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Ich bin zum Islam konvertiert, weil das Christentum keinen Sinn ergibt

01/08/2017 10:16 CEST | Aktualisiert 01/08/2017 12:06 CEST

(Im Video oben erklärt ein junger Mann, warum die Welt ohne Religionen besser dran wäre)

Liebe hat mich geerdet. Aufrichtigkeit hat mich geführt.

Ich wurde mit einem unerschütterlichen Wissensdurst geboren, der mich alles infrage stellen ließ - bis auf die Existenz und Macht Gottes.

Meine Mutter erinnert mich manchmal daran, dass, als ich noch klein war, meine Antwort auf ihre Aufforderungen, mein Zimmer aufzuräumen oder meine Zähne zu putzen, oft lautete: "Du kannst mir nichts befehlen, nur Gott kann das!" Und ich meinte das auch so - selbst im Alter von fünf Jahren.

Ich wuchs in einer irisch-katholischen Familie auf. Zuhause ist, wo ein Claddagh über der Tür hängt, wo der Klang des Bodhran oder der Fiedel meiner Mutter aus dem Wohnzimmer dringt oder wo mein jesuitisch erzogener Vater Fragen mit Fragen beantwortet.

Mein Zweifel ließ mich einen neuen Glauben finden

Was ich schon immer wusste: Ich war niemals dazu bereit, den Katholizismus vollkommen als meinen Glauben zu akzeptieren. Ich wollte so gerne Gott sowie Jesus folgen und ehren, aber ich konnte das als Katholikin nicht aufrichtig tun. Zu meiner Überraschung wurde mir nach 13 Jahren bewusst, dass der Islam beide Möglichkeiten für mich bereithielt.

Mit der Zeit lernte ich, gleichzeitig widerwillig und voller Eifer, dass der Islam meinen Glauben auf eine Art und Weise unterstützt, zu der der Katholizismus nicht in der Lage ist. Dies ist die Geschichte meiner Glaubensbekehrung.

Mein Zweifel ließ mich einen neuen Glauben finden.

Ich forschte viel zu Katholizismus, der Religion, in die ich hineingeboren wurde.

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Erstens konnte ich niemals daran glauben, dass Jesus Gott sei. Ja, ich liebe Jesus, und ich glaube aus vollem Herzen, dass wir versuchen sollten, uns die außergewöhnlichen Qualitäten, die er besaß, anzueignen. Aber in meinen Augen gibt es nur einen Gott, und ein Mensch könnte niemals Gott sein.

Zweitens konnte ich das Konzept der Erbsünde niemals akzeptieren. Neugeborene kommen angeblich mit Sünden beladen auf die Welt; ihnen kann nur mithilfe der Taufe vergeben werden. Ich betrachte die Taufe als Initiationsritus zum Christentum. Sie fühlt sich eher politisch als spirituell an.

Diese Zweifel machten mich zu einer unbeständigen Katholikin, aber ich wusste, dass weder meine unendliche Liebe für Gott noch meine Bewunderung für Jesus jemals darunter leiden würden.

Ich wollte meinen Hunger nach Wahrheit stillen

Ich blieb also katholisch und setzte meine Suche fort. Einerseits war ich nicht bereit, bestimmte Aspekte meines Glaubens aufzugeben, aber gleichzeitig brauchte ich klare Antworten auf Konzepte, die ich so nicht akzeptieren konnte. Ich war mir nicht sicher, wohin mich das führen würde. Ich hoffte lediglich, eine Lösung zu finden.

Der heilige Thomas Morus und Malcolm X machten mir Mut, die Wahrheit zu finden.

Mein auserwählter Schutzpatron als Jugendliche war der heilige Thomas Morus. Er starb für seinen Glauben - seine Loyalität zu Gott ist und bleibt eine Inspiration von ungeheurem Wert für mich.

Auch Malcolm X inspirierte mich. Als ich in meinem ersten Studienjahr seine Autobiografie las, kam ich zum ersten Mal mit dem Konzept des Islam in Berührung. Es war nicht die Religion, die meine Aufmerksamkeit erregte. Es war die Art und Weise, wie Malcolm X den Islam nutzte, um seinen Hunger nach Wahrheit zu stillen.

Während mich Thomas Morus' hartnäckige Loyalität im Jugendalter begeisterte, war es Malcolm X's beständige Suche nach der Wahrheit, die mich im Studium inspirierte. Langsam wurde mir bewusst, dass ich meine Suche fortführen sollte.

Nur so würde ich eine Möglichkeit finden, mich mit Gott zu verbinden und gleichzeitig die Wahrheit zu erkennen, nach der ich suchte.

Ich entdeckte den islamischen Jesus in Westafrika

Nach dem Studium absolvierte ich einen Freiwilligendienst bei einer gemeinnützigen Organisation in Westafrika. Eines Nachmittags saß ich gemeinsam mit einem ghanaischen Helfer draußen in der sengenden Hitze. Um keinen Sonnenstich zu kriegen, wickelte ich meinen orangenen Lieblings-Pashmina um meinen Kopf.

Da sagte mein Freund plötzlich: "Du siehst wunderschön aus mit einem Hijab."

"Bist du muslimisch?", fragte ich ihn. Er nickte. Nach einigen Fragen meinerseits eröffnete er mir, dass Muslime Jesus als Propheten sowohl anerkennen als auch ehren.

