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Mein Licht war erloschen

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Ich erwischte mich dabei, wie ich googelte: "Soll ich wegen der Kinder bleiben?". Ich flehte Gott an, mir zu sagen, was ich tun sollte. Jeden Tag lief ich weinend in unserem perfekten Haus auf und ab. Jeden Tag starb ein Teil von mir - trotz sechs Jahre langer Paartherapie, drei wundervollen Söhnen und obwohl er nie fremdgegangen ist, mich nie geschlagen hat und nicht spielsüchtig war.

Ich habe nicht gewusst, wie einsam man sich in einer Ehe fühlen kann. Wir lagen mit unseren Handys im Bett, ohne uns zu berühren - als würden wir nur nebeneinander herleben. Er war ein liebender Mann und ein guter Vater.

Wie sehr ich mich nach Nähe und Leidenschaft verzehrte. Ich musste mein Verlangen ignorieren und heimlich die Zähne zusammenbeißen. Wir hatten schließlich kleine Kinder und eine Scheidung würde sie zerstören. Eine Scheidung würde ihn zerstören. Also blieb ich. Immer und immer wieder entschloss ich mich, zu bleiben. Und jeden Tag starb ein Teil von mir.

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Ich saß meinen zwei besten Freundinnen gegenüber, sie sahen mich an und sagten: "Du hast dein Strahlen verloren." Das gab mir den Rest. Ich versuchte, um meiner Kinder und um ihm zuliebe zu bleiben, bis zur völligen Selbstaufgabe. Entgegen den Rat meiner Familie und meiner Freunde, gab ich aber schließlich doch mein perfektes Leben auf und entschied mich für mich selbst.

Was darauf folgte, war eine ganz schöne Sauerei. Schluss mit Geheimnistuerei, Schönreden und perfekten Facebook-Posts. Der Verlauf der Scheidung war grausam und das gemeinsame Zusammenleben, während wir gleichzeitig versuchten unser Traumhaus zu verkaufen, wurde zu einer harten Probe. Was für ein Sch#sshaufen! Doch da musste ich durch.

Meine Jungs wachsen und gedeihen. Vielleicht mag ihr Leben nicht so aussehen, wie wir das geplant und für sie erträumt hatten, aber sie haben nun eine Mutter, die endlich wieder von innen strahlt. Mir wurde vor vielen Jahren einmal gesagt, dass ich aus allen Lebenssituationen das beste mitnehmen solle. Die Lebensweisheiten, die man dabei entdeckt, seien die Erlösung für meine Seele. Oh ja, Lebensweisheiten findet man viele...

Hier sind zehn Lebensweisheiten aus einer unschönen Scheidung (in keiner genauen Reihenfolge...):

1. Du lernst das wahre Gesicht deines Ex kennen.
2. Du kommst Gott ein Stückchen näher.
3. Deine wahren Freunde sind die einzigen, die am Ende noch bleiben.
4. Schuldgefühle, die mit deiner Entscheidung zusammenhängen, verschwinden vollständig.
5. Du hast die beste Figur deines Lebens vom täglichen Schwitzen auf dem Stepper, Laufband oder vom Joggen.
6. Es gibt keine Streitereien mehr über das korrekte Einräumen der Spülmaschine.
7. Du lernst, wie belastbar du wirklich bist.
8. Du schreibst, liest, weinst mehr und gehst tiefer in dich, als du es jemals getan hast.
9. Du weißt genau, worauf du in deiner nächsten Beziehung achten musst, du weißt genau, was zählt.
10. Nach der ganzen Geldverschwendung, dem Sorgerechtsstreit, den vielen Terminen, Gerichtskosten, der verlorenen Beziehung und der Wut bleibt am Ende nur noch dein "wahres Ich" übrig.

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Hätte man mir in dieser schrecklichen, nervenzerreißenden Zeit des Hin und Her zwischen meinem Herz und meinem Verstand eine Pistole auf die Brust gesetzt, hätte ich immer gewusst, was ich zu tun habe. Wenn ich in den Spiegel schaute, sah ich jedes mal die Wahrheit.

Die können wir zwar in einem Foto verstecken, in einem Post verschleiern, aber der Spiegel sagt uns immer die Wahrheit. Wenn wir unser Leben frei von Heuchelei aber mit Fehlern und Chaos leben, bleibt am Ende ein Strahlen.

Nachdem diese Entscheidung fiel, kam dann noch eine und noch eine. Meine Lieblingsautorin brachte es genau auf den Punkt:

"Geh, obwohl du ihn liebst.
Geh, obwohl er gut und treu und lieb zu dir ist.
Geh, obwohl er dein bester Freund ist und du seine beste Freundin.
Geh, obwohl du dir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen kannst.
Geh, obwohl er dich vergöttert und am Boden zerstört sein wird.
Geh, obwohl deine Freunde enttäuscht, überrascht oder sauer oder alles auf einmal sein werden.
Geh, obwohl du mal gesagt hast, dass du bleibst.
Geh, obwohl du Angst hast alleine zu bleiben.
Geh, obwohl du weißt, dass dich nie wieder jemand so lieben wird wie er.
Geh, obwohl du nicht weißt wohin.
Geh, obwohl du gar nicht so genau weißt, wieso du nicht bleiben kannst.
Geh, weil du es willst.
Weil der Wille zu gehen genug ist.

― Cheryl Strayed, Tiny Beautiful Things: Advice on Love and Life from Dear Sugar

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Timea Sternkopf aus dem Englischen übersetzt.

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Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

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(glm)