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Ich habe aufgehört, meinen Kindern Essen zu machen - das ist passiert

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Hi! Ich bin Carrie (im Internet kennt man mich unter dem Namen 4MamaBear). Meine Kinder heißen Sam (11), Julia (9) und Elsa (5). Wir wohnen in einer ländlich gelegenen Kleinstadt in der Nähe der Twin Cities.

Unser Grundstück umfasst knapp einen halben Hektar und wir haben einen großen Garten mit einem kleinen Haus. Ich arbeite als Buchgestalterin von zu Hause aus. Meine Kunden sind meist Autoren, die auf eigene Faust ein Buch veröffentlichen wollen oder Familien, für die ich Fotobücher erstelle. Im Sommer arbeite ich nicht in Vollzeit, damit ich so viel wie möglich für meine Kinder da sein kann.

Das Thema Essen war zwischen den Kindern und mir zu einem immer größeren Problem geworden. Die ständigen Auseinandersetzungen darüber, wie oft sie naschen durften und dass sie sich dauernd über mein Essen beschwerten, machten mich ganz verrückt.

Für mich hat ein einziger Tag einfach immer zu wenig Stunden, um alles schaffen zu können, was ich gerne schaffen möchte. Eigentlich liebe ich es, mit meinen Kindern zu kochen und zu backen und Obst und Gemüse aus unserem Garten einzukochen.

Die Realität sieht nur leider so aus, dass jeden Tag irgendetwas anderes unsere Zeit in Anspruch nimmt. Meine Kinder fänden es unglaublich toll, wenn wir eine Putzfrau und eine Haushälterin hätten, doch ich bin absolut dagegen.

Kennt ihr das auch?

An einem typischen Tag bei uns zu Hause sieht der Kampf ums Essen in etwa so aus:

* Die Kinder wachen auf und schleichen sofort auf der Suche nach Essen durch die Küche. (Das verstehe ich ja - sie haben 10 Stunden lang geschlafen und sind danach wirklich hungrig!)

* Ich biete ihnen bis zu drei verschiedene Varianten an, je nachdem, wann ich zuletzt einkaufen war.

* Sie meckern über jeden einzelnen Vorschlag.

* Ich werde sauer und sage ihnen, dass sie jetzt nur noch eine Wahl haben: 'Nimm es oder lass es bleiben'.

Das ist kein wirklich guter Start in den Tag, richtig?

Und es wird auch im Laufe des Tages nicht besser ...

Um 9 Uhr morgens möchte meine Kleinste "etwas zu essen" haben.

Die beiden Älteren hören, dass ich die Speisekammer oder den Kühlschrank aufmache und kommen auch in die Küche, weil sie etwas essen wollen.

Ich sage ihnen, dass sie erst vor einer Stunde gegessen haben und noch ein bisschen warten müssen. Daraufhin gibt es wieder Gemeckere und Gejammere.

Ich sage ihnen, dass sie gerne Babykarotten oder eine Banane essen können, wenn sie wirklich Hunger haben. Doch ganz plötzlich sind sie gar nicht mehr so hungrig.

Eine Stunde später geht es dann wieder los.

Zwischen 11:00 Uhr und 12:00 Uhr überlege ich mir, was ich zum Mittagessen machen könnte. Meist ernte ich für meine Vorschläge keine große Begeisterung. Wenn ich Glück habe, schmeckt einem von drei Kindern, was ich in der Speisekammer zusammengesucht habe.

Die Kinder essen, lassen ihr Geschirr stehen und kommen dann einer nach dem anderen in die Küche, weil sie etwas zum Naschen wollen. Seit dem Zeitpunkt, an dem ich meine Gartenarbeit beendet habe, bin ich bereits jede Stunde von einem der Kinder nach etwas zu essen gefragt worden.

Gegen 2 Uhr nachmittags gebe ich dann komplett auf und überlasse ihnen eine Packung Cheez-It-Cracker. Ich bin einfach nur froh, einen Moment lang meine Ruhe zu haben. Doch diese Ruhe dauert nicht lange an, denn danach muss ich die Brösel wegsaugen. Notiz an mich selbst: Lass sie nicht mehr dauernd auf dem Teppich essen!