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Dieses Detail erregte meine Aufmerksamkeit, ich dachte: Könnte der Islam die Klarheit beinhalten, die ich suchte? Ich war mir nicht sicher und ich war noch nicht bereit dazu, diese Möglichkeit zu erforschen.

Bald war ich wieder vom urbanen Trubel Miamis umgeben. Jahre vergingen. Das Leben war so einfach und voller Spaß! Ich fühlte den Segen Gottes, unter der Oberfläche jedoch war ich oft einsam.

Häufig weinte ich mich in den Schlaf, eine Schwere wuchs in meinem Herzen. Deswegen wandte ich mich an meinen Vater, um ihn um Rat zu bitten. Er hörte mir aufmerksam zu und machte einen simplen Vorschlag: Lies.

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DAVID GARY LLOYD FINE ART PHOTOGRAPHY (2017)

Als ich anfing, zu lesen, fand mich der Islam.

Wenn ich allein war, nutze ich die Zeit, um Bücher zu Philosophie, Psychologie, Poesie und Religion zu lesen. Nach und nach las ich immer mehr Bücher über den Islam. Je mehr ich über den Islam las, umso mehr realisierte ich, dass er mehr als nur ein wunderschönes Konzept war. Er ist eine Lebensphilosophie.

Ich machte mich auf die Suche nach einem Mentor, der mir zeigen könnte, wie das damit verbundene Leben aussehen würde, und schließlich fand ich einen.

Sie war eine etablierte Karrierefrau, mit einem Mann, der sie liebte und unterstützte und zwei unglaublichen Kindern, und, das war das wichtigste: Sie hegte eine innige Liebe für den Islam. Sie war die Art von Frau, die ich auch werden wollte.

Wir trafen uns wöchentlich. Sie erzählte mir Geschichten über den Propheten Mohammed und seine engsten Verbündeten. Sie wiederholte mehrfach den Glauben des Islam an Jesus als Propheten und die Ablehnung der Erbsünde. Sie zeigte mir, wie man betet und gab mir meine bis heute liebste Ausgabe des Koran.

Dann lieh mir meine Mentorin eine CD-Reihe: "Reinigung des Herzens" von Shaykh Hamza Yusuf. Ich hörte mir täglich diese CDs an, spürte eine tiefe Verbundenheit mit den Botschaften und fühlte den unglaublichen Widerhall in meinem Herzen, wenn der Shaykh Passagen des Koran auf Arabisch rezitierte.

Ich fühlte sogar denselben Widerhall, als ich das erste Kapitel des Koran selbst laut vorlas, Silbe für Silbe. Während ich zuhörte und Arabisch übte, fühlte ich mich, als würde ich meine Kommunikation mit Gott stärken.

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DAVID GARY LLOYD FINE ART PHOTOGRAPHY (2017)

Als ich während meines ersten Ramadan betete und fastete, fühlte ich diese Nähe so stark wie niemals zuvor. Während ich diese Regung konstant nährte, erfüllte mich eine immense Glückseligkeit.

In solchen Momenten fühlte ich mich mir selbst am nächsten. Es waren die Momente, in denen ich mich Gott am nächsten fühlte. Ich war nun bereit, den Islam als meine Glaubensrichtung anzuerkennen.

Durch Gottes unerschöpfliche Gnade und den Einsatz meiner Mentorin fand ich mich am 27sten Tag des Ramadan im Jahr 2016 neben einem Gelehrten wieder, dessen englische und arabische Worte mein Herz zum Islam bekehrten: Shaykh Hamza Yusuf. Er nahm mir das Glaubensbekenntnis ab. Es waren die aufrichtigsten Worte, die ich jemals gesprochen habe.

Nervös stammelte ich die Worte vor mir her. Dann fragte er mich, ob ich christlich erzogen worden sei. Das bejahte ich. Er bat mich, diese Worte zu nachzusprechen: "Wa Ash'hadu Ana Issa Rasulullah Wa Kaleematahu. Wa Mariem Sadiqqah [Ich bezeuge, dass Jesus ein Bote Gottes und dessen Wortes und dass Maria seine rechtmäßige Dienerin ist]."

Mein Herz glühte in diesen Momenten. Solange ich denken konnte, habe ich nach einem Ort gesucht, der sich wie ein Zuhause anfühlen würde, und nun saß ich neben Shaykh Hamza Yusuf und realisierte, dass ich dieses Zuhause endlich im Islam gefunden hatte.

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Über ein Jahrzehnt ist vergangen, seitdem ich zum ersten Mal mit dem Islam, meiner wahren Bestimmung, in Berührung gekommen bin.

Was mich damals geerdet hat, erdet mich auch noch heute. Der einzige Unterschied ist, dass ich mich nun in einer Position befinde, die mir erlaubt, meine Vergangenheit zu ehren, während ich meine Suche nach der Wahrheit mithilfe unserer größten Quellen fortführe.

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DAVID GARY LLOYD FINE ART PHOTOGRAPHY (2017)

Als Muslima mit irisch-katholischem Hintergrund bin ich mir noch nicht ganz sicher, wo ich hin gehöre. Aber in den frühen Morgenstunden, kurz vor Sonnenaufgang, während ich alleine bete, den Blick auf Miamis Biscayne Bay gerichtet, fühle ich mich zu Hause. Das ist alles, was für mich zählt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der HuffPost US und wurde von Agatha Kremplewski übersetzt.

(jz)

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