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Shanghai: Die Gewohnheiten einer Großstadt

04/09/2015 14:54 CEST | Aktualisiert 04/09/2016 11:12 CEST
Mahaux Photography via Getty Images

Raum ist in Shanghai begrenzt. Jeder Shanghaier hat durchschnittlich 13 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, also ein kleines Wohnheimzimmer.

Da bleibt wenig Raum für Anderes - trotzdem gibt es einige Dinge, auf die ein Shanghaier oder eine Shanghaierin keinesfalls verzichten will:

1. HANDYS.

Die Shanghaier lieben ihr Handy, das wird einem spätestens dann klar, wenn man bei China Mobile im Warteraum sitzt. Sie bevorzugen die Marke "Brotzeitteller", wie mein Vater es gern nennt - große, flache Smartphones mit tausenden von Apps. An jeder Ecke werden Simkarten, Handytaschen und -hüllen in knalligen Farben verkauft. Das Handy als Haustierersatz.

2. KLEIDUNG.

Ein offensichtlicher Punkt in der Liste, denn in Shanghai reiht sich ein Klamottenladen an den nächsten. Aber man muss auch darauf achten, was die ShanghaierInnen kaufen. Lange Hosen und grobe Stoffe sind verpönt, am beliebtesten ist das, was "süß" aussieht (ke'ai im Chinesischen, kawaii im Japanischen).

Soll heißen, alles, was mit Blüten, Schleifchen, Pünktchen oder Ähnlichem verziert ist, geht weg wie warme Semmeln. Ebenfalls sehr beliebt sind zurzeit grüne Stengel mit Blüten dran, die man sich ins Haar steckt, so dass es aussieht, als würde einem eine Blume aus dem Kopf wachsen.

3. DIE U-BAHN.

In Shanghai geht man, ähnlich wie in anderen Metropolen, selten zu Fuß. Zumindest auf der Straße. In der U-Bahn hingegen kann man meilenweit laufen - manchmal läuft man eine Viertelstunde durch die Gänge, nur um zu einer anderen Linie zu wechseln. Auf dem Weg dorthin kann man lesen, Musik hören, oder über Gott und die Welt nachdenken.

4. PARKS.

Niemand soll sagen, Shanghai sei keine grüne Stadt. Es gibt immerhin einige berühmte Parks, zum Beispiel den "Century Park" oder den "Yu Garden". Zugegeben: Was die Shanghaier unter "Park" verstehen, ist nicht immer das, was Europäer darunter verstehen und so ähnelt etwa der "Yu Garden" eher einer Ansammlung traditioneller Häuser. Die Natur wird dabei zur Staffage, kein Grashalm wächst zufällig.

Andere Dinge müssen aber zwangsläufig zu kurz kommen. Weniger Platz haben die Shanghaier deshalb für:

ALTE KULTUR:

Es gibt zwar viele Museen, aber viele davon beschäftigen sich mit der modernen Kultur, zum Beispiel das "Shanghai Urban Planning Exhibition Center" oder das "Shanghai Propaganda Poster Art Center". Traditionellere Museen wie etwa das "Arts & Crafts Museum" findet man dagegen seltener, und meistens hat man nach einer Stunde das Wichtigste gesehen.

BUCHLÄDEN:

Bisher zumindest habe ich noch nicht viele erspäht. Oder vielleicht lesen hier wirklich alle nur eBooks?

PRIVATSPHÄRE:

Damit kommen wir zum Ausgangspunkt zurück, denn den meisten Shanghaiern wird nur auf 13 Quadratmeter Privatsphäre gewährt. Und manchmal nicht mal das: In vielen Gebäuden steht man, sobald man aus dem Aufzug steigt, direkt im Eingangsbereich einer Wohnung und kann einen Blick hineinwerfen - das habe ich an einem der letzten Tage bemerkt, als ich ins falsche Stockwerk gefahren bin. Ehrlich gesagt war ich ein bisschen schockiert, dass man mir da einen so intimen Einblick gewährt!

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