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An die selbsternannten Integrationsexperten: Identität definiert sich nicht über Religion

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Carsten Koall via Getty Images
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Genau heute vor zehn Jahren wurde die Deutsche Islamkonferenz (DIK) vom damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen. Mit welchem Ziel eigentlich? Ganz einfach: um den Dialog zwischen Staat und Muslimen zu fördern.

Allein das zehnjährige Bestehen der DIK ist doch ein Zeichen für gelungenen Dialog, oder zumindest ein Miteinander nicht wahr? Wären da nicht immer diese ganzen Integrationsexperten, die jede Integrationsdebatte für gescheitert erklären.

Integration beruht auf Gegenseitigkeit

Den Satz „Integration ist keine Einbahnstraße" kann man heutzutage eigentlich nicht genug wiederholen. Menschen können einander nur verstehen, wenn sie miteinander sprechen. Ja, das Miteinander steht im Vordergrund.

Was nützt es, von Gemeinschaft zu sprechen, wenn jeder für sich in seiner eigenen Welt lebt? Eine Welt voller Einsamkeit, Triste und Eintönigkeit, in der Andersdenkende keinen Platz haben. Erst wenn man miteinander über Dinge redet, erweitert man seinen Horizont und lernt neue Sichtweisen kennen.

Sei es die Sprache eines Landes, dessen kulturelle Gepflogenheiten oder auch einfach nur die kulinarischen Köstlichkeiten, welche einem bei einem Besuch serviert werden. Der gemeinsame Dialog verbindet und verrät mehr über die gegenseitigen Gemeinsamkeiten, als man vorerst glaubt.

Wichtig ist, dass dieser Dialog auf Augenhöhe stattfindet. Mit gegenseitigem Respekt. Erst wenn beide Seiten mit einem gewissen Anstand miteinander kommunizieren und begreifen, dass Integration eine reziproke Beziehung ist, die sich ständig weiterentwickelt, entsteht ein konstruktiver Dialog.

Meinungsverschiedenheiten formen die Gesellschaft

Uneinigkeit in jeglichen Diskursen, religiöser oder sonstiger Natur, sind kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Sie regen die ganzen Debatten weiter an, auch wenn der Ton dabei immer härter und harscher werden mag, zeigen sie oft auch andere diskutable Aspekte auf. Jede Islamdebatte ist beispielsweise dabei gewiss nicht auf einen gemeinsamen Konsens ausgerichtet.

Oftmals wird nur versucht durch die unausgewogene Verteilung von Befürwortern und Gegnern propagandistische Stimmungsmache gegen eine gesamte Glaubensrichtung und all ihre Anhänger zu betreiben.

Das ist absolut kein lösungsorientierter Ansatz für ein konstruktives Miteinander, im Gegenteil: Eine Religionsgemeinschaft unter Generalverdacht zu stellen, zeigt einfach nur wie engstirnig, realitätsfern und undifferenziert man ist.

Diese Methode ist insbesondere bei Kritikern zu beobachten, die sich durch derartige Pauschalisierungen Zuspruch erhoffen.

Konstruktive Kritik statt Feindseligkeit

Vielmehr geht es um konstruktive Verbesserungsvorschläge, sie sind es, die uns gesellschaftlich weiterbringen. Das gebetsmühlenartige Aufzählen und Wiederholen begangener Fehler aus der Vergangenheit, um die gewollte Dämonisierung und mit ihr das Schüren des klischeehaften Feinbildes einer Religionsgemeinschaft gegenüber zu vollenden, sorgt einfach nur dafür, dass wir uns ständig im Kreis drehen.

Anstatt als Moralapostel mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollte man stets bei sich selbst anfangen, nach Fehlern zu suchen. Das alleinige Bemängeln des Fehlverhaltens anderer, bringt keinem etwas. Weder dem Staat noch den Muslimen, ganz egal, ob hier in Deutschland oder auf der ganzen Welt.

Erfolge der DIK und Identität

2011 wurden islamisch-theologische Seminare an vier Universitätsstandorten errichtet, wo unter anderem auch künftig Imame ausgebildet werden sollen. Des Weiteren hat die DIK mit dem islamischen Religionsunterricht, unter staatlicher Aufsicht, in einigen Bundesländern und den Zentren für islamische Theologie Impulse gesetzt.

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Diese gilt es nun weiter auszubauen. Beispielsweise indem man, wie der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, vorschlägt, eine nationale Islamkonferenz veranstaltet, um so den innerislamischen Dialog voranzutreiben. Das allein zeigt doch, dass der Islam sehr wohl ein Teil Deutschlands ist und auch offen gegenüber Wissenschaft und Forschung sowie Fortschritt.

Wenn das keine Integrationsbereitschaft signalisiert, ist echt zu bezweifeln, wie alle vermeintlichen Integrationsexperten sonst zu besänftigen sind, die ständig die Integration der Muslime für gescheitert erklären.

Ist es etwa der gnadenlose Pessimismus, der sie dazu verleitet, ihr inniger Hass und ihre Abneigung gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen oder das reine Verlangen nach medialer Aufmerksamkeit, dass sie in jeder Talkshow oder in jedem Interview ein Haar in der Suppe suchen lässt?

Identität definiert sich nicht alleine über Religion. Merkwürdig, dass alle Kritiker sich ständig an ihr aufhängen, um zwischen gutem und bösem Moslem zu unterscheiden. Wie oberflächlich können Menschen sein oder besser werden, nur weil jemand nicht ihrer Meinung ist? Religion ist ein Teil der Identität aber nicht ihr einziger.

Hinzu kommen noch Sprache, Kultur, Sitten, Gebräuche und vieles mehr. Kulturalistischer Rassismus war noch nie die Lösung eines Problems.

Kulturelle Vielfalt im Zeichen des Miteinanders

Es gibt viel mehr Ebenen und Aspekte, die für ein Miteinander sprechen, als für ein Gegeneinander. Sei es das Kennenlernen von Menschen aus aller Welt. Das respektvolle aufeinander Zugehen und Verständnis füreinander aufbringen ist der richtige Weg für eine bunte Welt.

Kulturelle Vielfalt schlägt sich in jeglicher Form nieder, die jeder auf seine Art und Weise definiert, sei es sprachlich, künstlerisch, gesellschaftlich oder anderweitig. Lasst uns mehr für ein Miteinander kämpfen - gemeinsam statt allein! Geht aufeinander zu, seid offen gegenüber Neuem und Unbekanntem.

Je bunter unsere Diskurse sind, desto besser sind sie für uns alle und so ist die Integration der Muslime alles andere als gescheitert, ganz sicher!

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