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11 Dinge, die Vorschulkinder so wunderbar machen

01/06/2014 09:32 CEST | Aktualisiert 01/08/2014 11:12 CEST
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Als mein ältester Sohn noch ein Baby war, konnte ich es kaum erwarten, dass er den nächsten Meilenstein in seinem jungen Leben erreicht. Ich wollte, dass er sich auf den Bauch dreht, krabbelt, läuft, spricht, spielt, aufräumt, schriftlich dividieren lernt. Jetzt ist er zehn, und diese Kindheits-Meilensteine sind nur noch schwammige Erinnerungen (bis auf die Sache mit der Division, das ist immer noch eine tägliche Qual).

Heute fällt es mir auch schwer, nicht in den „Zeit für den nächsten Schritt"-Modus zu verfallen, wenn ich mir meine dreijährige Tochter ansehe.

Denn Kinder zwischen 10 und 12 sind wirklich klasse. Sie können sich ihr Pausenbrot oder Mittagessen selbst machen. Sie können Fahrrad fahren, ohne dass jemand zusehen muss. Und wann man ganz viel Glück hat, können sie sogar ihre Wäsche selbst zusammenlegen. Man kann vernünftig mit ihnen diskutieren. Zum Beispiel machen sie kein Theater, wenn sie im Supermarkt im Wagen sitzen bleiben sollen. Sie können nämlich schon selbst durch den Supermarkt laufen.

Sie können im Winter beim Schneeschippen helfen. Man kann mit ihnen Strategiespiele wie Schach oder Risiko spielen und nicht immer nur Uno oder Mensch ärgere dich nicht. Sie stellen Fragen zum Weltgeschehen. Sie suchen sich ihre Bücher abhängig von ihren Interessen selbst aus und kennen sich mit dem einen oder anderen Thema vielleicht sogar besser aus als ihre Eltern (zum Beispiel Flugzeugträger und Zerstörer ...).

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich meinen Sohn in einem seiner Spezialgebiete einmal um Rat bitten muss und er mir dann bereitwillig weiterhelfen wird.

Dennoch wünschte ich, ich hätte die Vorschuljahre meines Sohns genauso bewusst genossen wie seine jetzige Lebensphase. Zehn ist ein tolles Alter, aber er wird eben nie wieder drei sein, und das macht mich ein bisschen ... nun ja, nicht traurig, aber vielleicht doch etwas melancholisch.

Denn Dreijährige sind auch toll.

In einem Versuch, mich selbst ein bisschen zu zügeln und die wunderbaren Momente zu genießen, die ich momentan für viel zu kurze Zeit mit einer aufgeweckten, verrückten Dreijährigen erleben darf, habe ich eine Liste von 11 Dingen zusammengestellt, die Vorschulkinder so wunderbar machen.

1. Sie kuscheln gern.

Einfach nur so zum Spaß. Weil sie gerade Lust darauf haben. Selbst wenn sie ein paar Sekunden vorher noch wie irre getobt haben, weil man gesagt hat: „Wir können nicht draußen spielen, wenn es minus zehn Grad hat und ein Schneesturm tobt."

Vielleicht haben Sie auch nicht immer Lust darauf, dass so ein kleiner Mensch sich jederzeit auf Ihren Schoß plumpsen lässt, als wäre das sein alleiniger Stammplatz. Keine Sorge. Es dauert nicht lang, und Sie werden mit ihrem vorpubertären Nachwuchs wie ein Spitzendiplomat über einen Gute-Nacht-Kuss verhandeln müssen.

2. Sie sind gern in unserer Nähe.

Wenn Kuscheln gerade keine Option ist, weil Sie zum Beispiel gerade stehen, dann wollen ihre Kinder zumindest in Ihrer Nähe sein. Egal wo. Beim Kochen, Umziehen, Einkaufen - egal. Natürlich, manchmal könnte ich mit meinen ständigen Ausweichmanövern, damit ich nicht über mein Kind stolpere und mir den Arm breche, einen Schlangenmenschen neidisch machen. Doch im Grunde wird mir ganz warm ums Herz, wenn ich beim Abwaschen nach unten blicke und sehe, wie meine Prinzessin mit ihren „Babys" gerade eine Teegesellschaft zwischen meinen Füßen abhält.

Ich weiß, dass ich ihre ständige Anwesenheit vermissen werden, wenn sie im Herbst in den Kindergarten kommt.

3. Sie finden ihre Mama wunderschön.

Selbst an schlechten Tagen - ungeschminkt, übernächtigt und mit ungewaschenen Haaren. Sie können es in ihren Augen sehen, wenn sie Ihnen tiefgründige Fragen zur Farbe Ihrer Hausschuhe oder zu Ihrem uralten Kapuzenpulli stellen. Oder wenn sie Ihrem Hochzeitsfoto Küsschen zuwerfen. Oder wenn sie Ihre, und zwar ausschließlich Ihre, Haarbürste mitbenutzen.

Verraten Sie es bitte niemanden, aber manchmal tut dieser kleine Schub fürs Ego schon gut.

4. Sie haben keine Vorstellung von Ironie.

Dasselbe gilt auch für Sarkasmus und Augenverdrehen. Sie verstehen diese Dinge nicht und tun sie auch nicht absichtlich. Alles ist einfach so, wie es ist. „Mama, ich hab' Krümel an den Socken. Wir müssen staubsaugen." Ohne einen Hauch von Ironie.

Wenn ich das nur auch von mir selbst behaupten könnte!

