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"Ich bin schwanger!"- "Aber Kind, du studierst doch noch? Willst du nicht erst einmal Geld verdienen?"

18/03/2016 11:23 CET | Aktualisiert 19/03/2017 10:12 CET

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Gleich zu Beginn: Ich hatte das große Glück, diese Grundsatzdiskussion nicht führen zu müssen. Meine Eltern haben sich einfach nur gefreut (zumindest haben sie - wenn dann - diese Gedanken nicht laut geäußert ;) )

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Aber ich glaube, ich wäre nicht die Erste, die solch eine Diskussion hätte führen müssen mit ihren Eltern.

In meiner unmittelbaren Umgebung war die Reaktion auf meine Schwangerschaft durchweg positiv. Aber ich weiß von Freunden, dass dies nicht immer so ist. Oft genug hatte ich trotzdem das Gefühl, mich bei anderen rechtfertigen zu müssen, wieso während des Studiums.

Gerade in der Generation unserer Eltern und Großeltern ist der typische Lebenslauf Schule-Ausbildung/ Studium-Beruf und dann Kind noch in den Köpfen verankert.

Aber warum? Was spricht gegen ein Kind im Studium?

Muss man erst eine bestimmte Summe X jeden Monat auf das Konto bekommen, um Kinder bekommen zu dürfen? Oder ist man erst reif genug, wenn man arbeitet?

Ich will heute einfach einmal meine Gründe nennen, wieso ich mich für ein Kind im Studium entschieden habe. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen bei der nächsten Diskussion oder bei der eigenen Entscheidungsfindung.

6 Gründe, warum ihr während dem Studium ein Kind bekommen solltet

1. Meine Mutter ist selbst recht jung Mutter geworden (21 Jahre), war damals in der DDR auch nichts Besonderes. Ich selbst fand unseren Altersunterschied immer klasse. Nicht nur, dass die Interessen recht gleich waren und immer noch sind (auch bei meinem Dad), nein, besonders die Gelassenheit und Unbeschwertheit gefiel/gefällt mir. (Das soll nicht heißen, dass ältere Eltern nicht gelassen sein können.)

2. Besonders ausschlaggebend für mich ist aber der Punkt: Zeit! Ja, als Student hat man die Möglichkeit sich seine Zeit oft einteilen zu können. Wer kann schon sagen, dass er einfach bei schönen Wetter nicht zur Arbeit geht, sondern lieber an den See? Einfach die Flexibilität haben zu können ist unbezahlbar.

3. Die eigenen Eltern sind noch jung und mobil. Klar, sie können nicht immer wie ein Rentner das Kind nehmen, wenn es zu Engpässen kommt. Aber sie sind noch lange da und können hoffentlich viel Zeit mit dem Enkel verbringen.

4. Ich und mein Freund haben das Glück, dass bis auf ein Opa, ansonsten alle Urgroßeltern noch leben. Für mich war es immer wichtig, dass meine Großeltern mein Kind kennen lernen und möglichst viel Zeit mit ihm noch verbringen können.

5. Finanzen: Ja klar lebt man nicht wie die Made im Speck, als Student aber man muss auch nicht Hunger erleiden. Es gibt viel Unterstützung, wenn man sie nur annimmt. Dies äußert sich nicht nur in diversen Geldzuschüssen. Ich als Sparfuchs habe mich viel damit beschäftigt, wie und wo ich Geld sparen kann und trotzdem genau das bekomme, was ich oder mein Kind brauchen.

Außerdem liegt doch das größte Problem nicht am fehlenden Geld, sondern an den häufig falschen Wertvorstellungen. Ich glaube nicht, dass ein Kind immer das neuste Spielzeug haben muss, die teuersten Klamotten und allgemein von allem nur das Beste.

Das was ein Kind braucht ist doch eh nicht bezahlbar: Liebe, Zeit und Zuwendung.

An was erinnert man sich zurück, wenn man an die eigene Kindheit denkt? Also bei mir ist es definitiv nicht das Spielzeug, was ich bekommen habe. Es ist die Zeit, die ich mit meinen Eltern verbracht habe oder meinen Freunden. Die gemeinsamen Erlebnisse/Aktivitäten.

6. Auf dem Arbeitsmarkt bin ich als Frau mit Kind oder auch ohne Kind doch eh ein kleines Risiko für den Arbeitgeber. Der eine sagt: eine Frau mit Kind ist vielleicht fertig mit der Familienplanung und fällt nicht mehr wegen Schwangerschaft aus. Der andere sagt, eine Frau mit Kind ist vielleicht häufig kindkrank und weniger flexibel. Also Pest oder Cholera ;)

Fängt man an zu arbeiten, will man ja, gerade wenn man befristet eingestellt ist (leider häufig am Anfang der Fall) ja nicht den Job riskieren. Arbeitet man dann länger, ergibt sich vielleicht eine Aufstiegsmöglichkeit. Wer weiß das schon.

Also ihr seht es gibt gute Gründe dafür. Klar lassen sich auch alle genannten Argumente negieren. Aber hey:

Es gibt keinen perfekten Zeitraum für ein Kind!

Aber aus Erfahrung kann ich sagen, wenn es dann doch passiert, ist er es am Ende - der richtige Zeitpunk. Denn diese kleinen Sabbermonster, die einen manchmal den letzten Nerv rauben können...können mit nur einem Lächeln alles Schlechte um einen herum vergessen lassen. (Ok, der Schluss ist etwas schnulzig geworden.)

Naja, nun würde ich gerne von anderen wissen wollen, wer sich auch für ein Kind im Studium entschieden hat und warum? Oder warum nicht, sondern erst später? Oder warum lehnt ihr ein Kind im Studium ab? Oder was war für euch der Anlass zu sagen: Jetzt oder nie? Ich bin neugierig und es darf gerne diskutiert werden.

Eure Cathleen

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