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Warum wir Frauen uns immer wieder die Arschlöcher aussuchen

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Beziehungen zwischen Männern und Frauen sind tricky. Wie kommt es nur, dass wir die Guten wollen und dann doch so oft bei den Arschlöchern landen?

Wir legen uns zurecht, was wir alles wollen und nicht wollen in einem Partner. Dann kommt einer, der hat, was wir wollen und findet uns super. Und wir so „Och nö, irgendwie ist es der nicht ... da fehlt das gewisse Etwas".

Und dann ... ja dann kommt der undurchsichtige Typ um die Ecke, und er so „Hey Kleines, ich bin ein echt undurchsichtiger Typ, trink ein Bier mit mir oder auch nicht, ist mir eigentlich egal". Und wir ... wir schmachten. Ihr kennt das.

Das ist der Traum

Wir sitzen auf der Couch, trinken Prosecco und essen fettreduzierte Kartoffelchips. Wir haben unsere bequemen Jogginganzüge an. „Fo einer fie der Feighöfer ... der wärff!" kommentiert Milla (den Mund voll mit Chips), als auf der Mattscheibe der süße Matthias mit einem Golden Retriever an der Leine durch den herbstlichen Stadtpark schlendert. Stimmt eigentlich. Mit so einem wäre das Leben bestimmt toll.

Süß, charmant, nett, dazu auch noch witzig. Der würde sicherlich freiwillig seine Kaffeetasse in die Spülmaschine räumen, er würde Blumen mit süßen Karten ins Büro schicken, bemerken, dass unsere Strähnchen nach dem letzten Friseurbesuch irgendwie frischer aussehen und er würde uns wohl platzierte Komplimente für unsere neue, popounterstützende Jeans machen.

Es wäre ein so schönes Leben, weil wir uns Tag für Tag geliebt fühlen würden, wir würden uns liebevolle Nachrichten auf Post-Its an den Kühlschrank pappen und hätten einen süßen Hund, den wir Klaus nennen. Das ist der Traum.

Über Entscheidungen und Rechtfertigungsbrei

Der Mann, den ich mir für mein Leben lang an meiner Seite vorstelle, hat, wenn ich mal ehrlich bin, eigentlich fast keine Chance bei mir. Ich würde die Ecken und Kanten vermissen, das Gefühl, dass es da noch mehr zu entdecken gibt.

Der Traumtyp ist toll, gar keine Frage, nur irgendwie fehlt die Spannung. Und da es diesen unglaublich traumhaften Mix aus supertollem Mann, der auch manchmal in den richtigen Momenten ein Arschloch sein kann, eben nicht gerade wie Sand am Meer gibt, passiert es eben immer wieder, dass wir mit einem großen Ben & Jerry's Eisbecher und einer Pulle Wein da sitzen, das Handy unters Ohr geklemmt, und Milla (stellvertretend für alle sich Dramen am Telefon anhörenden Freundinnen, die es so gibt) erzählen, was der blöde Sack schon wieder abgezogen hat.

Milla als Freundin weiß, dass wir was Besseres verdient haben, und wir wissen es eigentlich auch. Wir sind schließlich nicht blöde; verblendet vielleicht, aber nicht blöde. Und trotzdem schwappt da dieser Brei an Rechfertigungen aus unseren Mündern - dafür, dass wir uns nicht zackizacki aus dem Staub machen und dafür, dass wir ihm nicht mal sagen, dass uns sein Verhalten gehörig auf die Nerven geht.

Warum sind denn nun alle Arschlöcher?

Zunächst sollte mal gesagt werden, dass das hier beschriebene „Arschloch" kein Arsch per se sein muss, absolut nicht. Meistens sind das ganz tolle Männer, vielleicht sogar Krankenpfleger oder Kinderspracherziehungsexperten, die eben in manchen (vor allem beziehungsbezogenen) Situationen ganz schöne Ärsche sind.

