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Ein Mann Regime und Islam

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
Murad Sezer / Reuters
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Unsere Welt durchlebt eine Zeit, in der ein enormer Wandel in der Menschheitsgeschichte stattfindet. Wenn wir unsere Blicke auf die vergangenen 7 Jahre richten, sehen wir im Zusammenhang mit dem ÔÇ×Arabischen Fr├╝hling" andauernde B├╝rgerkriege, Leid und Tod in muslimischen L├Ąndern.

Menschen litten schon immer unter Diktaturen, gegen welche immer wieder Aufst├Ąnde zustande kamen. Heute sind es Kaddafi, Mubarek, Assad und Kim Jong-Un, die uns an undemokratische Regierungssysteme erinnern. Besonders in muslimisch gepr├Ągten Staaten verursachten Ein-Mann-Regime (Diktaturen) seit Jahren und Jahrzehnten eine erschreckende Einschr├Ąnkung und Unterentwicklung in vielerlei Hinsicht (politisch, menschenrechtlich, ├Âkonomisch, ...).

Eine wichtige Frage, die man sich nun stellen muss, ist folgende: Gibt es ein Ideal des Ein-Mann-Regimes in der Essenz des Islams oder hat die Diktatur einen anderen Ursprung? Entspricht die Staatsform der Diktatur den Glaubensgrundlagen des Islam?

Um die eigentlichen Aufgaben der Politiker zu betonen, schreibt muslimischer Gelehrter Fethullah G├╝len in seinem Buch ÔÇ×Perlen der Weisheit" den folgenden Absatz: Der Prophet Muhammad (sav) beanspruchte nicht das Amt eines Herrschers, und seine vier rechtm├Ą├čigen politischen Nachfolger folgten seinem Beispiel.

Dieses Amt kristallisierte sich erst dann heraus, als sich die Menschen immer mehr vom Islam entfernten. Das k├Ânnen wir ganz offen ab den Zeiten nach den rechtm├Ą├čigen Nachfolgern betrachten, letztlich wurde die Alleinherrschaft zu einem Mittel der Unterdr├╝ckung und der Gewaltherrschaft. Und somit wurde im Allgemeinen von Freiheiten und Rechten nicht mehr die Rede.

Wobei das Ziel der Politiker oder Herrscher es ist, den Glauben und Meinungsfreiheit ihrer B├╝rger zu sch├╝tzen. Wenn sie dies jedoch vers├Ąumt und einzelne B├╝rger f├╝r ihre religi├Âsen Gef├╝hle und Gedanken verachtet oder wenn sie deren Rechte verletzt und ihre guten Namen beschmutzt, dann nimmt sie in Wirklichkeit das ganze Volk nicht ernst und verletzt all seine Repr├Ąsentanten.

Nach den ├äu├čerungen zu den Rechten und Freiheiten in einem Land, das von den muslimischen Herrschern oder Politikern regiert wird, m├Âchte ich gern einen Blick in die Zeiten des Propheten und seiner rechtm├Ą├čigen Nachfolger werfen und zeigen wie es im damaligen praktischen Leben durchgef├╝hrt wurde.

Nach dem Ableben von Propheten Muhammad (sav) wurde die Wahl des Nachfolger (Kalif) und seine politische F├╝hrung durch Huldigung (Biat) und Beratung (Schura) durchgef├╝hrt. Wenn wir das Wahlverhalten in den ersten Kalifenzeiten betrachten, ist zu erkennen, dass ein demokratie├Ąhnliches Wahlsystem verwendet wurde.

Der Prophet Mohammad (sav) hatte zur Zeit seines Ablebens niemanden als Vertreter weder direkt benannt noch empfohlen, sodass die Muslime nach dem Tod Mohammads (sav) einen Nachfolger (Kalif) aus ihrer Mitte gew├Ąhlt habe.

Nach der Zeit des Propheten wurde Mohammads (sav) Gef├Ąhrte Ebu Bakr zum ersten Nachfolger (Kalifen) gew├Ąhlt. Dabei ist besonders, dass weder Ebu Bakr noch andere rechtm├Ą├čige Nachfolger f├╝r eine Spitzenposition kandidiert hatten.

Umar und andere angesehene Gef├Ąhrten wollten Ebu Bakr als Nachfolger sehen und sprachen eine Empfehlung f├╝r ihn beim Volk aus. Sie waren der Meinung, dass er der tugendhafteste Mensch nach dem Prophet Mohammad (sav) war. Das Volk nahm den historischen ├ťberlieferungen zufolge die Empfehlung von Umar unmittelbar an und so wurde Ebu Bakr zum ersten Nachfolger.

