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Industrie 4.0 und der value-Ansatz von Warren Buffet

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WARREN BUFFET
Rick Wilking / Reuters
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Thomas Rappold ist Autor von Silicon Valley Investing- investieren in die Superstars von heute, morgen und übermorgen und Experte im Bereich Industrie 4.0. Er ist auch Investmentberater für den Industry 4.0 Performance Index und erklärte mir bei einem Telefoninterview wie er nach dem value-Ansatz von Warren Buffet, Unternehmen für seinen Index auswählt.


Ceyhun- Yakup Özkardes: Was genau bedeutet Industrie 4.0 ? bzw. Internet of Things?

Thomas Rappold: Dieser Begriff 4.0 steht für die vierte industrielle Revolution. Also nach Erfindung der Dampfmaschine, der ersten industriellen Revolution, folgt die Erfindung der Elektrizität und deren Verbreitung, sozusagen das Elektrizitätszeitalter. In der dritten industriellen Revolution, beginnend ab dem zweiten Weltkrieg, war das Thema der Computerisierung und die vierte Revolution steht für die Vernetzung aller Maschinen zu einem globalen Netzwerk. Industrie 4.0 ist der deutsche Begriff mit der Idee den Produktionsstandort und die Industrie komplett zu digitalisieren und zu vernetzen. Anfänge dazu gibt es dazu bereits seit 30 Jahren wie z.B. mit CAD (Computer added design) und Computer integrated manufacturing. Das gab es schon alles aber die neue Dimension ist das alles miteinander vernetzt wird und man spricht auch von der Losgröße 1. D.h. von einer wirklich individualisierten Produktion. Es ist also möglich direkt übers Internet zu sagen „Ich hätte gerne den Turnschuh in dieser Ausführung und in diesen Farben" und dann könnte dieser Schuh innerhalb kürzester Zeit in einem Flagship-store direkt hergestellt werden. Das ist die deutsche Brille, also die Produktionsbrille der Industrie 4.0.

Die Amerikaner fassen diesen Begriff mit dem Internet of Things/ Internet der Dinge etwas weiter. Sie meinen damit einfach alle Geräte wie Mobiltelefone, Maschinen zur Produktion, Fitnessarmband und vieles mehr. Manche Marktbeobachter wie z.B. Cisco sagen voraus, dass im Jahr 2020 bis zu 50 Milliarden Geräte vernetzt sein sollen und jedes Gerät eigene Sensoren hat, die mittels Software über eine sogenannten Schreib-Lese Intelligenz verfügen. Damit sind diese Geräte ständig in der Lage, mittels Daten zu kommunizieren. Das ist dann auch die Grundlage für Themen wie Big Data Analytics und Methoden der künstlichen Intelligenz, um diese Daten zu verarbeiten. Wenn ganze Roboterfarmen oder Maschinen vernetzt sind dann liefern diese Geräte viele Informationen in die Cloud. Aus diesen Daten werden Muster herausgelesen, sodass dann Roboter und Maschinen sich autonom bewegen bzw. produzieren können.

Das klingt so, als ob der Mensch in den Hintergrund rückt und die Maschinen das Ruder übernehmen. Ist das denn tatsächlich so?

Man sieht das Ganze auch ein stückweit an der Präsidentschaft Donald Trumps an verschiedenen Stellen. Zum einen wurde mehrfach bereits von alternativen Fakten gesprochen, daraufhin ist plötzlich der Verkauf des Buchs von George Orwell 1984 bei Amazon in die Höhe geschnellt. Wenn man auch bedenkt dass die Washington Post ermittelt hat, dass Facebook über jedes seiner Mitglieder rund 97 Datenpunkte sammelt und das es auch nachgewiesen worden ist das Big Data Analysen aus Facebook nicht ganz unerheblich sind für Wahlentscheidungen in den USA, dann ist dieser Charakter durchaus gerechtfertigt.