Des Weiteren möchte ich anmerken, dass es hier wahrscheinlich nicht in erster Linie darum geht, ob wir uns Arschlöcher wissentlich aussuchen oder nicht, nein. Vielmehr geht es darum, warum wir bei ihnen bleiben, sobald wir erkannt haben, dass er ein Arschloch ist.

Da es ja nicht so ist, dass ich selbst frei von diesen Fehlentscheidungen bin, plaudere ich mal aus dem Nähkästchen. Zunächst mal hat das „Arschloch" die Fähigkeit, so geschickt mit Nähe und Abstand zu spielen, dass unser Kopf ganz wirr wird. Erst ist er liebevoll und interessiert, dann abweisend und kalt.

Kurz bevor wir uns entscheiden, es zu lassen, ist er wieder liebevoll und interessiert und tut so, als sei nichts passiert. Und wir? Wie sehen die roten Alarmglocken sehr präsent über unseren Köpfen klingeln und doch rennen wir weiter ins unser Verderben als würden wir für einen Marathon trainieren.

Warum zum Teufel tun wir das? Nun, Die Frau hält (bedauerlicherweise) auch zu gern die Vorstellung inne, sie könne etwas verändern, sie könne den Code knacken. Dann ist er auf einmal nicht nur ein Arschloch, sondern ein Typ, der sich gefühlstechnisch irgendwo verirrt hat und den wir jetzt aus seiner Misere retten können.

Wahrscheinlich hat er nie gelernt, mit der Liebe einer Frau umzugehen, vielleicht hatte ihn seine Mami nicht lieb. Aber wenn wir nur lange genug ausharren, ihm seine Fehltritte gütig verzeihen, wird er bestimmt irgendwann merken, dass es okay ist, sich uns voll und ganz zu öffnen.

Mag sein, dass das auch ab und an so passiert, doch wenn wir ehrlich sind endet es doch meistens so, dass wir die sind, die literweise Eis in uns reinstopfen, und er ... er ist dann eben weg.

Wie dolle liebe ich mich selbst?

Warum erkennen wir deutlich, dass wir ein Arschloch an unserer Seite haben und gehen nicht weg? In meiner Welt ist der einzige Grund dafür Unsicherheit. Wir sind unsicher, ob wir vielleicht einen Fehler machen, wenn wir ihn einfach verlassen.

Vielleicht hätte es ja nur noch ein paar Monate unserer Hingabe gebraucht und er hätte sich zum Traumprinzen entwickelt. Wir sind unsicher, wann wohl der nächste kommt, der uns irgendwie gut findet.

Was, wenn keiner mehr kommt? Was ist mit Kindern? Und heiraten? Vielleicht ist ein Arschloch ja besser als gar keiner? Vielleicht müssen wir einfach Kompromisse machen im Leben.

Am meisten sind wir uns leider oft unsicher darüber, wie viel wir uns selbst wert sind. Menschen, die gelernt haben, sich selbst lieb zu haben, sind nämlich nicht diejenigen, die den Arschlochkampf austragen.

Das sind die, die aus Überzeugung Adieu sagen, die ohne einen wehmütigen Gedanken daran, was eventuell noch hätte kommen können einfach weiter leben. Die sitzen daheim auf ihrem Sofa, stricken Schals, trinken Tee, schauen Telenovelas und wissen einfach, dass ein Guter kommen wird.

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Sie sind es sich nicht wert, ihre Zeit mit etwas zu verschwenden, das ihnen offensichtlich nicht gut tut.

Es gibt die einen, und die anderen. Die einen dürfen sich von allen Seiten immer wieder anhören, sie seien zu wählerisch, müssten mal Kompromisse machen, denn sonst würden sie nie einen finden.

Doch meistens sind sie glücklich. Die anderen tendieren dazu, sich aufzugeben, machen mehr Kompromisse als sie eigentlich wollen. Meistens sind sie damit nicht so glücklich. Ich gehöre lieber zu den einen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf beziehungsweise-magazin.

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