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#NextMES - Produktionssteuerung im Zeitalter neuer Technologien und Paradigmen

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Liebe Leserinnen und liebe Leser,

„Digitalisierung", „IoT", „CPS" und „Industrie 4.0" gelten als die Zukunftsperspektiven für die Produktion. Klar ist auch, dass neue Technologien einen Wandel induzieren. Ansonsten ist vor allem sehr viel unklar. Dabei werden die Veränderungen massiv sein. Relevante Fragen sind hierbei u.a.

Wie sehen die neuen Produktionsparadigmen aus?

Welche Arbeitsteilung zwischen MES, ERP und Shop Floor zeichnet sich ab?

Welche Architektur, welche Sourcing-Strategien sind heute / morgen sinnvoll? Gilt Integration oder Kollaboration als Erfolgsmuster?

Welche weiteren Zukunftsentwicklungen werden durch IoT & Co angestoßen?

#NextAct: Was sind die nächsten Schritte für Fertigungsunternehmen?

Es freut uns, dass wir wieder das Who-Is-Who der MES-Branche für diesen Austausch zur Zukunft der Produktion gewinnen konnten.

Neues Paradigma im Zeitalter von Digital, Industrie 4.0 ...

„Digitalisierung", „IoT", „CPS" und „Industrie 4.0" gelten als die Zukunftsperspektiven für die Produktion. Klar ist auch, dass neue Technologien einen Wandel induzieren. Ansonsten ist vor allem sehr viel unklar.

Inwieweit sind heutige Paradigmen der Fertigungsindustrie mit Blick auf Industrie 4.0 noch gültig/anwendbar? Insbesondere soll sich die klassische Automatisierungspyramide auflösen. Aber wo sind die neuen Grenzen und wie ist die neue Arbeitsteilung zwischen Management und Shopfloor bzw. „ERP", „MES" und „Shopfloor"?

Burkhard Röhrig
Industrie 4.0 ist zu einem absoluten Trendthema geworden und es zeigt sich, dass das Zusammenspiel von Industrie 4.0, Big Data und IT-Sicherheit eine wichtige, zentrale Bedeutung hat. Ein sicherer Informationsaustausch entlang des gesamten Produktionsprozesses ist essentiell für die Akzeptanz und das Funktionieren von Industrie 4.0. Dies umfasst die Maschinen, deren Komponenten, aber auch die ausgetauschten Daten und betroffene Prozesse sowie beteiligte organisatorische Einheiten.

Auch MES-Systeme spielen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle. Denn MES kann im Hier und Jetzt die Brücke in die Zukunft bauen und als virtuelle Ebene zum Teil schon Konzepte vorwegnehmen, die essentiell für Industrie 4.0 sein werden. Ob es um die Vernetzung geht oder die Anreicherung von Produkten um ihre Produktinformation oder um die dezentrale Steuerung der Produktionselemente - MES kann jetzt schon oder bald emulieren, was für eine flexible Produktion der Zukunft notwendig ist.

Auf dem Weg zu Industrie 4.0 spielt IT-Unterstützung in der Fertigung eine zentrale Rolle. Um die Anforderungen zukünftiger Fertigungsprozesse abdecken zu können, werden neue Funktionen und Standards benötigt, die insbesondere die MES Anwendungen betreffen. Daher werden MES Systeme auch zukünftig unerlässlich sein. Da sind wir uns sicher.

Architektur und Sourcing für #NextMES
Durch den Wandel der Paradigmen stellt sich auch die Frage der Architektur und des Sourcing neu. Integrierte Gesamtsysteme und Single Sourcing / Single Vendor versus vernetzte Systeme und Best-of-Breed-Philosophie stehen sich gegenüber. Hier scheinen kollaborative Systeme / Plattformen die Lösungen für die Zukunft zu sein.

Hat sich aus Ihrer Sicht wirklich die Entscheidungsbasis für Fragen zu Architektur und Sourcing geändert? Was würden Sie Unternehmen raten, um zukunftsfähig zu sein? Wovon sind gegebenenfalls Entscheidungen für die eine oder die andere Alternative abhängig? Wo macht ein integriertes System Sinn, wo rechtfertigt der funktionale Vorteil von Best-of-Breed den Integrationsaufwand durch Schnittstellen etc.? Wie sehen die idealen Szenarien für die horizontale und vertikale Integration aus?

Burkhard Röhrig
Best-of-Breed bezeichnet den Ansatz, für jeden Anwendungsbereich von Enterprise Software die bestmögliche Lösung zu finden und zu integrieren. Diesen Ansatz unterstützen wir als MES-Anbieter.

Viele Unternehmen planen und steuern ihre Geschäftsprozesse mit ERP-Lösungen. Die Leistungsfähigkeit der ERP-Systeme hängt aber unter anderem von der Qualität und Aktualität der zu verarbeitenden Daten ab.

In diesem Kontext spielen MES-Systeme eine besonders wichtige Rolle. Die enge Verzahnung von ERP und MES sorgt für eine zeitnahe Bereitstellung qualitativ hochwertiger Daten.