5. Sie gehen wirklich früh ins Bett.

Natürlich war Ihnen schon immer klar, dass ältere Kinder später ins Bett gehen. Nur haben Sie vermutlich nie bewusst darüber nachgedacht, wie die Schlafenszeit Ihrer Kinder mit der Zeit zusammenhängt, die Sie für sich selbst haben. Wenn Sie Ihre Abende allein bisher immer genossen haben, dann sollten sie daran denken, dass das nicht ewig so weitergehen wird.

Genießen sie es, solange Sie können.

Und das sage ich jetzt ganz ohne Ironie.

6. Sie verzeihen.

Vielleicht waren Sie gerade zu unrecht ungehalten, weil Sie momentan ganz andere Dinge im Kopf haben (zum Beispiel die Mathehausaufgaben eines Fünftklässlers). Vielleicht haben Sie gesagt: „Bei Schneesturm darfst du nicht draußen spielen." Vielleicht haben Sie vergessen, Saft zu kaufen. Oder Sie haben die Tragik, dass Ihre Tochter so früh ins Bett muss, ihrer Meinung nach nicht ausreichend gewürdigt.

Was auch immer der Fehler oder das Problem sein mag, Ihr Kind wird Ihnen aus tiefstem Herzen und zu 100 % verzeihen. Ohne Fragen, ohne Vorwürfe.

Selbst wenn Sie sich gar nicht entschuldigt haben.

7. Sie probieren fremdes Essen, nur weil Sie es essen.

OK, das bedeutet natürlich auch, dass Sie die Hälfte Ihres Essens abgeben müssen, egal ob es sich um Joghurt mit Gemüsesticks, Vollkorntoast oder Ihren Notfall-Schokoriegel handelt. Dennoch hat das enorme Vorteile und zudem das Potenzial, schon bei den Kleinen kulinarisches Interesse zu wecken.

Memo an mich: Immer auf Dora warten, bevor zur Luxusschokolade gegriffen wird!

8. Frühstücksflocken sind das perfekte Abendessen.

Ich denke, das ist auch eine Sache, die man erst schätzen lernt, wenn es zu spät ist. Dreijährige essen zum Abendessen wahnsinnig gern Cornflakes und sonstige Bestandteile eines süßen Frühstücks wie Waffeln oder Pfannkuchen, Das ist einfach, macht satt, und kann mit Vitaminen angereichert werden. Damit kann man nichts falsch machen.

Mit meinem Zehnjährigen funktioniert das leider absolut nicht mehr. Zehnjährige brauchen „richtiges" Essen.

9. Sie hören gern Geschichten und spielen dabei jede Rolle mit.

Geben Sie es doch zu: Heimlich sind sie stolz darauf, dass Sie „Die Kleine Raupe Nimmersatt" auswendig aufsagen können. Und so ziemlich alle Pixi-Bücher. Nicht zu vergessen „Bobo Siebenschläfer" und „Oh wie schön ist Panama". Früher konnte ich mal Shakespeare und Dylan Thomas zitieren. Verdammt, ich konnte sogar die Grundlagen des Trustrechts im Schlaf aufsagen!

Jetzt ist es eben „Peterchens Mondfahrt". Aber „Peterchens Mondfahrt" ist ohnehin viel besser. Warum? Wenn in der Geschichte jemand weint, dann schluchzt meine Tochter mitleidig mit. Und wenn Maikäfer Herr Sumsemann am Schluss sein sechstes Beinchen wiederfindet, dann strahlt sie, als hätte sie diese fantastische Geschichte noch nie in ihrem Leben gehört.

Sie lässt die Worte lebendig werden. Sie ist da, sie ist bei mir. Es ist wie ein zweistimmiger Gesang zwischen uns, und erst ihre wunderbare Stimme sorgt für die richtige Harmonie.

Das bringt mich zu Punkt

10. Wenn sie fröhlich sind, singen sie.

Sie denken niemals daran, dass sie vielleicht nicht die richtigen Töne treffen oder dass Singen „uncool" ist. Sie kennen das Wort „cool" gar nicht. Ihnen ist völlig egal, ob sie in der richtigen Tonlage singen. Sie fühlen sich nicht verletzlich, wenn sie ihre Gefühle zeigen, sie fühlen sich stärker. Sie unterbrechen ihr Lied vielleicht sogar kurz, um Sie auf ihre reizende Art zu informieren: „Mama, ich singe gerade."

Das alles ist ihnen natürlich in keinster Weise bewusst. Für Dreijährige ist die Sache ganz einfach. Wenn sie fröhlich sind, singen sie.

11. Ihre Welt steckt voller Möglichkeiten.

Sie blicken über den Tellerrand hinaus, weil es in ihrer Welt noch keinen Tellerrand gibt. Als mein Sohn zum Beispiel neulich begeistert eine Familienfeier plante, brachte seine dreijährige Schwester die Idee eines „Flying Dinner" auf. Auf den Gedanken wäre ich von selbst nie gekommen, aber es klingt eigentlich nach viel Spaß (wenn auch vielleicht ein bisschen anstrengend).

Kleine Kinder verfügen noch über eine Kreativität, die nicht durch Vernunft und Logik eingeschränkt wird. Wenn diese Kreativität entsprechend gefördert wird, können aus den Dreijährigen von heute die Innovatoren, Erfinder und Pioniere von morgen werden.

Bis dahin versuche ich, die überwältigende Komplexität und Schönheit unserer Welt durch die großen, braunen Augen meiner Tochter neu zu entdecken - gemeinsam mit ihr.

Was lieben Sie an Dreijährigen am meisten?

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