BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Burkhard Röhrig Headshot

Von der Industrie 4.0 Ökonomie und Gesellschaft 4.0 - ein Blick zurück nach vorne

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PEOPLE TOGETHER
Geber86 via Getty Images
Drucken

Im Rahmen der Diskussionen um eine Gesellschaft 4.0 stehen immer wieder Begriffe wie das bedingungslose Grundeinkommen im Vordergrund.

Das ist ein wichtiges Thema, zugleich wird dabei oft übersehen, wie wir Technologie nutzen können, um ein Mehr an Inklusion zu erreichen und eine Gesellschaft, die für alle lebenswert ist.

Dafür muss allerdings die Industrie 4.0 bzw. die Digitalisierung humanzentriert ausgerichtet werden, so wie wir es im Rahmen unserer Industrie 4.0 Human fordern - seit Anbeginn des Industrie 4.0-Projekts, u.a. 2015 in einem Beitrag für die Huffington Post. Jetzt sind wir noch mehr gefordert, ein noch größeres Bild der Zukunft zu zeichnen - idealerweise gemeinsam.


Industrie 4.0 - ein Blick zurück
Der Beitrag des Autors in der Huffington begann 2015 mit der Aussage:

Die Öffentlichkeit wird bei Digitalisierung und Industrie 4.0 hin- und hergerissen zwischen Blütenträumen der „Neuen Arbeit" / „Arbeit 4.0" und Schreckensszenarien von massenhaften Verlusten der Arbeitsplätze. Was in der Regel fehlt: eine klare Vision und aktive Gestaltung der „humanen" Seite der Industrie 4.0, bei der die Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern so abgestimmt werden, dass Mitarbeiter zum Erfolgsgaranten für Industrie 4.0 werden und vom Wandel profitieren statt Opfer der Revolution zu sein.

und weiter:

Wir ... sprechen dabei gerne von der „Industrie 4.0 Human". Wir glauben, dass eine klare Vision und aktive Gestaltung der „humanen" Seite der Industrie 4.0 notwendig ist, bei der die Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern so abgestimmt werden, dass Mitarbeiter zum Erfolgsgaranten für Industrie 4.0 werden und zugleich vom Wandel profitieren statt Opfer der Revolution zu sein.

Schon damals konnten wir aufzeigen, wie ein Win & Win durch Industrie 4.0 möglich wird, wenn der Mensch im Mittelpunkt der Gestaltung steht.

Im Jahr 2017 sind wir glücklicherweise schon weiter:

  • Das Team der Competence Site veröffentlichte auf unsere Initiative hin mit weiteren führenden Partnern wie KUKA, Pepperl + Fuchs, Endress + Hauser ... ein Competence Book Industrie 4.0 zur Partnerschaft von Mensch und Maschine in der Industrie 4.0
  • Professor Syska rüttelte mit seinem Vorwurf bzw. seinem Buch „Illusion 4.0" die Community wach und fordert wie immer mehr Köpfe der Community einen Pfad von einer Industrie 4.0 mit klarer Humanzentrierung hin zu einer Gesellschaft 4.0
  • Wir initiierten unser Industrie 4.0 Human-Portal und luden führende Experten wie Professor Syska ein, Ihre Sicht mit in den Diskurs einzubringen

Gesellschaft 4.0, Society 5.0, ... - endlich ein Blick nach vorne
Eine Blogparade der Huffington Post und der Competence Site zur Gesellschaft 4.0 wie auch der CeBIT-Fokus 2017, die Society 5.0 des Partnerlandes Japan, zeigt, dass die frühen Impulse mittlerweile in ein größeres Bild münden und immer mehr Menschen beschäftigt. Auch das renommierte Drucker-Forum beschäftigt sich 2017 mit dem Thema der Inklusivität.

Das ist gut so. Wie aber einst bei der Industrie 4.0 wird in der Öffentlichkeit das Thema verengt. Diesmal ist es nicht die dominierende Technologie, die den breiten Blick verhindert, sondern Schlüsselthemen wie das bedingungslose Grundeinkommen (BGE).


Alles BGE oder was? Wieder zu kurz gesprungen ...

Es wird wieder zu kurz gesprungen, wenn wir die Folgen der Digitalisierung nur finanziell kompensieren wollen. Ein menschenwürdiges Leben braucht die Möglichkeit, sich sinnvoll schöpferisch einbringen zu können. Natürlich kann das auch außerhalb „normaler" Arbeitsverhältnisse geschehen, aber nur Brot und Spiele alleine werden zu wenig sein.


Von der Industrie 4.0 Human zur humanen Ökonomie

Die Industrie 4.0 Human bzw. eine Ökonomie 4.0 human kann vielfältig inklusiv sein. Wie wir 2015 schrieben, gilt auch heute:

Industrie 4.0 heißt nicht, dass Maschinen Menschen ersetzen.
Die Produktionsarbeit wird sogar aufgewertet.