Wie wir aus den Quellen herauslesen k├Ânnen, dass Ebu Bakr durch eine Huldigung (Biat) als Nachfolger (Imam) gew├Ąhlt wurde. Huldigung (Biat) ist keine direkte Wahl sondern sie ist als gegenseitige R├╝cksichtnahme und Anerkennung zwischen Volk und Nachfolger (Kalif) zu erkennen.

Und die gegenseitige Beratung (Schura) stellte wie in den Zeiten des Propheten Muhammad auch in den ersten Nachfolgerzeiten den Grundbaustein f├╝r die Politik dar , wonach es f├╝r den Kalifen m├Âglich und notwendig ist, in politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten mit Beratern zu diskutieren.

Hierzu geh├Ârt auch die Ber├╝cksichtigung oppositioneller Meinungen und Standpunkte. Die Schura gilt als eines der wichtigsten Grundprinzipien im islamischen Gesellschaftsleben. (Koran 42/38: ÔÇ×Sie regeln ihre Angelegenheiten in gegenseitiger Beratung")[1]. Gott misst der gegenseitigen Beratung einen so hohen Stellenwert zu, dass Er Seinem Gesandten befiehlt, sie (die Schura) mit den Gef├Ąhrten zu praktizieren. (Koran 3/159: ÔÇ×Und ziehe sie in (├Âffentlichen) Angelegenheiten zu Rate.")[2].

An diesen 2 wichtigen Grundprinzipen (Biat und Schura ) orientierte sich das politische Leben zu Zeiten der sog. vier rechtm├Ą├čigen Nachfolger, bis Muaviyah, Governeur von Damaskus (Syrien), das Kalifat von Ali nicht huldigte und es zu einem Bruch kam.

Was geschah zu jener Zeit? Nachdem Muaviyah auch kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Kalifen Ali austrug, ├╝bernahm er nach dem Tode Alis das Kalifat. Fortan richtete sich das Wahlprozess des Nachfolger (Kalifen) nicht mehr nach diesen Grundprinzipien der Huldigung und Beratung.

In und nach Muaviyahs Zeit fanden die Prinzipien keine Ber├╝cksichtigung mehr, denn der neue Kalif ignorierte die Empfehlungen der Schura und ernannte seinen Sohn Yezid als seinen Nachfolger. Es ist zu erkennen, dass zu jener Zeit anstelle der Grundprinzipien willk├╝rliche Entscheidungen von Einzelpersonen traten.

Die Wahl- und Regierungsbeispiele des fr├╝hen Islam, so wie sie vom Prophet Mohammad (sav) und seiner vier Nachfolger praktiziert wurden, werden heute in keinem einzigen Land verwendet, das sich als islamischer Staat bezeichnet.

Zwar liegt oftmals in formaler Hinsicht eine Demokratie vor. Faktisch aber k├Ânnen heutzutage in islamisch gepr├Ągten L├Ąndern keine rationalen Wahlen beobachtet werden, bei denen die B├╝rger frei ihren Willen ├Ąu├čern k├Ânnen oder alternative Politiker und Kandidaten zur Auswahl haben.

Eher verdeutlichen die Konflikte im Nahen Osten und in Nordafrika, dass die Regierungsform der Diktatur, welche nicht mit dem Islam vereinbar ist, Freiheiten einschr├Ąnkt und fr├╝her oder sp├Ąter zu einem Scheitern des Staates f├╝hrt. Vor allem das Grundprinzip der Schura (Beratung) scheint in seiner ideal-islamischen Form, wie sie durch den Propheten Mohammad (sav) praktiziert wurde, nicht mehr zu existieren.

Ausgangspunkt dieses Aufsatzes war die aktuelle problemtr├Ąchtige Lage vieler islamisch gepr├Ągter Staaten und die Frage, ob eine Diktatur in der Essenz des Islam vorhanden ist. Es bleibt festzuhalten, dass das Ein-Mann-Regime keinen Platz in den Grundlagen dieser Religion findet und undemokratische Regierungssysteme mit dem Politikverst├Ąndnis des Islam nicht kompatibel sind.

Anders ausgedr├╝ckt: Die Staatsform der Diktatur findet keinen Ursprung und keine Legitimation im Islam, sondern entsteht erst durch die Besch├Ądigung der Grundprinzipien der Huldigung (Biat) und der Beratung (Schura).

[1] ├ťnal, Ali: Der Koran, S. 1176
[2) ├ťnal, Ali: Der Koran, S. 197

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