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Imame sind eine Chance für die Integration

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IMAM BERLIN
Arnd Wiegmann / Reuters
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Seit mehr als einem halben Jahrhundert müssen sich Muslime in einem Land einleben, das nicht muslimisch geprägt ist. Mit der Zuwanderung der Gastarbeiter haben die Einheimischen den ersten Kontakt mit den Muslimen gehabt. Jedoch waren sowohl Muslime als auch Einheimische auf dieses Zusammenkommen nicht gut vorbereitet.

Weder vor, noch nach ihrer Ankunft konnten Sie einen Orientierungskurs besuchen, um ihr Einleben in Deutschland leichter zu machen. Man hatte nur "Arbeitskräfte gerufen, aber es kamen Menschen an", wie der Schriftsteller Max Frisch es betonte, die auch wie andere Menschen Grundbedürfnisse hatten.

Die religiösen Angelegenheiten gehörten auch zu diesen Grundbedürfnissen, die leider schon seit Anfang an nicht mitgedacht wurden. Die neuen Arbeitskräfte waren Muslime, die sich selbst um ihr religiöses und kulturelles Leben kümmern mussten.

Somit entstanden aus diesen Gastarbeitern auch Imame, die neben ihrer eigenen Beschäftigung entweder für Abende und Wochenende oder für Freitagsgebete freiwillig zur Verfügung standen. Denn einige von diesen Gastarbeitern hatten schon in ihren Heimatländern eine traditionelle religiöse Erziehung genossen. In den Heimen und Hinterhöfen waren bereits angemietete Räumlichkeiten zum gemeinsamen Beten vorhanden.

Erste Moscheevereine und Herausforderungen des Imam- Berufes

Der Bedarf nach den Imamen und Räumlichkeiten zum Verrichten des gemeinsamen Gebetes wurde durch steigende Zahl von Muslimen immer größer. Dadurch kamen die ersten Moscheevereine ab den 70er Jahren zustande, was auch später dann muslimische Dachorganisationen mit sich brachte.

Und in diesen Moscheen wurden Imame angestellt, die extra aus der Türkei angeworben waren und zum großen Teil werden diese Stellen noch immer aus der Türkei besetzt. Aus diesem Grund spielen viele Imame hier die Rolle eines Gastarbeiters, die für bestimmte Zeit aus der Türkei für ihren Auslandsauftrag kommen und mit ihrem hohen Gehalt und Ersparnissen in ihr Heimatland zurückgehen.

Um die Bedürfnisse der muslimischen Gesellschaft zu befriedigen, müssen die Imame, im Gegensatz zu ihren Tätigkeiten in der Türkei, weitere Aufgaben in Deutschland erfüllen können.

Mehr zum Thema: Imame sollen in deutscher Sprache predigen

Ein Imam ist in Deutschland nicht nur ein Vorbeter in Gebeten, sondern beispielsweise ein Familienberater bei Ehekonflikten. Wenn die Eltern den Imam wegen Schulproblemen ihrer Kinder ansprechen, dann sind sie auch gleichzeitig Pädagogen. Und für unbezahlte Schulden der Gemeindemitglieder sind die Imame auch oft Finanz- oder Schuldenberater.

All diesen Herausforderungen muss sich ein Imam in Deutschland stellen. Und mit den Imamen, die nicht in Deutschland sozialisiert sind und mit der Mentalität in Deutschland nicht vertraut sind, kommen noch eigene Integrationsprobleme hinzu.

Ausbildung von Imamen in Deutschland

Wenn man aber die Schlüsselpositionen von Imamen in der muslimischen Gesellschaft richtig einschätzt und in sie investiert, wäre die Integrationsprobleme der Muslime in Deutschland viel geringer. Denn ein Imam, der seine Gemeindemitglieder gut kennt, und mit ihren Problemen umzugehen weiß, kann den Integrationsprozess der Muslime hier im Land beschleunigen.

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Leider wurde aber diese Schlüsselfunktion von Imamen in der muslimischen Gesellschaft lange Zeit weit unterschätzt. In den Medien und in der Öffentlichkeit werden erst seit dem 11. September 2001 Diskussionen über die Ausbildung von Imamen geführt.

Und Lehrer für Islamkunde in Deutschland werden erst seit der Entstehung von Radikalisierungstendenzen diskutiert, obwohl die muslimischen Gastarbeiter seit mehr als 40 Jahren schon ein Teil der Gesellschaft waren. Eine universitäre Ausbildung besteht erst seit einigen Jahren und das nur an 4 deutschen Universitäten.

Die große Chance des Beitrags der Imame zur Integration wurde zu spät erkannt, dabei können die Imame in der Zukunft eine enorme Leistung für die Integration der Muslime und eine friedliche Koexistenz erbringen.

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