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Das Banalisieren des Kampfes gegen Antisemitismus

22/11/2017 12:39 CET | Aktualisiert 22/11/2017 12:39 CET
ADEK BERRY via Getty Images

Ich hielt den Atem an, als ich den Beitrag von Mathias Döpfner las ... Puh, ausgerechnet die Springer-Presse, die die Solidarität mit Israel in ihren Unternehmensgrundsätzen zu stehen hat, banalisiert nun auch ...

Nachdem das Fußvolk vollmundig seine vermeintliche Empörung kundtat, gibt nun auch der Chef seinen Segen - und Senf. Nicht nur, dass er auch in seiner Funktion als BDZV-Präsident seit geraumer Zeit mit durchaus fragwürdigen Mitteln und Inhalten gegen die amerikanischen, "fest in jüdischer Hand befindlichen" Technologiekonzerne wettert, nein er dramatisiert ein triviales Thema und sieht in diesem Urteil den Untergang des Deutschen nahen. Oder sehnt er ihn vielleicht herbei ? Wow, das ist Qualitätsjournalismus erster Klasse.

Warum banal?

Hier suchte ein Israeli bewusst die Aufmerksamkeit. Bewusst, da nach der Stornierung, die Airline ihm ein Ersatzticket anbot, was er nicht in Anspruch nahm. Wenn es ihm um den Flug gegangen wäre, hätte er vielleicht noch Entschädigung verlangt, aber nicht einen Prozess angestrengt.

Beförderung: Der Israeli kaufte sein Ticket über das Online-Portal der kuwaitischen Airline. Jedes Unternehmen hat seine AGBs/T&C, so auch diese Airline. Wenn ich betrunken zum Gate komme, werde ich von kaum einer Airline befördert, so steht es in den AGBs. Wenn ich ein Hotelzimmer in einem „Adults only" Hotel buche und mit drei Kindern anreise, werde ich nicht einchecken können. Ist das Rassismus?

Staatsbürgerschaft: Wenn ich eine palästinensische ID-Card hätte, würde ich, falls eine Airline es übersähe, sofort wieder am Ben-Gurion Airport in Tel Aviv nach Deutschland zurückgeschickt. Ähnliches passiert mir, wenn ich in die USA mit einem Einreisestempel aus dem Iran flöge.

Ist es vergleichbar, wenn Deutschland Menschen aus Entwicklungsländern nur mit Visa und aufwändigen Garantieübernahmen des Einladenden ins Land lässt? Ist eine „Obergrenze" diskriminierend ? Ist der Grenzzaun von Viktor Orban es auch ? ...

Kuwaitisches Gesetz: Das Gesetz mag weder sinnvoll noch gerechtfertigt und diskriminierend sein. Aber kein deutsches Gericht hätte anders entschieden/ entscheiden dürfen. Es ist nicht Aufgabe eines Gerichts in einem Drittstaat, über zwei andere zu befinden, somit ist es kein juristisches, sondern ein politisches Thema.

Darum kann Deutschland Kuwait mahnen, sanktionieren, besser Israel und Kuwait setzten sich als zwei souveräne Staaten selbst auseinander.

Ich unterstelle Mathias Döpfner nicht, Antisemit zu sein, aber mit diesen Beiträgen hilft er den Antisemiten - wie auch die Beifallsäußerungen aus diversen Richtungen zeigen.

Warum wird Empörung gefordert, wenn es nichts an diesem Thema zu empören gibt ? Wird der arabische Antisemitismus „missbraucht", um vom in Deutschland inhärent vorhandenen Antisemitismus abzulenken ? Warum unterwirft sich ein Gericht, wenn es sagt „not my business" ?

Warum beginnen wir uns selbst aufzugeben, wenn ein Israeli sich ein falsches Ticket kauft ? Heiligt der Zweck alle Mittel ? Darf ein angesehener Journalist, sein Medium dazu nutzen, um von deutschen Gerichten Intoleranz zu fordern ? Ist es legitim, Angst vor Unterwerfung zu schüren und gleichzeitig die eigene Schuld im Land zu verharmlosen, zu banalisieren und Verantwortung zu delegieren ?

Ich denke nicht. Hier hat ein Journalist die Grenze der Integrität überschritten. Und nur dem letzten Satz stimme ich zu „Unser Land ist auf einem gefährlichen Weg."

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