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VW, KIA und God in the Holy Land - was rauskommt, zählt

09/11/2015 16:34 CET | Aktualisiert 09/11/2016 11:12 CET
Getty

Als vor nunmehr sechs Wochen VW beschloss, öffentlichkeitswirksamer zu handeln und täglich in den Medien egal mit welchem Thema präsent sein zu wollen, erinnerte ich mich an meine Studienzeit.

Ich lernte all das, was mich interessierte, ziemlich schnell, aber eben nicht alles. Und ich gehörte zu denen, die den notwendigen Rest kurz vor Prüfungen „mit viel Druck tankten". So bestand ich meine Studien, weitere Prüfungen und bekam die begehrten „Papierchen", wie mein Vater sagte. Nur was wäre geschehen, hätte ich unverhofft ein halbes Jahr später noch einmal die gleiche Prüfung absolvieren müssen? Ob ich sie mit Kurzzeitgedächtnis geschafft hätte? Ich bin mir nicht sicher. Schon gar nicht, wenn ich heute dazu befragt würde.

Habe ich betrogen, vorsätzlich, weil ich optimiert die Prüfungssituation simulierte und auf den Punkt, auf den Tag genau die gewünschte Leistung abrufen konnte? Was sind die „Papierchen" wert? Klar, bisschen was bleibt hängen und auch VWs Abgaswerte (und derer möglicher anderer Automobilunternehmen) sind im Straßenmodus so schlecht nun auch nicht, aber wohl nicht der „Norm" entsprechend. Fühlen wir uns nur gut und sicher, wenn wir einen „Stempel" haben ?

Ich möchte nicht missverstanden werden. Ein Studium ist nicht gleich stinkende Luft, nur: Was unterscheidet VWs Software von der jahrhundertelangen Optimierung bei Prüfungen?

Entscheidend ist, was () rauskommt, was fährt und nicht heiße Luft.

Letzte Woche war ich für ein paar Tage mal wieder in Israel und fuhr auch nach Ramallah, um mein geliebtes Knafeh zu essen. Checkpoint problemlos (für alle) passiert, Verkehr in Ramallah wie immer chaotisch - und auch noch Stau auf der einzigen Ein-/Ausfahrtstraße von/nach Jerusalem ohne Wendemöglichkeit. Und Stau heißt in Ramallah, dass eine ein-, manchmal zweispurige Straße auf vier Autos nebeneinander versucht wird, zu „erweitern".

Half alles nix. Alles stand und stand. Das Hupen wurde lauter und nervöser. Auch ich wurde immer ungeduldiger, benötigte öffentliche Einrichtungen und theoretisch auch ein Hotel, wenn das Essen zu lange dauerte. Es war halb fünf. In Israel geht die Sonne um diese Zeit unter, zudem schnell. Kein Straßenschild, falls es überhaupt eins gibt, ist dann in Ramallah noch zu erkennen, um Wege zu finden ...

Endlich, es ging weiter, ich fuhr, fuhr schneller, plötzlich wollte jemand aus der nicht vorhandenen dritten Spur in meine, ich wurde wieder langsamer - und bekam einen fürchterlichen Schlag von hinten, ein Rums, das Auto (Picanto) machte einen großen Satz, ich bremste stark, um nicht noch vorn gegenzufahren und stand wieder ...

Tausend Gedanken auf einmal - Shit (995x ;-)), ein Unfall, Du bist in der Westbank mit einem Mietwagen (MW-Firma „erlaubt" es nicht), dazu nur eine Basis-Versicherung, im Rückspiegel sehe ich einen alten Palästinenser aus einem übervoll beladenen VW Caddy verstört schauen, no chance beim Klären der Schuldfrage. Ich rollte etwas nach rechts, erzeugte einen weiteren Stau und stieg frustriert aus, der Palästinenser auch, kam und entschuldigte sich (soweit mein bißchen Arabisch reicht).

Was nun? Mit ihm zu diskutieren, war müßig. Die Polizei rufen? Meinem Gefühl nach, auch. Schnell bildete sich eine Traube - jeder gestikulierte, redete auf mich ein und konnte ein Wort Englisch mehr als der Nächste. Mir schwirrte der Kopf. Ich wollte nur noch den Schaden begutachten, drehte mich um ... und traute meinen Augen nicht, ich sah - nichts!

Nach diesem fürchterlichen Rums und meinem Satz - nichts. Absolut nichts. Unfassbar. Nicht mal eine Schramme. Der Palästinenser rief „Allahu akbar" - auch sein VW ohne Schaden. Es gibt IHN wirklich im Heiligen Land und/oder KIA und VW bauen verdammt gute Autos ! ;-) Entscheidend ist, was () rauskommt.

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