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An die berufstätige Mama: Du bist meine Heldin

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Getty Images
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Liebe berufstätige Mama,

ich weiß wirklich nicht, wie du das machst.

Wir alle haben uns über das witzige Interview auf BBC kaputt gelacht, das total in die Hose ging, weil ein kleines Mädchen und ein Baby in das Arbeitszimmer ihres Vaters stürmten, während er gerade ein Skype- Interview zum Thema Demokratie in Südkorea gab. Für mich war dieses Video das absolut Beste, was ich dieses Jahr auf YouTube gesehen hatte.

Doch ein paar Tage später postete eine Freundin von mir auf Facebook eine Parodie dieses Videos. Darin wurde gezeigt, wie es ausgesehen hätte, wenn diese Geschichte einer Frau passiert wäre. Einer berufstätigen Mama.

Ich musste über diese Parodie lauthals lachen, weil sie vollkommen der Wahrheit entsprach. Doch eigentlich ist das alles gar nicht so lustig. Denn ich habe keine Ahnung, wie du das alles machst, liebe berufstätige Mama.

Wie schaffst du das alles nur?

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, morgens aufzustehen und nicht nur deine lieben Kleinen ausgehfertig zu machen, sondern auch noch dich selbst.

Wie du es schaffst, dir die Haare zu machen, dich zu schminken, dir Kleidung anzuziehen, die nicht in die Kategorie Sportklamotten fällt, und dir sogar noch Erwachsenen-Schuhe anzuziehen ... doch irgendwie schaffst du es.

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, das Frühstück vorzubereiten und deinen Kindern Pausenbrote zu schmieren. Und wie du es schaffst, deine Kleinen dazu zu bringen, sich hinzusetzen und das vorbereitete Frühstück zu essen, während du dich nebenbei mental schon auf die verschiedenen Aufgaben vorbereitest, die an deinem Schreibtisch bereits auf dich warten ... doch irgendwie schaffst du es.

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, deine Kinder zur Schule zu bringen, ihnen ihren so unglaublich wichtigen Abschiedskuss zu geben und dann in die Stadt (oder manchmal sogar noch weiter) zu fahren, um pünktlich bei der Arbeit zu erscheinen ... doch irgendwie schaffst du es.

ich weiß nicht, wie du das alles schaffst

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, deine Meetings und Kinderarzt-Termine unter einen Hut zu bringen, die beide jederzeit wieder verschoben werden können.

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, dich um deine kranken Kinder zu kümmern und an Telefonkonferenzen teilzunehmen, und wie du die genervten Blicke deiner Kollegen aushältst, die keinerlei Verständnis dafür aufbringen, dass du tatsächlich um 17 Uhr gehen musst (ich kann die nicht so wirklich lustig gemeinten Kommentare im Stil von "Oh, arbeitest du heute nur einen halben Tag?" förmlich hören) ... doch irgendwie schaffst du es.

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, all die Dinge im Kopf zu behalten, die du noch erledigen musst: Du musst deinen Kindern eine Eltern-Bestätigung für den Schulausflug schreiben und außerdem ein Geburtstagsgeschenk kaufen und es einpacken.

Und nebenbei erstellst du dann auch noch eine Power-Point- Präsentation für ein Meeting, bei dem du vor einem ganzen Raum voller Leute diese eine unglaublich wichtige Sache vorstellen sollst ... doch irgendwie schaffst du es.

Und bei all dem versuchst du auch noch, Zeit mit deinem Ehemann zu verbringen

Ich weiß nicht, wie du es schaffst, tagsüber deinem Beruf nachzugehen und im Anschluss nach Hause zu fahren, um dich deinem sehr viel schwierigeren und anspruchsvolleren Zweitjob zu widmen.

Du kochst das Abendessen und du fragst deine Kinder, wie ihr Tag war. Und bei all dem lächelst du auch noch und versuchst nicht traurig darüber zu sein, dass du wieder einmal so viele schöne Momente mit ihnen verpasst hast.

Du bewunderst ihre Kunstwerke, du kontrollierst ihre Hausaufgaben, du schlichtest ihre Streits, du küsst sie, wenn sie sich weh getan haben, du badest sie, du liest ihnen Gute-Nacht- Geschichten vor und wenn du dann endlich das Licht in ihrem Zimmer ausmachst, wartet noch der Haushalt auf dich.

