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House of One - Friedens - und Dialogprojekt

06/06/2017 18:00 CEST | Aktualisiert 24/07/2017 12:25 CEST
Celal Findik

Wir wollen das erste Haus Berlins bauen, in dem sich Juden, Muslime und Christen gemeinsam treffen können - das House of One.

Sind wir erfolgreich, werden wir Geschichte schreiben - denn es wäre das erste Mal in dieser Stadt, dass die drei größten Religionen einen gemeinsamen Ort zum Beten haben.

Für dieses Ziel arbeiten wir mit unseren evangelischen und jüdischen Freunden seit 2011 zusammen.

Für uns ist es aber noch mehr als das. Es ist ein Zeichen, mit dem wir beweisen wollen, dass alle drei Religionen in einer Metropole wie Berlin friedlich miteinander leben können - in einer Zeit, in der es immer mehr Konflikte zwischen Muslimen, Christen und Juden gibt.

Hass zerfrisst den Geist dieser Stadt

Wir sehen das an den schrecklichen Anschlägen der Terroristen, die Ihre Taten auf Ihren Glauben basieren, rund um den Globus.

Das ist wohl die extremste und schlimmste Form. Wir sehen das aber auch im Alltag, hier in Berlin. Denn auch diese Stadt mit ihrem Glauben zu kämpfen.

Es stört mich etwa sehr, wenn jüdische Schüler eines Gymnasiums gehen müssen, weil sie wegen ihrer Religion gemobbt werden. Hier kann ich den Ärger und die Wut der Eltern gut verstehen - ich will auch nicht, dass muslimische Kinder gemobbt werden.

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Es macht mir auch Sorgen, wenn jüdische oder muslimische Geschäfte von Rechtsextremisten

angegriffen werden.

Oder Jagd auf Flüchtlinge gemacht wird. All das hat in Berlin nichts verloren. All das zerfrisst den Geist dieser Stadt, die Toleranz und ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen auszeichnet und für den wir in der Welt bewundert werden.

Wie anfällig dieser Geist ist, merken wir allerdings auch beim House of One.

Es gibt zwei große Hürden

Es ist tatsächlich ungewöhnlich, dass eine jüdische und muslimische Gemeinde an einem so großen Projekt so lange zusammenarbeiten.

So gibt es auch viele Mitbürger, die unser Projekt noch nicht gut finden. Wir haben es zum Beispiel nicht geschafft, den türkisch-islamischen Dachverband Ditib für das House of One zu gewinnen.

Das finde ich schade.

Es gibt zwei große Hürden: Den Nahostkonflikt und die Unwissenheit. Muslime und Juden kennen ihre gegenseitigen Traditionen nicht.

Sie haben viele Vorurteile über den jeweils anderen. Diese beiden Faktoren machen das House of One so einzigartig - und wichtig.

Deswegen freut es mich umso mehr, dass das Interesse an unserem Projekt gewaltig ist. Wir benötigen insgesamt 40 Millionen Euro Spenden. 5,3 Millionen Euro haben wir schon zusammen, unteranderem von Unternehmern, Multiplikatoren und dem Staat.

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Das Umweltministerium unterstützt das Haus im Rahmen eines Architekturwettbewerbs mit 3,5 Millionen Euro.

Wir wollen zeigen, dass die sichtbaren und unsichtbaren Hürden überwunden werden können.

Die Politik ist in der Verantwortung

Wir müssen zeigen, dass Juden, Muslime und Christen unter einem Dach beten können.

Außerdem machen wir gemeinsame Veranstaltungen wie ein Fastenbrechen. Aber wir können nicht alleine dafür sorgen, dass die Religionen friedlich miteinander auskommen.

Auch die Politik ist in der Verantwortung. Die Schulen etwa müssen mehr interreligiöse Kompetenzen schaffen. Das fehlt in vielen Lehrbüchern völlig.

Die jeweils anderen Religionen kommen im Unterricht quasi nicht vor.

Wenn ich nach Berlin schaue, kann ich sagen, dass die Stadt insgesamt eine gute Integrationsarbeit macht. Auf dem Kirchentag haben etwa sehr viele nichtchristliche Gemeinden

teilgenommen.

Dennoch gibt es noch viel zu tun. Ein wichtiger Teil der Berliner Bevölkerung sind Muslime. Viele fühlen sich hier nicht zu Hause.

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Das muss man sich mal vorstellen: Seit 60 Jahren leben hier Muslime und empfinden Berlin immer noch nicht als ihre Heimat.

Das kann ich nicht verstehen. Für mich ist Berlin meine Heimat - nämlich der Ort, an dem ich mit meinen Eigenschaften und meinen Wurzeln akzeptiert werde. Hier sehe ich meine Zukunft.

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