Die ganze Packung leerer Kohlehydrate ist im Nullkommanix leer. Und obwohl ich gerade erst vor zwei Tagen 140 Dollar für Lebensmittel ausgegeben habe, haben wir nichts mehr zum Naschen zu Hause.

Von richtigen Mahlzeiten will ich gar nicht erst anfangen, denn ich war nie besonders gut darin, die Zutaten für ein ordentliches Essen zu besorgen. (Hallo! Fleisch ist teuer und zwei meiner drei Kinder rühren Bohnen nicht an. Um wem erzähle ich das - ich hasse sie ja selbst! Tja ... Ich kaufe also ein wenig Obst, was zum Naschen für unterwegs und einige Packungen Tiefkühlgemüse.

Dabei hoffe ich, dass ich irgendwo im Gefrierschrank noch Fleisch finde, um daraus ein Abendessen zu zaubern und meinen Mann nach seinem langen Arbeitstag satt zu bekommen.

Abends ist es nicht besser, da wir immer früh zu Abend essen. Das heißt, dass der Tag noch viele Stunden hat, in denen man gedankenlos vor sich hin essen kann.

Bis ...

Ich es sein ließ.

Ich kümmerte mich nicht mehr allein um die Einkäufe.
Ich machte kein Frühstück mehr.
Ich machte kein Mittagessen mehr.
Ich gab meinen Kindern nichts mehr zum Naschen.

Unser Tagesablauf schaut jetzt wie folgt aus:

Die Kinder wachen auf und machen sich selbst Frühstück. (Die älteren Geschwister machen Frühstück für die Kleinste.)

***MANCHMAL*** essen die beiden Älteren einen kleinen Snack vor dem Mittagessen.
Die Kleinste isst am Vormittag eine gesunde Zwischenmahlzeit.
Die beiden älteren Kinder machen das Mittagessen und räumen danach auf, während ich ein gesundes Mittagessen für meine Kleinste und mich zubereite.
Alle Kinder dürfen sich nachmittags etwas zum Naschen aussuchen.
Ich mache das Abendessen.
Die Kinder dürfen sich nach dem Abendessen einen Snack aussuchen.

Kein Gebettle mehr.
Kein Gejammere mehr.
Kein gedankenloses Naschen mehr.

Wie haben wir diese drastische Veränderung geschafft? Alles begann mit einem Kommentar, den ich an einem besonders frustrierenden Tag im Winter abließ. Wir waren mittlerweile so weit, dass die Kinder innerhalb von zwei Tagen sämtliche Süßigkeiten verputzt hatten, die eigentlich für mindestens eine Woche reichen sollten.

Ich sagte zu den beiden Älteren, dass ich ihnen am liebsten Geld geben würde, damit sie selbst ihr Essen einkaufen und verstehen, was es bedeutet, wenn man Süßigkeiten im Wert von sechs Dollar auf einen Satz wegputzt.

Sie fanden die Idee toll und wollten sofort damit anfangen. Ich fand jedoch, dass wir im Sommer mit dem Experiment beginnen sollten, weil wir dann in den Ferien regelmäßig zu einem größeren Supermarkt fahren konnten.

essen

Das Experiment beginnt

Am 4. Juni war es soweit: Sam und Julia bekamen mit Taschenrechnern und Einkaufslisten bewaffnet jeweils einen Einkaufswagen, um sich ihr Essen selbst zu besorgen. Mir war klar, dass sie dabei auch lernen würden, sich sowohl ihr Geld als auch ihr Essen besser einzuteilen, doch das sagte ich ihnen natürlich nicht.

Basierend auf unserem Budget für Lebensmittel haben wir folgenden Plan erstellt:

Jedes Kind bekommt jede Woche 30 Dollar zum Einkaufen.

Die Kinder müssen einen Essensplan inklusive Einkaufsliste erstellen. An der Seite ist etwas Platz frei, damit sie ihre Gesamtausgaben zusammenrechnen können.

