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Mein Kind, mein Haus, mein Auto

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Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind, dafür gibt er gerne ein halbes Vermögen aus, hütet es wie seinen Augapfel und poliert es Samstags mit Hingabe. Der Vorteil: Man kann damit mächtig punkten.

Zumindest war das früher so. In den1990er Jahren übertrumpften sich in der legendären Sparkassenwerbung zwei Männer mit "Mein Haus, mein Auto, mein Boot". Damals war klar definiert, womit Mann seinen Status präsentieren kann, und alles war gut.

Klasse statt Masse

Aber die Zeiten und die Menschen haben sich verändert. So setzte man zum Beispiel beim Nachwuchs immer mehr auf Klasse statt Masse. Anstatt drei bekam ein durchschnittliches Paar nur noch 1,4 Kinder. Dafür wurde aber dann richtig investiert, ein Spanisch sprechendes Kindermädchen musste her - Englisch können die kleinen Racker ja schon seit der pränatalen Beschallung und der bilingualen KiTa fließend - und auch beim Geigenlehrer war man nicht knausrig.

So kam es, dass das Kind zum Statussymbol aufstieg, und schwuppdiwupp war das Boot aus der TOP3-Liste verdrängt. Das war aber nicht weiter tragisch, weil so ein Boot mitten in der Stadt ohnehin ziemlich unpraktisch ist.

Was, wenn es mit den Haus Essig ist?

Dann ereilte uns 2008 aber diese vermaledeite Finanzkrise. Ich sag's ja, die Amerikaner! Seitdem verdoppelten sich - zumindest gefühlt - die Immobilienpreise alle zwei Jahre, was dramatische Auswirkungen auf die Rangliste der Statussymbole hatte. Selbst mit einem deutlich überdurchschnittlichen Gehalt wurde ein Haus immer unerschwinglicher.

Doch die Einbrüche im sozialen Status waren Gott sei Dank nicht annähernd so groß, wie die an der Börse, schließlich ließ es sich mit den Leistungen der Kinder auch super prahlen, wenn nicht sogar noch besser.

Der Haken

Die Sache mit dem Kind als Statussymbol hatte nur einen Haken: Trotz der Tatsache, dass immer mehr Männer, gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen würden, blieb es bei dem frommen Wunsch. Denn auch heute ist es in über 90% der Beziehungen noch so, dass die Frau hauptsächlich für die Betreuung und Förderung der Kinder zuständig ist. Deswegen gebührt auch ihr ein Großteil der Lorbeeren ob des an Genialität grenzenden Nachwuchses, oder?

Nun ja, in guten Zeiten kann Mann damit gut klarkommen. Schließlich trägt er als Hauptverdiener enorm zu dem guten Gedeihen der Sprösslinge bei. Wer bezahlt denn sowohl Kindermädchen als auch Geigenlehrer, hm?! Außerdem ist IHR Ruhm auch SEIN Ruhm - zumindest so lange man sich lieb hat.

Jetzt muss der Kuchen gerecht aufgeteilt werden

Wenn der Haussegen jedoch schief hängt oder die Beziehung gar ganz in die Brüche geht, wird es ziemlich kritisch. Dann will Mann von dem Kuchen „Kind als Statussymbol" auch die Hälfte abhaben.

Vor diesem Hintergrund macht der gravierende Anstieg an Sorge- und Umgangsstreitigkeiten und die Forderung der Väterverbände nach dem Wechselmodell als Regelfall durchaus Sinn. Womit sollen die Männer denn jetzt angeben, wenn die Kinder hauptsächlich bei der Ex-Frau sind?

Gut, man hatte ja immer noch das Auto in petto, das viel toller ist als das des Nachbarn. Das konnte in einigen Fällen etwas Druck rausnehmen und die Kinder mussten nicht zwangsläufig aus Koffern leben, weil sie zwischen zwei Eltern gerecht aufgeteilt wurden. Das Kuchenstück „Ich habe die Kinder alle 14 Tage am Wochenende und die Hälfte der Ferien" war in diesem Falle groß genug.

Nur noch eine Dreckschleuder?!

Aber dann kam er, der Schwarze Freitag der Automobilindustrie. Nicht nur VW, nein, auch Mercedes und Audi haben ihre Abgaswerte manipuliert, und Porsche und Alpha Romeo und Chevrolet und Jaguar und Jeep und ..., also im Grunde alle. Ist das, was gestern noch ein Statussymbol war, heute etwa nur noch eine Dreckschleuder?

Was für ein Debakel für den deutschen Mann! Womit soll er jetzt Eindruck schinden?

Aber halt! Alle Autobauer? Nein! Ein von unbeugsamen Ingenieuren bevölkertes Bayerisches Motorenwerk, hört nicht auf, dem Betrug Widerstand zu leisten und baut nach wie vor Autos, auf die man stolz sein kann. Hoch lebe der BMW!

Nun bleibt mir nur noch, allen Kindern, die momentan zwischen den Eltern aufgeteilt werden sollen, ganz fest zu wünschen, dass ihr Vater einen BMW fährt. Das war ein satirischer Blick auf die Hintergründe des Anliegens, die Kinder gerecht aufzuteilen. Weil beides grad so in Mode ist.

Aber natürlich weiß ich, dass um die 95 Prozent der Männer es in Wirklichkeit gar nicht nötig haben, sich über etwas so oberflächliches wie Statussymbole zu identifizieren.
Dazu sind sie viel zu souverän. Die verbleibenden fünf Prozent sind allerdings ein echtes Problem.

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Nicht satirisch, sondern aberwitzig sind meine Erfahrungen mit dem deutschen Familiengericht. Nachzulesen in "Mama zwischen Sorge und Recht."

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