Positiv muss man aber auch zwei Dinge hervorheben in diesem Zusammenhang mit der Industrie 4.0. Zum einen werden die ganzen Robotik und Automatisierungsprozesse humanerer Natur, d.h. wir kennen Roboter normal in Menschenleeren Fabriken. Also Maschinen, wie sie Autos zusammenschweißen und bauen. Man könnte also sagen eher schmutzige und Hardcore Arbeit. Jetzt kommt noch hinzu, dass in vielen industrialisierten Ländern der demographische Wandel so gestaltet ist, dass die Menschen immer älter werden. Damit werden Tätigkeiten im produzierenden Bereich eher beschwerlicher und es treten auch mehr Abnutzungserscheinungen auf. Deutschland und Japan haben weltweit das höchste Durchschnittsalter in ihrer Bevölkerung mit rund 46 Jahren. Das bedeutet, dass hier zum einen die Mitarbeiter immer älter werden, damit auch kränklicher und die Leistungsfähigkeit auch zurückgeht und hier man nach Lösungen suchen muss. Was den Prozess noch verstärkt ist, dass die Jahrgänge ausdünnen. Wir haben in Deutschland einen Fachkräftemangel. Aktuell sind es rund eine Million offene Stellen. Dieser Mangel kann mit dem Thema Automatisierung gelöst werden, weil Roboter auch außerhalb von sogenannten Zellen einsetzbar sind. Diese Roboter bewegen sich freier und assistieren den Arbeitnehmern. In einer modernen Fabrik fungiert ein Roboter wie ein autonomes Fahrzeug, dass an die Maschine Teile liefert. So muss der Mensch nicht mehr selber ins Lager gehen, um die Teile zu holen.

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Grundsätzlich geht es auch immer um das Thema Arbeitsplätze wie wir das auch von Donald Trump wissen. Trump versucht die Dinge zu kurieren mit Methoden der 50er und 60er Jahre. Viele Arbeitsplätze sind nicht nur durch die Globalisierung schlicht und einfach verlagert worden sondern auch durch die Digitalisierung verändern sich die Arbeitsfelder sehr stark. Das betrifft aber nicht nur die produktionsorientierten Berufe, wenn wir über Dinge wie Data Analytics und Robotik sprechen müssen wir auch darüber sprechen, dass sich Berufe wie Steuerberater und Rechtsanwaltsberufe dramatisch ändern werden. Denn diese digitalen Roboter, die auch im digitalen Bereich arbeiten, eben 365 Tage im Jahr arbeiten können, die kennen keinen Montag wo Fehler passieren und die werden nicht krank. So wie andere Maschinen Autos zusammenbauen können, können diese Roboter Verträge prüfen oder Geldwäsche ermitteln. Diese Dinge passieren bereits und werden in Zukunft auch noch zunehmen.

Vielleicht noch abschließend zum Thema Jobs, auch da gibt es unterschiedliche Ansichten. Ein Bill Gates spricht von einer Robotersteuer, also eine Steuer auf Roboter. Gewisse rechtspopulistische Politiker in Frankreich, in den Niederlanden oder auch in Amerika gehen teilweise erfolgreich auf Stimmenfang mit diesem Thema. Tatsächlich aber hat gezeigt, dass Deutschland hier mit einem stark produktionsorientierten Bereich ein Indiz dafür ist, dass ein deutlicher Arbeitsplatzaufbau in der Industrie und auch in der Dienstleistungsbranche möglich ist. Also ein Arbeitsplatzaufbau gerade trotz der sehr hohen Roboterdichte in Deutschland ist möglich. Automatisierung sieht nicht unbedingt Arbeitsplatzverluste nach sich; man kann also sehr wohl mit Automatisierung den Standort stärken und in der Zukunft auch dazu führen, dass die Produktion wieder zurückverlagert wird. Durch eine viel stärkere Automatisierung und durch den Wunsch der Kunden auf individuelle Produkte entstehen neue Arbeitsplätze in den Industrieländern.

Es gibt also Berufe die verschwinden, es entstehen aber auch neue Berufe, nicht wahr?

