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Warum lese ich nirgends #Ich bin Lufthanseat!?

01/04/2015 11:08 CEST | Aktualisiert 01/06/2015 11:12 CEST
Thinkstock

Germanwings-Absturz - Es ist noch keine drei Monate her, als Menschen (hier in Deutschland) sich dergestalt solidarisch mit Charlie Hebdo zeigten, dass T-Shirts gedruckt, Freiluft-Stand Ups organisiert, FB-/ Twitter Account-Bilder geändert und massenhaft, die vorher unbekannte Zeitschrift gekauft wurde, auch wenn man nur eines „Bonjour, Merci et Je t'aime" mächtig war.

Warum gibt es keine Solidarität mit einem deutschen Unternehmen? Weil es im Januar ein Anschlag „von außen" war? Ist es das? Dürfen wir nicht solidarisch sein, wenn es uns selbst trifft? Warum können wir nicht „aufstehen" - wir vertrauen uns und unser nächster Urlaubszubringer ist LH?

Lufthansa und Germanwings sind gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Lage, ob hausgemacht durch Tarifverträge, worunter wir alle schon leiden mussten oder ob bspw. durch die staatlich geförderte Konkurrenz aus dem Mittleren Osten. Als Vielfliegerin stimme ich zwar der neuen Strategie Herrn Spohrs nicht unbedingt zu, schätze aber Lufthansa seit vielen Jahren als sehr guten und sicheren Dienstleister.

Warum helfen wir Lufthansa nicht?

Und deshalb frage ich mich, warum „helfen" wir nicht unserem Unternehmen - ganz unabhängig von Trauer und Ursachenforschung ? Warum zerreißen die Medien selbst und die vielen, die Medien nutzen sich lieber das „Maul übereinander", sezieren/ verurteilen genüsslich das ehemalige Leben des Co-Piloten und stellen geschwind ominöse Forderungen auf wie die Zwei-Personen-Cockpit-Regel, permanente physische und psychische Tests, Unternehmensstrafrecht und die Lockerung der Schweigepflicht der Ärzte?

Zu guter Letzt wird lapidar diagnostiziert „weil er es wollte und konnte". Ja, jeder von uns ist in der Lage, andere zu verletzen, ob 5, 10, 150 oder mehr, ob mit dem Auto in eine Menge rasen, im Wohnhaus die Gasleitung ansägen, Computer lahm legen, egal - jeder kann es, nicht jeder will es!

Es liegt wohl (noch) in unserer Natur, dass wir nur beim Fußball gemeinsam „aufstehen", nur hier patriotisch im gemeinsamen Trauern, gemeinsamen Stolz sind. Ansonsten wollen wir lieber strafen (je härter desto besser) und das „in der Lage sein können" immer mehr einzuschränken, obwohl wir eigentlich wissen:

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgends und jedes Mehr an Sicherheit kostet uns viel Freiheit, viel Souveränität, viel Unabhängigkeit, ja auch viel Verantwortung - und anscheinend Solidarität!


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