BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Celal Findik Headshot

Celal Findik will das erste Haus Berlins bauen, das alle Muslime, Christen und Juden unter einem Dach vereint

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
CELAL FINDIK
Celal Findik
Drucken

Wir wollen das erste Haus Berlins bauen, in dem sich Juden, Muslime und Christen gemeinsam treffen k├Ânnen - das House of One.

Sind wir erfolgreich, werden wir Geschichte schreiben - denn es w├Ąre das erste Mal in dieser Stadt, dass die drei gr├Â├čten Religionen einen gemeinsamen Ort zum Beten haben.

F├╝r dieses Ziel arbeiten wir mit unseren evangelischen und j├╝dischen Freunden seit 2011 zusammen.

F├╝r uns ist es aber noch mehr als das. Es ist ein Zeichen, mit dem wir beweisen wollen, dass alle drei Religionen in einer Metropole wie Berlin friedlich miteinander leben k├Ânnen - in einer Zeit, in der es immer mehr Konflikte zwischen Muslimen, Christen und Juden gibt.

Hass zerfrisst den Geist dieser Stadt

Wir sehen das an den schrecklichen Anschl├Ągen der Terroristen, die Ihre Taten auf Ihren Glauben basieren, rund um den Globus.

Das ist wohl die extremste und schlimmste Form. Wir sehen das aber auch im Alltag, hier in Berlin. Denn auch diese Stadt mit ihrem Glauben zu k├Ąmpfen.

Es st├Ârt mich etwa sehr, wenn j├╝dische Sch├╝ler eines Gymnasiums gehen m├╝ssen, weil sie wegen ihrer Religion gemobbt werden. Hier kann ich den ├ärger und die Wut der Eltern gut verstehen - ich will auch nicht, dass muslimische Kinder gemobbt werden.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Es macht mir auch Sorgen, wenn j├╝dische oder muslimische Gesch├Ąfte von Rechtsextremisten
angegriffen werden.

Oder Jagd auf Fl├╝chtlinge gemacht wird. All das hat in Berlin nichts verloren. All das zerfrisst den Geist dieser Stadt, die Toleranz und ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen auszeichnet und f├╝r den wir in der Welt bewundert werden.

Wie anf├Ąllig dieser Geist ist, merken wir allerdings auch beim House of One.

Es gibt zwei gro├če H├╝rden

Es ist tats├Ąchlich ungew├Âhnlich, dass eine j├╝dische und muslimische Gemeinde an einem so gro├čen Projekt so lange zusammenarbeiten.

So gibt es auch viele Mitb├╝rger, die unser Projekt noch nicht gut finden. Wir haben es zum Beispiel nicht geschafft, den t├╝rkisch-islamischen Dachverband Ditib f├╝r das House of One zu gewinnen.

Das finde ich schade.

Es gibt zwei gro├če H├╝rden: Den Nahostkonflikt und die Unwissenheit. Muslime und Juden kennen ihre gegenseitigen Traditionen nicht.

Sie haben viele Vorurteile ├╝ber den jeweils anderen. Diese beiden Faktoren machen das House of One so einzigartig - und wichtig.

Deswegen freut es mich umso mehr, dass das Interesse an unserem Projekt gewaltig ist. Wir ben├Âtigen insgesamt 40 Millionen Euro Spenden. 5,3 Millionen Euro haben wir schon zusammen, unteranderem von Unternehmern, Multiplikatoren und dem Staat.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Seit 30 Jahren u╠łbermale ich Hassparolen und kein Gerichtsurteil der Welt wird mich davon abhalten

Das Umweltministerium unterst├╝tzt das Haus im Rahmen eines Architekturwettbewerbs mit 3,5 Millionen Euro.

Wir wollen zeigen, dass die sichtbaren und unsichtbaren H├╝rden ├╝berwunden werden k├Ânnen.

Die Politik ist in der Verantwortung

Wir m├╝ssen zeigen, dass Juden, Muslime und Christen unter einem Dach beten k├Ânnen.

Au├čerdem machen wir gemeinsame Veranstaltungen wie ein Fastenbrechen. Aber wir k├Ânnen nicht alleine daf├╝r sorgen, dass die Religionen friedlich miteinander auskommen.

Auch die Politik ist in der Verantwortung. Die Schulen etwa m├╝ssen mehr interreligi├Âse Kompetenzen schaffen. Das fehlt in vielen Lehrb├╝chern v├Âllig.

Die jeweils anderen Religionen kommen im Unterricht quasi nicht vor.

Wenn ich nach Berlin schaue, kann ich sagen, dass die Stadt insgesamt eine gute Integrationsarbeit macht. Auf dem Kirchentag haben etwa sehr viele nichtchristliche Gemeinden
teilgenommen.

Dennoch gibt es noch viel zu tun. Ein wichtiger Teil der Berliner Bev├Âlkerung sind Muslime. Viele f├╝hlen sich hier nicht zu Hause.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Perfider Asylbetrug? Hunderte deutsche M├Ąnner geben sich wohl als V├Ąter von Fl├╝chtlingskindern aus

Das muss man sich mal vorstellen: Seit 60 Jahren leben hier Muslime und empfinden Berlin immer noch nicht als ihre Heimat.

Das kann ich nicht verstehen. F├╝r mich ist Berlin meine Heimat - n├Ąmlich der Ort, an dem ich mit meinen Eigenschaften und meinen Wurzeln akzeptiert werde. Hier sehe ich meine Zukunft.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.