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Zwischen Bosporus und Rhein: Baklava, Türkiye und Almanya

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MUSLIME BERLIN
Thomas Peter / Reuters
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„Woher kommst du eigentlich ursprünglich?", „Du hast aber einen exotischen Vornamen" oder „Du sprichst aber gutes Deutsch" - dies sind nur einige der Sätze, die mir im Alltag begegnen. Früher dachte ich immer, man sehe mir meine Herkunft nicht an und es ist nur der Vorname der stört, doch mittlerweile scheint sie mir wortwörtlich auf die Stirn geschrieben. Aber warum eigentlich? Ist die Herkunft eines Menschen wirklich so ausschlaggebend für dessen zukünftigen Erfolg und seinen Platz in der Gesellschaft?

Woher kommst du eigentlich?

Fangen wir doch mal etwas weiter vorne an: Schon zu Kindergarten- und Schulzeiten, zog ich durch meinen - im deutschen Sprachraum eher unbekannten - Vornamen alle Aufmerksamkeit auf mich. Die exotischen Buchstaben mit Sonderzeichen innerhalb meines Namens verrieten anscheinend mehr über mich als ich dachte.

Diese führten in den ersten Jahren dazu, dass unzählige Variationen daraus entstanden, auf die ich im Nachhinein lächelnd zurückblicke. Hinzu kam, dass ich durch meine Türkischkenntnisse schnell in die Rolle des Kulturvermittlers schlüpfte und meinen Erzieherinnen und späteren Lehrerinnen und Lehrern erklären musste, was das Zucker- bzw. Opferfest ist, wieso es dort Baklava zu essen gibt und warum die Jüngeren die Hände der Älteren küssen.

Doch damit nicht genug: Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als damals ein Junge aus der Türkei zu uns in die Klasse kam und ich als einziger Türke aus der Klasse für ihn übersetzen musste. Die musternden Blicke und überraschten Gesichter bei jedem türkischen Wort das ich sprach, werde ich ein Leben lang nicht vergessen.

Die Frage nach meiner Herkunft war trotzdem für viele immer noch ein Rätsel, nur ich selbst schien längst eine Antwort darauf gefunden zu haben: „Ich bin ein in Deutschland lebender Türke mit zwei Herzen in der Brust", erklärte ich jedes Mal stolz, wenn ich gefragt wurde. Wie ich darauf kam? Ganz einfach: Ich wollte mich schon damals nicht zwischen zwei Ländern entscheiden, da ich mich in beiden wohlfühlte und deshalb nie verstand, warum man mich vor die Wahl stellte.

Türkiye oder Almanya?

Ja, diese Frage begegnet mir auch heute noch fast täglich und nein, meine Antwort hat sich nicht verändert. Als jemand der in Deutschland aufgewachsen ist, kann ich diesen Kategorisierungs-Gedanken persönlich auch nicht ganz nachvollziehen, denn genau das ist es doch, was uns unsere Individualität raubt.

Ich kann verstehen, dass es als eine Art Orientierungshilfe für einige einfacher ist, wenn sie Menschen gewissen Kulturkreisen oder Ländern zuordnen können. Dennoch sind solche klischeebeladenen Begriffe wie „Deutschtürke" oder „Ausländer" dazu meines Erachtens nicht geeignet und mit Vorsicht zu genießen. Auch wenn sie dem einen oder anderen Orientierung bieten, schränken sie die Betroffenen in ihrer Identität stark ein, indem sie ihnen bestimmte Rollenbilder zuordnen oder gar ihren Platz innerhalb der Gesellschaft vorab definieren, ohne jeglichen Spielraum für individuelle Entfaltungsmöglichkeiten zuzulassen.

Anstatt sich an solch einer Oberflächlichkeit zu bedienen und es sich damit einfacher zu machen, sollte uns doch allen viel wichtiger sein, was hinter dieser Begriffsfassade steckt. In jedem von uns schlummern so viele unentdeckte Talente, die es gemeinsam und ich wiederhole noch einmal, gemeinsam zu ergründen und zu fördern gilt und das ungeachtet der Herkunft, Religion oder politischen Gesinnung eines Menschen, denn nur gemeinsam sind wir stark.

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Wo kämen wir hin, wenn alle das Gleiche denken, fühlen und tun würden? Dieser farblose und öde Einheitsbrei bringt uns alle nicht weiter, sondern eher zurück. Vielfalt ist das Zauberwort! Jeder neue Gedanke, jedes neue Gesicht, jede helfende Hand egal woher, bereichert unser Leben und eröffnet uns neue Perspektiven.

Gerade die Flüchtlingsthematik sollte uns alle zu etwas mehr Weltoffenheit, Respekt und Toleranz gegenüber Andersdenkenden bewegen. Keiner erwartet, das man partout allem zustimmt, aber jeder von uns sollte zumindest so viel Respekt besitzen, sich jede Meinung anzuhören und anschließend konstruktiv darüber zu diskutieren - und das lösungsorientiert!

Je mehr kluge Gedanken und Ideen aus aller Welt zusammenkommen und je mehr Menschen mit anpacken, desto bunter und interessanter wird unsere Gesellschaft. Also lasst uns alle zusammen für eine buntere und vielseitigere Welt voller Respekt und Toleranz sorgen, indem wir mehr aufeinander zugehen, als uns voneinander abzuwenden und uns mehr darauf konzentrieren, was uns verbindet, als das was uns voneinander unterscheidet.

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Mehr zum Thema Türken in Deutschland findet ihr hier.

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