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Immigrant Entrepreneurs- Türkische Unternehmer in Deutschland

Veröffentlicht: Aktualisiert:
TURKISH BUSINESS
Jan Greune / LOOK-foto via Getty Images
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Alle drei kamen nach Deutschland, lernten deutsch und wurden sehr erfolgreich. Vural Öger, Kemal Sahin und Cengiz Hayati Önel sind Ausnahmeerscheinungen in Deutschland und haben es bis an die Spitze geschafft.

Was waren Ihre Erfolgsfaktoren? Die Biografien von Öger und Şahin und ein Gespräch mit Önel geben darüber Auskunft.

1.Vural Öger: Als studierter Ingenieur entstand die Idee für Öger Tours zufällig. Zu Besuch in Hamburg entdeckte er ein Plakat mit Türkeiflügen von „Düsseldorf nach Hamburg", welches ihm nicht mehr aus dem Kopf ging. Wenige Tage später mietete er einen Raum in Hamburg, charterte ein erstes Flugzeug und verkaufte seine ersten Tickets in Asylantenheim.

Das zeichnete Öger von Anfang an aus- das Vertrauen, dass er bei seinen Kunden genoss. Er flog sogar mehrmals am Tag die Strecke zwischen Deutschland und der Türkei selber mit. Es war das Jahr 1969 und viele kamen mit dem Zug oder dem Auto nach Deutschland. Fliegen betrachteten viele skeptisch und Öger trug einen Anteil dazu bei, das Vertrauen der türkischen Bevölkerung in Deutschland zu gewinnen- mit Erfolg.

Neben seiner Arbeit im Touristikbereich engagierte sich Öger stark ehrenamtlich und ist Mitbegründer der Deutsch-Türkischen Stiftung und Träger des Bundesverdienstkreuzes aus dem Jahr 2001. Dieses hat er erhalten weil er die Freundschaft zwischen Deutschen und Türken gestärkt hat.

2. Kemal Şahin

Ebenfalls zum Studium des Ingenieurswesen kam Şahin nach Deutschland. Nach Ende seines Studiums wollte er noch hier bleiben und etwas arbeiten, allerdings lief seine Aufenthaltsgenehmigung aus, sodass er nur durch eine Gründung in Deutschland bleiben konnte.

Es war eine Notgründung und Kemal Şahin fing klein mit einem Geschenkeladen an, indem er Wandteppiche, Klamotten und ähnliches verkaufte. Schnell folgten weitere Unternehmensgründungen und einige Jahre später hatte Şahin den kompletten Produktionsstrang innerhalb seines Unternehmens vollzogen.

Vom Pflücken der Baumwolle auf den Plantagen in der Türkei, zur Rohverarbeitung in die Fabriken bis zum Design von Kleidungsstücken und der Vermarktung in Deutschland. Alle Schritte wurden innerhalb eines der zahlreichen Töchterunternehmen vollzogen.

Inzwischen besitzt die Şahinler Holding mehr als 100 Unternehmen und 10.000 Mitarbeiter weltweit. Neben seiner Arbeit widmete sich Şahin intensiv der Gründung eines Verbandes - ATIAD. Einem Verband für türkische Unternehmer und Industrieelle in Europa, der Lobbyarbeit in Brüssel und Berlin betreibt. In seinem Heimatdorf in der Türkei setzt sich Şahin auch stark für den Umweltschutz ein und war, zusammen mit Öger, Gründer der Deutsch-Türkischen Stiftung.

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3. Cengiz Hayati Önel

Eigentlich wollte er Diplomat werden sagte Önel im Interview, aber er ist sehr froh im Verlagswesen gelandet zu sein. Denn vorherbestimmt war dieser Weg nicht für ihn. Önel studierte Wirtschaftswissenschaften in Köln und gründete mit seinem Vater zusammen den Önel Verlag.

Sein Vater war ein starker Bildungsmensch und Türkisch Lehrer in Köln und sah, dass der Unterricht für türkische Kinder ausfiel, weil es keine Lehrbücher gab. So machte Önel seinem Vater den Vorschlag zur Gründung eines Verlags. Bis heute ist der Verlag dem Prinzip der Zweisprachigkeit treu geblieben.

Angefangen mit Lehrbüchern für den Türkischunterricht veröffentlicht der Önel Verlag auch Literatur von zweisprachigen Autoren. Neben seiner Arbeit im Verlag ist Önel stark ehrenamtlich engagiert in Köln und hat auch den Ehrenamtspreis der Stadt erhalten. Er ist Wirtschaftsbotschafter der Stadt Köln und engagiert sich auch in einem Verein für den Naturschutz.

Die drei Unternehmer haben gewisse Gemeinsamkeiten, die bei der Recherche auffielen. Alle drei studierten etwas und landeten in einem Bereich, der nichts mit ihrem eigentlichen Studium zu tun hatte. Öger beschrieb es in seiner Biografie am besten als er schrieb, dass die Fähigkeit Chancen zu erkennen und danach zu handeln ein möglicher Erfolgsfaktor für ihn war.

Sie hatten den Mut und das Selbstbewusstsein sich in ein neues Feld zu wagen. Alle drei sahen bestimmte Bedürfnisse nicht erfüllt und gaben ihr Bestes diese Lücke zu füllen, in dem sie hart dafür arbeiteten.

Eine Sache fällt ebenfalls sehr deutlich auf: ihr starkes ehrenamtliches Engagement in Vereinen, Verbänden oder NGO`s. Das mag zwar vielleicht kein direkter Erfolgsfaktor sein, hat dennoch mit Sicherheit zu diesen inspirierenden Biografien beigetragen.

Ceyhun Yakup Özkardes ist Autor von Immigrant Entrepreneurs - Erfolgsfaktoren türkischer Unternehmer in Deutschland.

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