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Der Islam und die AFD - Welches gehört zu Deutschland?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MOSCHEE DEUTSCHLAND
Sean Gallup via Getty Images
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In seiner Bremer Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 löste der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff mit dem Satz "Der Islam gehört zu Deutschland" eine Debatte aus. Gehört der Islam zu Deutschland? Ist es ein Teil Deutschlands? Was macht die deutsche Leitkultur aus?

Hierzu gab es viele unterschiedliche Meinungen, wie z.B. „Nicht der Islam, aber die Muslime gehören zu Deutschland." Kanzlerin Angela Merkel hat anlässlich des Ramadans 2015 gesagt: „Der Islam gehört unzweifelhaft zu Deutschland."

Die AfD wiederum hat nun in ihrem Parteitag "beschlossen", dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Mal abgesehen davon, dass man so etwas nicht beschließen kann, sondern historische und kulturelle Fakten betrachten muss, versuchen wir der Frage nachzugehen, ob der Islam oder die AfD zu Deutschland gehören.

Islam wird seit 500 Jahren in Deutschland gelebt

Was relativ unbekannt ist, dass der Islam nicht seit 50 Jahren, sondern seit 500 Jahren in Deutschland gelebt wird. Seit über 500 Jahren sind Muslime in dieser Gesellschaft und haben zu verschiedenen Zeitepochen die Gesellschaft mitgestaltet. Dabei kam nie die Frage auf, ob diese Menschen Teil dieser Gesellschaft sind. Dies war eine Selbstverständlichkeit. Der Islam war keine Religion der "Gäste", sondern ein Glaube der Mitbürger.

Friedrich der Große schrieb 1740: „Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie ausüben, ehrliche Leute sind; und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen."

Während einer Reise durch das Osmanische Reich, schrieb Kaiser Wilhelm II. am 8.11.1898 in Damaskus eine Postkarte an den Sultan des Osmanischen Reiches Abdülhamid II: „Möge Seine Majestät der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die, auf der Erde zerstreut lebend, in ihm ihren Kalifen verehren, dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird."

Gegenwärtig leben (inkl. der Geflüchteten) etwa sechs Millionen Muslime in Deutschland. Sie sind deutsche Muslime. Der größte Anteil ist hier geboren, hier zur Schule gegangen, arbeitet hier, ist hier sozialisiert wurden und wird auch hier begraben werden. Diese Menschen leisten einen immensen Beitrag für diese ihre Gesellschaft. Auch in den Moscheegemeinden gibt es großes ehrenamtliches Engagement von unschätzbarem Wert.

Der Islam und die Muslime in Deutschland blicken also auf ein halbes Jahrtausend des friedlichen Miteinanders zurück.

Die AfD jedoch ist eine rassistische Scheinpartei, genauer gesagt eine faschistische Ideologie, mit Wurzeln von vor 100 Jahren. Historisch ist sie verwurzelt mit den Rassentheorien des 20. Jahrhunderts. Ihr einziges Engagement in dieser Gesellschaft ist die Verbreitung von Angst vor dem vermeintlichen Fremden.

So spielt die AfD mit dem Angstgefühl der Menschen. Es werden Schreckensbilder und -szenarien erzeugt. Eine Dystopie wird skizziert. Dies führt dazu, dass die Gesellschaft sich spaltet. Feindbilder entstehen und antiislamische Ressentiments werden verbreitet.

Da ständig neue Grenzen sowohl in der Praxis als auch in der Semantik und Rhetorik von der AfD gesprengt werden, kommt die berechtigte Frage auf, ob der Verfassungsschutz die AfD nicht beobachten sollte. Denn wohin die Überschreitung von solchen Grenzen führen kann, kann sich jeder selbst denken.

AfD-Politik nicht verharmlosen

Dabei nützt es auch nichts, die AfD-Politik zu verharmlosen. Anhänger von AfD oder Pegida können sich nicht hinter dem Label "Besorgte Bürger" verstecken. Die Berufung des "Besorgten Bürgers" auf das Grundgesetz oder die Demokratie haben sich nur als reine Floskel herausgestellt. Das Parteiprogramm der AfD zeigt dies deutlich. Das Grundgesetz wird mit Füssen getreten.

Wenn in der Vergangenheit der Islam kritisiert wurde, wurden öfters radikale Gruppen als Anhaltspunkt genommen. Wie sehen aber, dass es rechtspopulistischen Gruppen längst nicht mehr nur um die Radikalen geht. Spätestens seit HoGeSa und Pediga wissen wir, dass dies bei rechtspopulistischen Gruppen nur ein Vorwand ist, um den Islam als Gesamtbild unter den Pranger zu stellen.

Da fragt man sich natürlich, wo die selbsternannten Islam- und Islamismusexperten sind, die sich ja „Für den Islam" aber „Gegen Radikale" aussprechen, die also den Vorwand brachten, dass sie differenzieren. Wo sind nun diese "Islamexperten"? Was sagen diese Experten zur Verurteilung des Islams insgesamt als Religion und damit der Verunglimpfung der Muslime, die nicht extremistisch sind?

In diesem Sinne:
Der Islam gehört viel mehr zu Deutschland als die AfD. Sie spiegelt die soziale Realität viel mehr wieder und ist mit dem Grundgesetz und den abendländischen Werten vereinbarer als die AfD. Die AfD gehört definitiv nicht zu Deutschland. Die überwältigende Mehrheit der Gesellschaft teilt ihre Meinungen nicht.

Cemil Şahinöz
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