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Mein Mann hat sich nicht mit einer fetten Frau abgefunden

30/11/2015 17:58 CET | Aktualisiert 30/11/2016 11:12 CET

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Image via Kat Stroud/House Of Winter

Dieser Post erschien zuerst bei Bustle.

Von Kat Stroud.

Den meisten Menschen wird schon von Kindesbeinen an beigebracht, dass man so dünn wie möglich zu sein hat, wenn man sich ein Happy-End wie im Märchen verdienen möchte.

Normalerweise sehen wir in unseren Medien keine Plus-Size-Frauen mit dünnen Männern, weil dünne, konventionell als attraktiv geltende Männer nur mit dünnen, konventionell als attraktiv geltenden Frauen zusammen sein sollten.

In den Zeichentrickfilmen gibt es keine Plus-Size-Prinzessinnen, die mit ihrem Märchenprinz Richtung Sonnenuntergang reiten. Es gibt keine Rebel Wilsons, die in Filmen das Objekt der Begierde von Brad Pitt spielen.

Fette gehören zu Fetten, Dünne gehören zu Dünnen. So sieht's aus.

Die meisten von uns stimmen wohl darüber überein, dass die Kulturen der ersten Welt übergewichtige Menschen als Bürger zweiter Klasse ansehen, die ihren Körper hassen sollten. Wir werden permanent mit Diät-Kampagnen, Werbung für Schlankheitspillen, Schönheitsoperationen und dem Mobbing von Dicken-feindlichen Gruppierungen wie Project Harpoon und Thinner Beauty bombardiert.

Traurigerweise bedeutet das, dass, wenn ein übergewichtiger Mensch von einem konventionell als "gut aussehend" eingestuften Menschen angesprochen wird - sowohl im echten Leben, als auch auf der Leinwand - es schwierig sein kann, zu glauben, dass seine Absichten ehrlich sind. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Komplimente eines potenziellen "gewissen Jemands" oft mit Misstrauen behandelt werden. Ich weiß aber auch, dass dieser Selbsthass und Zweifel Gift für jede Beziehung sind - besonders für die mit dir selbst.

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Mein konventionell heißer Ehemann hat mir das beigebracht.

Die ersten paar Monate mit diesem gut aussehenden Mann waren erfüllt von Unsicherheiten und Zweifeln meinerseits. Dieser Kerl war hinreißend und das nicht nur laut meines eigenen Standards, sondern auch laut des gesellschaftlichen Standards.

Ich kam nicht umhin, seine Motive zu hinterfragen.

Warum will er mit mir ausgehen? Wollte er einfach mal eine Dicke ausprobieren? Ist das wie in den Filmen, wo der heiße Typ als grausamen Scherz das Schwein nach einem Date fragt?

Ich wollte ja glauben, dass ich "auf seinem Level" bin - dass sein Interesse echt ist. Aber die Zweifel, die von unserer Kultur tief in meiner Psyche verankert waren, schlichen sich immer wieder ein und zerstörten jegliches Selbstbewusstsein, das ich einmal gehabt hatte.

Selbst als wir zusammen kamen, wurde ich das Gefühl nicht los, ich sei nicht gut genug für ihn. Sah er dieser dünnen Blondine in den sexy High Heels hinterher? Bin ich die dickste Frau, mit der er je was hatte?

Dieser Strom an negativen Gedanken wurde nur noch weiter von den Blicken beschleunigt, die uns die Leute zuwarfen, wenn er mich ausführte. Ich konnte die Missbilligung fühlen, allein durch die Gesichtsausdrücke und geflüsterten Kommentare, die in unsere Richtung geworfen wurden.

Wir wurden ganz klar als seltsam wahrgenommen.

Als ich endlich den Mut zusammennahm, meinen Mann mit dem Meer an Fragen, das in meinem Kopf herrschte, zu konfrontieren, war die Kombination aus Wut, Überraschung und Empörung, mit der er darauf reagierte, eindeutig. Es war ihm noch nicht einmal in den Sinn gekommen, dass Leute über uns urteilen könnten und war völlig entgeistert darüber, dass ich mich selbst als irgendetwas anderes als schön wahrnehmen konnte.

Und wisst ihr was? So klar das Bild zu sehen, das dieser Mann von mir hatte, der mein Fett nicht als ein Problem ansah, dass es zu überwinden gilt, sondern mich als eine begehrenswerte, schöne, liebevolle und unabhängige Frau sah, machte mir bewusst, dass ich viel zu viel Zeit darauf verschwedet hatte, mir darüber Gedanken zu machen, welche belanglosen Dinge andere über mich dachten, statt auf meine eigenen Gefühlen für meinen Körper zu hören.

Auch wenn unsere eigene Wertschätzung uns selbst gegenüber nicht von der anderer abhängen sollte, hilft es manchmal, wenn jemand anderes die ganzen negativen Dinge, die wir uns selbst einreden, aus unserem Kopf fegt, damit uns klar wird, wie absurd diese negativen Einbildungen eigentlich sind.

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Je mehr ich also meinem Selbstbewusstsein erlaubte, zu wachsen, desto mehr fand ich heraus, dass besagtes Selbstbewusstsein genau das war, wodurch ich mich sexy fühlte. Es lag nicht an Reizwäsche, Schmuck oder High Heels. Es lag an diesem sicheren Gefühl zu wissen, dass ich schön bin. Und dass ich selbst definiere, was dieses Wort für mich bedeutet.

In einer Gesellschaft, die davon profitiert, dass wir an uns selbst zweifeln, ist die Entscheidung, sich einfach selbst zu lieben, ein Akt der Rebellion.

Wenn Leute mich und meinen Mann sehen - ihn, den "gut aussehenden" Mann und mich, die "fette" Frau - wie wir uns gegenseitig unterstützen und unsere Liebe zur Schau stellen, stellt das Stereotypen in Frage. Klar, einige Leute mögen sich deswegen extrem unwohl fühlen. Aber wenn du dich nicht für deinen Körper schämst und sich dein Parter nicht für deinen Körper schämt, verstummen diese Stimmen der Außenstehenden sehr schnell.

Dieser Blog erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Nina Damsch übersetzt.

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