Die Kinder müssen für fünf Mal Frühstück und fünf Mal Mittagessen einkaufen und ihre Naschereien/Süßigkeiten für die ganze Woche besorgen.

Ich kümmere mich sieben Mal pro Woche ums Abendessen und mache am Wochenende das Frühstück und das Mittagessen.

Wenn die Kinder weniger als 30 Dollar ausgeben, sammeln wir das Geld und fahren in den Valleyfair-Vergnügungspark oder heben es für einen anderen Ausflug auf. (Das ist toll, denn dann muss ich von unserem genau kalkulierten Haushaltsgeld nicht auch noch Eintrittsgebühren und diverse Extras abzwacken.)

experiment

Wenn die Kinder zu viel Geld ausgeben, müssen sie den Betrag abarbeiten, indem sie im Garten Unkraut jäten. (Das ist bisher nur Julia einmal passiert. Sie hatte 3 Dollar zu viel ausgegeben. In letzter Zeit passen die Kinder sehr genau auf und heben sich meist zwischen 10 und 15 Dollar pro Woche für zukünftige Ausgaben auf.)

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Wenn wir mal zu Costco fahren und mittags Pizza essen, mache ich dafür kein Abendessen. Die Kinder essen dann abends ihr eigentlich eingeplantes Mittagessen, weil ich mich an diesem Tag um ihr Mittagessen gekümmert habe, statt um ihr Abendessen.

Wenn wir mal spontan einen Ausflug machen, achten wir darauf, dass sie ihren Essensplan trotzdem umsetzen können. Sie suchen sich dann meist relativ einfache Dinge aus, die sie nach Belieben austauschen können.

camping

Kurz nachdem wir mit dem Experiment begonnen hatten, fuhr ich mit den Kindern zum Campen. Also bereiteten wir unsere Ravioli nicht am Küchenherd zu, sondern auf unserem Campingkocher. Zum Frühstück nahmen die Kinder sich Cornflakes mit.

cornflakes

Da ich meinen Kindern Wertschätzung gegenüber selbstangebautem Essen beibringen möchte, dürfen sie sich an den eingemachten Vorräten bedienen, so viel sie wollen: Apfelmus, Marmelade, Salsa-Sauce, Tomatensoße usw. Außerdem ist auch alles aus dem Garten 'umsonst'.

Mir ist klar, dass 30 Dollar nicht gerade viel Geld für so viele Mahlzeiten ist. Deshalb kaufe ich die Grundnahrungsmittel wie Milch, Eier, Butter, Mehl, Zucker und Gewürze ein. Ich möchte meinen Kindern beibringen, dass es viel besser ist, zu Hause zu backen, als eine Packung Kekse für vier Dollar im Supermarkt zu kaufen und dass ihr Geld länger reicht, wenn sie die Speisekammer gut befüllen.

Das Essen der Kinder ist für Elsa, Papa und mich tabu, es sei denn sie wollen es mit uns teilen. (Es ist immerhin noch mein Geld, das sie ausgeben. Sie haben also bisher noch immer ja gesagt, wenn ihr Papa sie um eine Schale Cornflakes gebeten hat.)

Was dann geschah

Das Essverhalten von Sam und Julia hat sich sofort verändert. Sie verputzen jetzt nicht mehr eine ganze Packung Cracker auf einmal. Bei Sam hält eine Packung Cheez-It mittlerweile eine ganze Woche. Eine Packung Cornflakes reicht ihnen bis zu zwei Wochen, statt wie früher nur zwei Tage lang.

Natürlich kann es vorkommen, dass ich in einer Woche drei Packungen Cornflakes für Sam, Julia und Elsa kaufen muss, weil jedes Kind ja seine eigene Packung hat. Doch diese Packungen halten dann auch viel länger.