Und auch heute gilt:

„Aus Sicht der Mitarbeiter bietet „Industrie 4.0 Human" enorme Chancen. Sie kann den Mitarbeitern neue Spielräume eröffnen und Arbeit attraktiver werden lassen. Hier nur einige Hinweise in diese Richtung:

  • Industrie 4.0 ermöglicht die Selbstorganisation in kleineren Einheiten in hohem Maße. Selbstorganisation macht den Arbeitsalltag abwechslungsreicher und auch verantwortungsvoller. Ergebnis von Industrie 4.0 Human kann also die Schaffung von qualifizierten Arbeitsplätzen beziehungsweise die Aufwertung von Produktionsarbeit sein.
  • Dabei wachsen auch Aufgaben traditioneller Produktions- und Wissensarbeiter in der Industrie 4.0 weiter zusammen. Produktionsarbeiter übernehmen vermehrt Aufgaben für die Produktentwicklung.
  • Selbstorganisation bietet zudem eine flexiblere Antwort auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer in Richtung ihres Arbeitszeitmanagement. Mehr denn je ist es notwendig, nicht nur am Kunden-Markt, sondern auch am Arbeitnehmer-Markt flexibel zu sein. Hier entscheidet sich, welches Unternehmen die raren Fachkräfte für sich gewinnen kann.
  • In Zeiten des demografischen Wandels wird es notwendig und möglich sein, ältere Mitarbeiter, die über eine Menge Know-how verfügen, länger in das Berufsleben einzubinden. Dies ist zum Beispiel realisierbar, indem Abläufe genau auf die Möglichkeiten der Belegschaft abgestimmt werden. Ältere Arbeitnehmer profitieren also von der „Inklusion" in der „Industrie 4.0 Human" und werden nicht „zum alten Eisen"."

Gerade der letzte Satz zeigt, wie Technologie sogar ein Mehr an Inklusion ermöglicht und das nicht nur für Ältere. Denn gerade der Mensch steht doch im Zentrum der Digitalisierung. Er ist es, der diese Entwicklung betreibt und er verschafft sich damit eine Unmenge an Vorteilen. Nehmen wir das Beispiel Altenheim: Warum sollen Altenpflegerinnen und Altenpfleger körperlich schwere und gesundheitsschädigende Arbeiten wie das Heben und Umlagern von Patienten selbst verrichten, wenn Maschinen sie davon entlasten können?

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

Warum sollen sie ferner zeitaufwendige Routineaufgaben wie Pflegedokumentationen oder Tablettensortierungen manuell erledigen, wenn die Technik hier weitaus weniger fehleranfällige und sichere Lösungen bereit hält? Warum soll die Belegschaft in Altenheimen nicht von modernen Personaleinsatztools profitieren, welche mehr Zufriedenheit und Ausgleich schaffen?

Das Schönste und Beste an dieser Entwicklung ist jedoch: Es bleibt mehr Zeit für die soziale Betreuung der Bewohner. Das kommt heutzutage doch vielerorts zu kurz und wird immer wieder zu Recht beklagt. Der Einsatz von moderner (digitaler) Technik sorgt also für mehr Mensch, nicht für weniger. Es lassen sich noch zahlreiche weitere Beispiele benennen.

Genau das meinen wir mit Industrie 4.0 Human. Der Mensch wird sinnvoll unterstützt und erhält auf diese Weise mehr Kapazität für Sinnvolles. Technologie kann den Mitarbeiter generell empowern und ihn da stärken, wo seine Aufgabe körperliche oder kognitive Unterstützung erfordert.

Das geht z.B. so weit, dass auch bei eingeschränkter Qualifikation (z.B. Sprache bei Einwanderern) ein sukzessives Reinwachsen in die Tätigkeit möglich wird. Das lässt sich für die Digitalisierung der Ökonomie generell realisieren.

Eine digitale Gesellschaft muss nicht exklusiver sein
und nur Wenige bevorzugen, ganz im Gegenteil. Technologie kann zur Basis für eine inklusivere Gesellschaft werden!


Technologie als Lösung für die Inklusive Gesellschaft

Eine humanzentrierte Industrie und Ökonomie sieht den Menschen nicht in erster Line unter Effizienzaspekten als zu ersetzender Kostenfaktor, sondern vielmehr als Chance für eine immer höhere Qualität an Innovation, Service und Ko-Kreation.

Mit diesem Fokus sammeln wir Gleichgesinnte, um das große Bild wie auch die Lösungen dafür zu vervollständigen.
Wenn es dann am Ende noch ein BGE als Basis für die Existenzsicherung gibt um so besser. Darauf müssen wir aber nicht warten. Lassen Sie uns anfangen. Heute.

Ihr
Burkhard Röhrig

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffiPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.