Du kontrollierst, ob die Schuluniformen und die Sportsachen deiner Kinder sauber und griffbereit sind, du öffnest die Post, du schaust, welche Termine anstehen, und du versuchst, Zeit mit deinem Ehemann zu verbringen ...

Und dann sind da auch noch die Vorwürfe

Ich habe keine Ahnung, wie du das machst, doch irgendwie schaffst du es. Und das Meiste von all dem, was du leistest, wird nicht einmal bemerkt, weil du nach außen hin immer alles so leicht erscheinen lässt. Du lässt deine Kinder nicht eine Minute lang daran zweifeln, dass sie das absolut Wichtigste für dich sind.

Und wie der große Magier Houdini schaffst du es nebenbei auch noch, mit einem Fingerschnipsen, die Karriereleiter zu erklimmen, wobei du natürlich immer ein offenes Ohr für alle anderen hast und dafür sorgst, dass wir auch ja genug Aufmerksamkeit von dir bekommen.

Ich habe gehört, dass es bei Müttern zwei unterschiedliche "Lager" gibt, die sich gerne gegenseitig kritisieren: Zum einen sind da die Vollzeit-Mamas, die anderen Frauen vorwerfen, dass ihnen ihre Karriere zu wichtig ist, um sie aufzugeben. Und dann gibt es wiederum die Mütter, die in ihren Beruf zurückkehren und andere dafür kritisieren, dass sie wie die Frauen von Stepford lieber zu Hause bleiben ...

Mitten in der Nacht bist eben du die Mama

Zum Glück bin ich selbst jedoch bisher noch von keinem der beiden "Mütter-Lager" mit derartiger Kritik konfrontiert worden. Meiner Erfahrung nach haben wir Mütter irgendwie immer ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle ― ganz egal, ob wir nun wieder arbeiten gehen oder nicht.

Wenn wir zuhause bleiben, fühlen wir uns schlecht, weil wir unsere Karriere auf Eis legen, weil unser Studium "völlig umsonst" war, weil wir unsere Talente nicht mehr nützen. Und wenn wir wieder in unseren Beruf zurückkehren, fühlen wir uns hin- und hergerissen.

Kritik ist jedoch das Letzte, was uns hilft. Ich habe auch mal gehört, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen, und dass berufstätige Mütter ja auch Menschen um sich haben, die ihnen helfen. Doch mitten in der Nacht bist eben du die Mama.

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Und wenn deine Kinder krank sind, bist eben du ihre Mama. Du musst immer Bescheid wissen, wer wann wo ist und du musst dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft. Du verdienst absolut alle Achtung dafür, dass du einen unmöglichen Job meisterst ― und zwar unabhängig davon, wie viele Menschen dich dabei unterstützen.

Danke, dass du dir Kritik nicht zu Herzen nimmst

Ich kann nicht für alle Frauen auf der ganzen Welt sprechen, doch nach dem, was ich gesehen habe, möchte ich einfach einmal Folgendes loswerden: Danke, liebe berufstätige Mama. Danke, dass du den schwierigsten Job der Welt erledigst und dabei auch noch alles wie ein Kinderspiel aussehen lässt.

Danke, dass du dir die Kritik von anderen anhörst, die überhaupt keine Ahnung haben, und dass du sie dir nicht zu Herzen nimmst. Denn eigentlich hast du für solche Sprüche ohnehin keine Zeit.

Danke, dass du früher aus deinem Meeting herausgehst, weil du zurück zu deinen Kindern musst, und dass du dabei das Seufzen deiner Kollegen ignorierst, die deine Probleme gar nicht erst haben. Du kämpfst jeden Tag dafür, dass Eltern eine bessere Work-Life- Balance ermöglicht wird - selbst wenn du dafür manchmal sogar deinen eigenen Stolz opfern musst.

Du bist meine Heldin

Danke, dass du uns bildlich gesprochen unseren Platz im Büro frei hältst. Danke, dass du für uns Frauen da bist, die wir länger zuhause geblieben sind als du, und dass du uns nach unserer Rückkehr in den Beruf zur Seite stehst.

Danke, dass du uns den Weg frei hältst und dass du aufpasst, dass wir nicht stolpern.

Danke, dass du uns zeigst, dass wir nach wie vor gebraucht werden, auch wenn es mit Kindern nie mehr so sein wird wie früher.

Ich weiß nicht, wie du das machst, doch ich danke dir dafür. Du bist meine Heldin.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)