BLOG

Juden und Muslime - ein Wir?

29/04/2017 18:29 CEST | Aktualisiert 29/04/2017 18:29 CEST
stevenallan via Getty Images

Mit Hilfe von technologischer Entwicklung und Globalisierung wurden die Wege noch kürzer und die Kommunikationskanäle schneller, somit sollten das gegenseitige Kennenlernen von Menschen und der Abbau von Vorurteilen in der Gesellschaft beschleunigen! Und das hat aber auch anders gewirkt, wie man es erwartet hat.

Ein Traumkontinent Europa ist mittlerweile von Extremisten überfüllt. Fast in jedem entwickelten Land Europas werden die Extremisten mehr präsenter auf politischen und strategischen Ebenen. Was ist da denn aber falsch gelaufen? Entwicklungen sollten doch neue Brücken zwischen uns bauen anstatt vorhandene Brücken zu stürzen...

Am letzten Freitag war ich schockiert, als ich in der Freitagspredigt vom Imam gehört hatte, dass jedes Jahr 7-8 jüdische Schüler aufgrund des Mobbings muslimischer Schüler von normalem Gymnasium aufs jüdische Gymnasium wechseln. Jüdische Schüler werden von muslimischen Schülern diskriminiert.

Wenn solche Diskriminierungen oder Mobbings auch in so einer vielfältigen Metropole Berlin stattfinden, möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie weit es noch mehr in nicht vielfältigen Orten gehen kann? Was machen wir denn falsch? Wer ist daran Schuld, türkische oder arabische Medien, die fast nur einseitig antisemitisch ihren Programminhalt haben?

Unser Bildungssystem, das immer noch die Muslime als Gastarbeiter und nicht Teil unserer Gesellschaft sieht? Unsere Vorurteile, die unsere muslimische Eltern schon aus ihren alten Heimatländern mitgebracht haben? Oder Nahostkonflikt, der die Juden und Muslime immer zu Auseinandersetzungen bewegt!

Einst ist mir aber klar, diese muslimischen Schüler können ihre Begründungen zur Diskriminierung nicht auf den Islam verweisen. Denn weder in der Geschichte des Propheten Muhammad (sav) noch im Koran sind Bespiele zu finden, die Juden diskriminieren, weil sie Juden sind.

Natürlich als Staatsoberhaupt hatte der Prophet in manchen Zeiten auch mit Juden Krisensituationen gehabt, aber zur gleichen Zeit hatte der Prophet Muhammad mit den anderen jüdischen Stämmen unter einer gemeinsam entworfenen Verfassung (Medina Vertrag) friedlich zusammengelebt.

Ein persönliches Beispiel vom Propheten: "Prophet Muhammad (sav) stand auf und zeigte Respekt vor einem Leichenzug eines jüdischen Menschen. Als die Freunde des Propheten sagten, O Prophet, er war aber ein Jude, dann erwiderte der Prophet: er war ein Mensch!". So lernen wir von der Tradition des Propheten, dass man nicht gegen bestimmte Völker sondern gegen bestimmte schlechte Eigenschaften der Menschen kämpfen muss.

Können wir denn als Mitbürger Deutschlands gegen Diskriminierungen nicht gemeinsam agieren? Die solidarische Erklärung vom Präsidenten des Zentralrates der Juden ist herzlich zu begrüßen: "Ich halte ein Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst für problematisch.

Im übrigen glaube ich nicht, dass es mit dem Grundgesetz vereinbar ist", sollte man aber nicht mehr von solchen Stellungnahmen erfahren und sogar von allen Seiten unserer Gesellschaft! Ich glaube, es gibt mehrere Angelegenheiten, wo Juden und Muslime sich einig sein können, außer Beschneidungsdebatte und Kopftuchverbot...

Von allen, was uns den Dialog und friedliches Zusammenleben erschweren, müssen wir versuchen uns zu befreien. Nur so können wir zusammenkommen, zusammenleben und ein WIR schaffen.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.