Es gibt so klassische Berufe wie den Maschinenbauer, Maschinenbauingenieur, dem Werkzeugmacher. Dessen Tätigkeit wird immer stärker durch Softwarethemen zukünftig unterstützt, sodass da immer mehr Lösungskompetenz dazu kommt. Dinge wie Datenanalyse, Datenmanagement und immer mehr auch Programmier Know-how werden immer wichtiger werden. Diese Fähigkeiten werden notwendig sein, um den shift zu größerer Lösungskompetenz zu erreichen.

Ist Industrie 4.0 in erster Linie etwas für große Konzerne oder können auch mittelständische Unternehmen davon profitieren?

Es ist richtig, dass viele große Unternehmen dieses Thema treiben, wie z.B. Unternehmen wie Siemens, KUKA, die ABB oder Fanuc in Japan die aus Automatisierung und Robotik kommen und das Thema Industrie 4.0 stark treiben und unterstützen. Diese Unternehmen verfügen über die notwendige man-power und die notwendige Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Richtig ist auch, dass die deutsche Wirtschaft sehr stark mittelständisch geprägt ist und wir in Deutschland sehr viele, gerade Maschinen und Elektronik Unternehmen, sogenannten hidden champions haben. Also Unternehmen die in ihrem jeweiligen Marktsegment Weltmarktführer sind. Hier wird es eigentlich spannend, viele dieser Unternehmen sehen Industrie 4.0 ganz eindeutig als Chance und nicht als Risiko.

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Als Chance deshalb weil sie durch die Öffnung der Märkte und die Öffnung der digitalen Technologien eigentlich ihr Geschäftspotenzial deutlich erweitern können. Heute ist es so dass generell Themen wie Cloud Computing, deutlich günstigere Hardware, maschinelles Lernen, wie aus der Steckdose zur Verfügung stehen. Große Anbieter wie IBM, Watson, Google, Amazon oder auch Microsoft stellen Cloud Plattformen für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz zur Verfügung, die auch ein mittelständiges Unternehmen, ohne groß in Hard- und Software zu investieren, nutzen kann und für ihre eigenen Lösungen adaptieren kann. Im Übrigen nichts Ungewöhnliches weil Unternehmen wie Siemens in der Vergangenheit für viele mittelständige Unternehmen die Software für die Maschinensteuerungen oder die Automatisierungssteuerungen quasi als Betriebssystem zur Verfügung gestellt haben. Insofern ist das für den Mittelstand nichts Ungewöhnliches mit dieser Komponentenwelt in der digitalen Welt umzugehen.

Was neu ist und was ein großer shift sein wird ist das Denken in neuen, digitalen Geschäftsmodellen. Und zwar weg zu kommen von der Tatsache eine Maschine zu verkaufen und dann Software und gewisse Dienste als ad-on oben draufzugeben. In der Zukunft wird dieses ad-on, diese Lösungskompetenz, diese Softwarekompetenz und die Datenanalysekompetenz ein wesentlicher Punkt sein. Es wird ein Kriterium sein an die mittelständischen Unternehmen dieses Paket zu kaufen und nicht mehr nur eine Maschine. Dies erfordert ein neues Denken, weg von nur einem Produkt und einem produktionsorientierten Denken hin zu einer mehr digitalen Lösungskompetenz.
Das setzt natürlich sehr viel Voraus im Bereich Aus- und Weiterbildung. Hier entsteht ein großer Bedarf bei dem die Unternehmen die bestehen Mitarbeiter in naher Zukunft stark schulen müssen. Um ihr Unternehmen für diese neue Denke vorzubereiten und das ist ein großer Wechsel, wie der vor 30 Jahren. Damals wurden die ganzen Maschinen mit computergesteuerten Steuerungen besetzt und diese Maschinen konnten auch programmiert werden. Jetzt findet das auf einer noch höheren Dimension statt, eben auch mit der Anbindung ans Internet, mit der generellen Vernetzung und auch mit der Möglichkeit, dass der Endkunde direkt Produkte bestellen kann als Losgröße 1 und die dann individuell gefertigt wird.