Das Beste daran ist, dass die Kinder jetzt essen, wenn sie HUNGER haben, und nicht, wenn sie gelangweilt sind. Es nervt mich unglaublich, wenn sie aus purer Langeweile essen!!!

teilen

Mittlerweile fragen sie mich überhaupt nicht mehr nach Süßigkeiten. Sie sind selbst für ihre Naschereien verantwortlich und sie meistern diese Aufgabe wirklich hervorragend. Sam hat sogar von ganz allein daran gedacht, sich Snacks für einen Ausflug einzupacken.

Insgesamt gesehen war unser Experiment ein großartiger Erfolg. Gibt es etwas, das ich anders machen würde? Allerdings! (Habt ihr gesehen, was sie sich zum essen ausgesucht haben????)

Fünf Mal pro Woche Cornflakes? Eines der Kinder hat sich einmal bei Costco 72 Waffeln gekauft und sich ausgerechnet, wie viele davon er/sie an einem Tag essen kann. Ich hielt mich raus und konzentrierte mich darauf, dass wenigstens die EINE Mahlzeit am Tag, die in meiner Verantwortung lag, Nährstoffe enthielt. (Ich finde, dass ich ein wenig Lob dafür verdient habe, dass ich den größten Teil der Essensplanung aus der Hand gegeben habe, oder nicht!!?!?!)

Unerwartete Ergebnisse unseres Experiments

* Die Kinder probieren jetzt auch neues Essen aus (vor allem Obst).

* Sie gestalten ihre Speisen nach und nach immer abwechslungsreicher.

* Lebensmittel einzukaufen macht SPASS! Die Kinder konzentrieren sich auf ihre Einkaufslisten und lenken mich nicht von meiner Liste ab. Man könnte meinen, dass Einkaufen so noch schwieriger wird, doch die Kinder sind alt genug, um mit der Verantwortung umgehen zu können. Das Bezahlen an der Kasse ist manchmal ein wenig verrückt, weil jeder seine eigenen Einkäufe extra aufs Band legt.

* Die Kinder haben sich gegenseitig geholfen und einige Mahlzeiten zusammen zubereitet, um sich die Kosten dafür zu teilen.

* Ich MUSS mich darum kümmern, dass wir mindestens einmal pro Woche zum Supermarkt fahren und uns nicht mehr wie früher mit Fast Food über Wasser halten, bis wir wieder zu einem größeren Supermarkt kommen. Damit SPART man richtig Geld!!!

* Die Kinder teilen ihr Essen oft mit Elsa. Ich achte jedoch meist darauf, dass Elsa etwas Ähnliches zu essen bekommt oder dass wir ein bestimmtes Essen, das sie bei Sam oder Julia gesehen hat, beim nächsten Mal auch für sie kaufen.

* Die Kinder räumen ihre Sachen selbst weg und finden sich mittlerweile auch in der Küche zurecht!

* Ich gebe inzwischen nur noch 80 Dollar pro Woche für Lebensmittel aus. Früher haben wir pro Woche ungefähr 120 Dollar ausgegeben und außerdem haben wir oft noch 1 bis 2 Mal extra für circa 30 Dollar eingekauft. Jetzt gehen wir nur noch EINMAL pro Woche einkaufen.

* Mir war bisher nicht klar, wie viel die Kinder eigentlich essen, nur um sicherzustellen, dass sie auch ihren gerechten Anteil abbekommen. Geschwisterneid sollte man nicht unterschätzen!

* Die Kinder finden es super, so wenig wie möglich auszugeben, damit sie GELD SPAREN können.

Das war's! So haben wir bei uns zu Hause den Kampf ums Essen beendet und unseren Kindern nebenbei noch einige wichtige Erfahrungen ermöglicht.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mir darüber berichtet, ob ihr auch schon etwas Ähnliches ausprobiert habt oder ob ihr Fragen habt.

Wenn ihr mich persönlich anschreiben wollt, erreicht ihr mich unter meiner E-mail-Adresse: 4theloveoffamily@gmail.com oder über meinen Blog: www.campgroundcubs.blogspot.com

Ich bin nicht so besonders aktiv auf meinem Blog, doch dafür verbringe ich als 4MamaBear viel zu viel Zeit mit meinem Instagram-Account.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei Simplicity in the Suburbs und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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