläge. Diese Diagnose lässt sich erst bei der Bauchspiegelung mit Sicherheit diagnostizieren. Er empfahl die Hysterektomie.

Ich spürte, dass es richtig war.

Ich informierte mich auf allen Ebenen, die mir in den Sinn kamen, über Endometriose. Ich fragte mich:

  • Würde ich ohne Gebärmutter weniger weiblich sein?
  • Würde mich meine Familie als "untauglich" abstempeln?
  • Würden potentielle Partner mich weniger attraktiv finden?

Eines war sicher: Diese aufkommenden Themen durfte ich nicht ignorieren.

Wer sich mit universellen (aber auch physikalischen) Gesetzen auskennt, weiss, dass man keine Energie "abschneiden" kann. Die Energie, die man "loswerden" will, ist stets noch da, egal was man verdrängen oder weg haben will.

Also nahm ich mir vor und nach der Operation Zeit, mich mit meiner Gebärmutter zu verbinden, sie zu spüren. Ich erklärte ihr, dass sie krank sei und dass ich jetzt meine Verantwortung dafür übernehme, ihr und somit auch mir zu helfen. Wir befassten uns mit ihren wunderbaren Qualitäten:

  • ihre sanfte Aufnahmebereitschaft
  • das zur Verfügung stellen eines Ortes der Begegnung von Yin und Yang
  • das sorgfältige Entwickeln lassen neuen Lebens
  • ihr Durchhaltevermögen während Jahrzehnten
  • ihr Haushalten und Ausgleichen der Hormone 
  • und das Freigeben von Schöpferkraft, Kreativität und Weiblichkeit.

Das mag für Sie jetzt seltsam klingen. Aber diese Momente, dieser Austausch, waren derart tief und berührend, dass ich intuitiv wusste, wie richtig auch dies war. Ich spürte meine Weiblichkeit wieder sehr stark, und eine Verbundenheit mit mir selbst, wie selten zuvor!

Die Operation verlief erfolgreich. Man fand heraus, dass meine Gebärmutter sehr krank gewesen war (Adenomyose). Dies bestätigte mir meine früheren Wahrnehmungen und meine Entscheidung. Meiner Intuition sei Dank!

Und der Tag des wahren Abschieds rückte näher.

Als spiritueller Coach ist mir klar, dass Rituale sehr wichtig sind und diese in uns viel Heilung hervorbringen können. Aber auch meine innere Haltung, mein Mindset, mein Urvertrauen und meine Zuversicht.

Eines kann ich Ihnen sagen, liebe Leserin: Vom ersten Augenblick an, wo ich Ende Juli 2015 aus der Narkose erwacht bin, spürte ich, dass alles gut kommt. Sogar, als ich später nochmals Komplikationen und eine Infektion hatte, spürte ich mit übergeordneter Klarheit, dass alles gut kommt! Mein Vertrauen war derart stark.

Meine Ausrichtung auf das, was ich wollte, war klar!

Nämlich, meine Weiblichkeit zu zelebrieren. Mich selber zu geniessen. Zu mir zu stehen und das, was mir wirklich liegt, umzusetzen. Keine Kompromisse mehr zulassen! Nur noch das tun, was mir gut tut und mir gefällt.

Ein liebevolles Ritual folgte. Gemeinsam mit meiner Hündin Melli, meinem geistigen Team, den Bäumen und Sträuchern, Feen und Gnomen in meinem Garten, verabschiedete ich das Organ, welches die Weiblichkeit schlechthin symbolisiert. Feierlich verbrannte ich den vorgefertigten Brief an meine Gebärmutter im Feuer des Harzes und Rosenblättern.

Die Energie verdichtete sich liebevoll, ich fühlte mich wahnsinnig stark beschützt und sehr gut aufgehoben. Eine Weile blieben wir sitzen, genossen die Stille und den Stillstand der Zeit. Bis ich wieder aufstand, das Ritual mit "so sei es" beendete und mich mit einem aufrichtigen "Namasté" bei allen Anwesenden bedankte.

Das alles berührte mich tief. Heilung entstand.

Melli kam zu mir und legte mir sanft ihren Kopf in den Schoss. Der Bach lächelte weise und die Sträucher und Bäume schienen sich zu verneigen. Ich nahm die verbliebene Asche und vergrub sie an einer auserwählten Stelle, wo jetzt ein kleiner Keramikengel darüber wacht.

In den Monaten seither war ich nicht untätig. Ich stelle mir im inneren Auge vor, wie sich meine Organe entspannt und ohne neue Verwachsungen erholen. 

Ich gehe wieder regelmässig spazieren. Die Verbindung zu meinem Bauch, auch zum verbliebenen Eierstock ist eng und liebevoll. Deren Impulse nehme ich ernst und manchmal lege ich mich mehrmals täglich hin, um auszuruhen, den Bauch zu streicheln und zu schlafen.

Meine Akne ist weg. Ich habe keine Krämpfe mehr und kann mich befreit bewegen! Und ich spüre, da kommt noch mehr. Bald kann ich wieder tanzen gehen. Bald kann ich wieder an meine Lieblingsanlässe und reisen gehen.

Bis dahin bade ich mich in der Vorfreude! Ich lächle in mich hinein. Ich bin dankbar, dass ich in diesen Monaten von der Stube aus schreiben, meine Projekte planen und erste Schritte aufgleisen konnte. 

Ich spüre in mir drin das täglich wachsende Glücksgefühl!

Meine Kräfte kehren zurück, und so auch meine Lebensenergie. Wie viele Jahre war sie gedämpft! Jetzt aber geht es vorwärts. Als Frau fühle ich mich "runder" denn je. Und ich weiß, dass ich ein tolles Gotti und ein tolles Tanti bin, das immer wieder gern gesehen wird.

Gemeinsam mit meiner Gebärmutter und einem tollen Arzt habe ich einen an sich harten Schicksalsschlag in ein neues, erfülltes Leben umgewandelt.

Ich freue mich auf mein Leben, auf meine Pläne und deren Umsetzung! Ich spüre, dass noch Vieles auf mich wartet. Und ich weiss, dass ich meine mütterlichen Qualitäten anders einbringen werde: In dem ich meine Projekte "gebäre":

Denn auch in meiner Firma durfte eine starke Kraft frei werden.

Ganz bewusst lenke ich meine Gedanken und Gefühle auf das, was mir wichtig ist. Begegnen mir Hürden oder Blockaden, dann gebe ich ihnen den Raum, um sie zu meinen Gunsten zu nutzen.

Und wenn Sie, liebe Leserin, sich nun in einer ähnlichen Situation erkennen, dann möchte ich, dass Sie folgendes wissen:

WIR sind die Schöpfer unserer Gedanken und somit unserer Gefühle und unseres Lebens. 

Wenn Dein Schicksal Dir gewisse Erfahrungen geben möchte - so wie es auch mir geschieht - dann nimm sie an! UND auch Deine Fähigkeit, Dich mit Dir selbst zu verbinden und Deine innere Wahrheit zu spüren. Setze Dich für diese Wahrheit ein.

Lass nicht zu, dass man Dich klein redet oder von Deiner inneren Wahrheit ablenken will. Steh zu DIR. Ohne Dramen. Souverän, selbst-verständlich und gelassen. Das wird wirken! Geh den Weg, der Dir das Schicksal vorgibt. Aber geh ihn so, dass Du dahinter stehen kannst und Dich nicht fremdkontrolliert oder ohnmächtig fühlst. Werde Dir bewusst, was Du Dir geben kannst.

Weil Du es Dir Wert bist! Und weil Du es kannst.

Herzlich, Chantal Perrinjaquet

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