Amazon z.B. hat ein Patent eingereicht von einer komplett autonomen Fabrik, in der der Kunde ein individuelles Kleidungsstück bestellen kann und das dann in dieser individuellen Kleiderfabrik produziert wird. Anschließend wird es dann auch von Amazon direkt ausgeliefert. So wird in Zukunft die Produktionskette komplett neu aufgeräumt.

Ist die Losgröße 1 ein feststehender Ausdruck?

Ja, das ist ein feststehender Ausdruck; wir kennen den Begriff one-to-one Marketing seit 15 Jahren d.h. man kann jemanden persönlich durch customer relationship persönliche Newsletter zusenden, man kann sich mittlerweile sein persönliches Fernsehprogramm über Netflix oder Amazon Prime zusammenstellen oder sein eigenes Portfolio über Robo-Advisor. Was jetzt eben immer mehr kommt ist das die Kunden diesen on-demand Bedarf haben und sagen „Ich bestelle das heute und möchte es idealerweise heute noch oder spätestens morgen geliefert haben." In vielen Produktionsbereichen wie bei Zara oder bei H&M haben sich die Zyklen dramatisch verkürzt, sodass sie regelmäßig alle paar Wochen eine neue Kollektion in die Schaufenster und in das Internet stellen. Der Kunde ist mittlerweile verwöhnt und gewöhnt ein neues Produkt zu bekommen. Das führt auch dazu, dass z.B. durch den 3-D Druck einfache und komplexe Konsumprodukte oder B2B Produkte in dieser Losgröße 1 produziert werden, die eben sehr zeitnah und nicht in China oder in einem anderen Land hergestellt werden sondern im eigenen Land. Mit dieser Losgröße 1, also mit dieser Individualisierung kommen damit auch wieder Arbeitsplätze zurück zum Konsumenten.

Welche Auswirkungen werden wir (Konsumenten; Unternehmen; Arbeitnehmer) durch die Industrie 4.0 erleben bzw. erleben wir bereits?

Konsumenten
Also für den Konsumenten bedeutet es, dass er noch mehr Macht bekommt. Er kann über die digitalen Plattformen, die Ecommerce Plattformen wie Amazon individuell auf ihn zugeschnittene Produkte zu sehr günstigen Konditionen kaufen und bekommt diese auch schnell geliefert.

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Unternehmen
Das Unternehmen muss sich zu einem Netzwerk Unternehmen, zu einem Plattform Unternehmen entwickeln und muss sich mehr mit Themen wie Datenanalytik, Datendienste und digitalen Geschäftsmodellen beschäftigen. Das bedeutet, dass das Unternehmen weg muss von der Produktion und hin zu mehr Lösungskompetenz.

Arbeitnehmer
Für den Arbeitnehmer wird es in der Zukunft bedeuten, dass er viel mehr digitale Kompetenz haben wird und haben muss. Er braucht auch diese Lösungskompetenz, diese Denken in digitalen Geschäftsmodellen, in Software und Datenanalyse; dahingehend werden sich die Berufsbilder verschieben. Also die Arbeit geht weg von rein Produktionsorientierten Tätigkeiten zu eher mehr autonomeren Tätigkeiten. Für den Arbeitnehmer kommen spannendere und herausfordernde Tätigkeiten zu, anstatt eintönige Arbeit in der Produktion. Aber auch administrative Arbeit, Stichwort Behörden, Versicherungen, Banken, Vertragsprüfungen werden zukünftig von Maschinen übernommen.

Welche Weiterbildung kommt damit auf den Arbeitnehmer zu? Informatik?

Ja, es gibt bereits Bestrebungen Informatik bereits in der Schule früher anzubieten. In Estland sind z.B. viele Behördengänge komplett digitalisiert oder auch in Israel, die sehr stark sind im Bereich Cyber Security. Dort lernen die Kinder genau, wie eine Fremdsprache bereits in frühem Alter, wie man programmiert und tun sich damit auch einfacher in digitalen Geschäftsmodellen. Programmieren ist wie mit den Fremdsprachen, je früher man anfängt desto besser ist es damit umzugehen.

Gibt es best-practice Methoden für Konzerne, mittelständische Unternehmen und Kleinunternehmer wie Industrie 4.0 umgesetzt werden kann? Falls ja, welche Strategien werden dabei verfolgt?

Es gibt gewisse Standards und interessanterweise gibt es in der Politik z.B. das Wirtschaftsministerium in Deutschland aber auch die Verbände, wie der Maschinenbau- und Elektroverband, viele namenhafte Unternehmen, wie Siemens, SAP, Forschungsinstitutionen, wie die Frauenhofer Gesellschaft die an Standards arbeiten. Das nennt sich „Plattform Industrie 4.0", dass sich sehr gründlich Standards ausarbeitet. Daneben gibt es auch globale, technische Standards die vergleichbar sind, wie das „Internet Protokoll". Das zeigt, dass das Ganze auf gutem Wege ist, also eine Kombination von nationalen Standards mit einem internationalen Standard. Viele deutsche Unternehmen haben auch schon diese internationalen Standards bereits in ihre Produkte übernommen bzw. haben diese in ihrer technologischen Roadmap integriert.

Ja, es gibt auch viele best-practice Methoden, viele konnte man auch bei der Hannover Messe sehen. Dort wurde es allgemein auf den Punkt gebracht und Frau Merkel hat es auch auf den Punkt gebracht mit der Aussage: „ Man sieht jetzt, letztes Jahr wurde über Industrie 4.0 allgemein geredet, dieses Jahr sieht man praktische Lösungen." Es gibt nicht DAS Industrie 4.0 Produkt, aber es gibt Lösungsansätze um die Unternehmen schneller, agiler und digitaler aufzustellen.

Deutschland und China kooperieren im Feld der Industrie 4.0; wie schätzen Sie diese Zusammenarbeit ein? Ist es eine Gefahr für Deutschland da China das Projekt „Made in China 2025" anstrebt?

Zunächst mal ist dieser Anspruch von China, Made in China 2025, klar definiert als ein Vorstoß mit dem Westen technologisch aufzuschließen im Bereich des Maschinenbaus, Elektroindustrie, Robotik und Automatisierung. Das Ziel ist es eigenständig in der Lage zu sein, komplexe Lösungen in der Automatisierungstechnik und Robotik selber herzustellen. Das ist der klare Anspruch.
Das Ganze ist ja auch mit viel Geld, Planung und Stringenz unterfüttert. Um dieses Ziel schneller zu erreichen gibt es immer den Punkt „Make or buy" und die Chinesen haben sich u.a. für den Aspekt buy entschieden. Die Chinesen haben eins der Kronjuwelen der Robotik und Automobilisierungsindustrie die Firma KUKA erworben. Das ist ein Beispiel um schneller technologisch aufzuschließen, was nichts Verwerfliches ist, denn andere Unternehmen machen das auch.

Die deutsche Industrie ist ganz grundsätzlich in einer Abhängigkeit mit der Chinesischen Industrie. Man sieht das z.B. im Automobilbereich, Stichwort Elektroauto. Angela Merkel und das Wirtschaftsministerium haben interveniert, weil die Chinesen schneller mit dem Elektroauto voranschreiten und Quoten einführen. Es gibt ganz klar diese Abhängigkeit aber das Schwert ist zweischneidig. Es gibt diese Abhängigkeit des Abnahmemarktes mit China, das ist nicht von der Hand zu weisen, und das die Chinesen selber versuchen viele Produkte herzustellen ist auch klar. Trotzdem glaube ich gibt es keinen anderen Weg als hier zu versuchen die Brücke mit China auszubauen und diesen Weg konsequent zu gehen. Aber immer mit dem Umkehrschluss, dass es auch in China die Möglichkeit gibt in Unternehmen zu investieren und zu profitieren.

Was sind Risiken der Industrie 4.0 bzw. gibt es Verlierer der Industrie 4.0?

Man kann das ein wenig vergleichen wie mit dem Automobilbau. Ich habe gestern vernommen, dass bei Bosch z.B. 50,000 Mitarbeiter an Diesel hängen, also der Dieselproduktion. Der Diesel ist ein Auslaufmodell und wird lediglich geduldet. Wenn man jetzt ein konventionelles Auto und ein Elektroauto vergleicht werden bei einem Elektroauto viele Komponenten wegfallen. Das Elektroauto wird deutlich einfacher werden in der Produktion, da es weniger Materialien benötigt. Das hat wiederum die Konsequenz, dass viele Zulieferer aber auch größere Unternehmen darunter stark leiden werden. Der Wechsel etwas anderes herzustellen ist gar nicht so einfach, denn der Wechsel im digitalen Bereich z.B. im Elektroauto oder auch im Industrie 4.0 gehen häufig nicht über Jahre hinweg gleitend, sondern das sind durchaus harte, null-oder-eins Prozesse, digitale Prozesse.

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Wer Probleme bekommen kann sind kleinere mittelständische Hersteller in der Sensorik. Insbesondere Hersteller, die nicht die finanziellen und personellen Kapazität haben, um den shift in die digitale Geschäftsmodellentwicklung zu schaffen. Verlierer sehe ich insbesondere im mittleren-unterem Segment. Die großen, starken werden stärker und Spezialisten, die etwas Spezifisches herstellen können, die werden auch stärker.

Sie sind Investmentberater des Industry 4.0 Performance Indexes; können Sie diesen kurz vorstellen?

Ich bin Investmentberater für den Industry 4.0 Performance Index und hier fungiere ich als Berater in der Zusammenstellung des Indexes. Wir haben in diesen Index bis zu 20 Werte aus dem Bereich Industrie 4.0. Das sind Unternehmen in den Bereichen Robotik, Sensorik, Automatisierung, Big Data und Software Lösungen. Ich habe eine bestimmte Methodik entwickelt, die basiert auf den value-Einsatz von Warren Buffet. Warren Buffet wählt Unternehmen nach dem Alleinstellungsmerkmal aus und ich habe diese Methode auf den digitalen Bereich übertragen. Wir haben nach Unternehmen gesucht für diesen Index, die zum einen hohe Alleinstellungsmerkmale haben. Nach diesen sogenannten hidden champions haben wir gesucht und sind auch stark in Deutschland fündig geworden. Ich nenne mal zwei Unternehmen aus Deutschland die da hineingehören. Das ist zum einen die Firma Dürr, die Lackierroboter herstellt, jeder zweite Lackierroboter weltweit kommt von der Firma Dürr aus der Nähe von Stuttgart. Ein zweiter Schwerpunkt den das Unternehmen Dürr hat ist das sie aus den hohen Gewinnen die sie hatten aus der Robotik weitere Unternehmen dazu gekauft haben. Die Firma Dürr ist noch stark durch die Eigentümer repräsentiert und ist ein großes mittelständisches Unternehmen, das noch von der Familie Dürr maßgeblich als Aktionär begleitet wird. Das sind für uns die Kriterien: also zum einen dass das Unternehmen einen Burggraben hat, das die Gründer möglichst im Unternehmen präsent sind und dass das Unternehmen technologisch sehr gut aufgestellt ist. Ein weiteres Unternehmen das in diese Kategorie passt ist die Firme Krones, welches Weltmarktführer im Bereich Automatisierungslösungen für Getränke und Nahrungsmittel ist. Die Firma ist ebenfalls stark durch die Gründer, der Familie Krones, repräsentiert.

Es gibt dazu ein sogenanntes Partizipationszertifikat und das wurde im April 2016 aufgelegt. Das Zertifikat hatte jetzt einen Anstieg zu vermelden im ersten Jahr von über 45%. Das bedeutet Anleger können wirklich von dem Thema Industrie 4.0 nachhaltig profitieren. Das Ganze ist ein interessantes mittel- bis langfristiges Investmentthema.

Wie viel muss man als Anleger mindestens investieren?

Die kleinste Stückgröße liegt im Augenblick bei 150,00 € was einen Anteil repräsentiert.
Vielen Dank für Ihre Zeit und für das Interview.

Das Interview führte Ceyhun Yakup Özkardes. Hier zum nachhören auf Youtube und Soundcloud.

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