Die Lücke zwischen Fertigung und der Management-Ebene wird damit geschlossen. Hierdurch wird eine maximale Transparenz auch für die dezentralen Bereiche erreicht. Bezogen auf die Kommunikation mit ERP-Systemen, werden die diesbezüglichen Standards durch die ERP-Hersteller vorgegeben. MES-Systeme, die quasi die Middleware darstellen, haben sich an diesen Standards zu orientieren, denn auch hier gilt: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit (vom Markt).

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Weitere Zukunftsentwicklungen wie IoT, UX
Einige technologische Innovationen wie IoT werden sicherlich noch an Bedeutung gewinnen. Auch neue Formen der User Experience (Gesture, Augmented Reality!) werden sich weiter ändern. Selbst Gamification Ansätze werden diskutiert.

Was sind Ihrer Meinung nach (wirklich) wichtige Zukunftsentwicklungen, die man als Anwender im Blick haben soll? Wo lohnen sich die Anstrengungen besonders?

Burkhard Röhrig

Der Einsatz neuer Technologien wird den technischen Service in den nächsten 5 Jahren stark verändern. Vor allem Machine-to-Machine-Kommunikation sowie der Einsatz von Apps und Serviceportalen werden als relevante Technologietrends wahrgenommen.

Wenn es stimmt, dass Daten und Informationen zu einem vierten Produktionsfaktor avancieren, stellt sich die Frage, wie die Wertschöpfungsarchitekturen und Geschäftsmodelle einer Industrie 4.0 aussehen werden.

Es spricht viel dafür, dass die Geschäftsmodelle im Verarbeitenden Gewerbe künftig stärker als heute vom Service getrieben sind. Denn durch Bereitstellung und Aufbereitung fertigungsbezogener Daten lassen sich gänzlich neue Service-Produkte entwickeln. Erhöhte Maschinenverfügbarkeit und eine signifikant erhöhte Prozessproduktivität in Kombination mit proaktiven Wartungskonzepten sind hier die Stichworte. Auch diese Themen sind nicht alle neu. Im Maschinen- und Anlagenbau haben führende Unternehmen schon heute entsprechende Service-Produkte und Condition Monitoring-Lösungen im Angebot. Die wenigsten Unternehmen jedoch verdienen damit Geld. Dies könnte sich im Zuge einer Industrie 4.0 verändern - vielleicht aber anders, als sich dies die Hersteller von Maschinen und Anlagen heute vorstellen.

Auch die Eingabesysteme der Zukunft werden sich gewaltig verändern. Das Senden von Fotos, Spracheingabe - ja sogar automatische Sprachübersetzung werden zum Alltag gehören.

#NextAct für #NextMES?

Bei aller Euphorie für Innovationen stellt man oft fest, dass die „Praxis" bei solchen Diskussionen abgehangen wird. Oft fehlen in der Praxis die Grundlagen für Innovationen oder es ist unklar, wie der eigene Fortschritt gelingen kann.

Wie bewerten Sie die Reife der Praxis für Innovationen wie Industrie 4.0 / MES 4.0? Wie können Unternehmen sich zukunftsfähig ausrichten, die heute noch Lücken in der System- und Kompetenzbasis (Prozesse, ...) aufweisen? Können Sie 1-2 Beispiele schildern, wo es „normalen" Unternehmen der Praxis gelungen ist, sich zukunftsorientiert auszurichten? Was waren Herausforderungen, was waren Erfolgsmuster, wie wurde vorgegangen, was wurde „neu" geschaffen mit welchem ROI?

Burkhard Röhrig
Ein wichtiger Schritt in Richtung Industrie 4.0 ist die Einführung und Nutzung von mobilen Endgeräten. Denn dadurch kann die Reaktionsgeschwindigkeit auf Veränderungen im Fertigungsprozess deutlich erhöht werden.

Die dazu benötigten Technologien - mobile ERP-, MES- und auch Workforce Management Lösungen - sind bereits vorhanden. Von diesen Startpunkten aus müssen sich die interessierten Unternehmen Schritt für Schritt an die eigene Vision von Industrie 4.0 im Unternehmen herantasten. Denn eigentlich ist die „Revolution Industrie 4.0" ein evolutionärer Prozess, der nicht von heute auf morgen zu bewältigen ist. Aber das ist kein wirkliches Novum, schließlich ist die bis dato erreichte Digitalisierung auch nicht über Nacht vom Himmel gefallen. Jede kleine Automatisierung, jede Einführung eines neuen, vernetzteren IT Systems, sogar die Ausrüstung des Außenpersonals mit mobilen Endgeräten - und sei es nur ein Smartphone - ist letztlich ein Schritt in Richtung Industrie 4.0. Die meisten Unternehmen haben diesen Weg längst eingeschlagen, auch wenn sie ihn vielleicht nicht unter dem Schlagwort „Industrie 4.0" gegangen sind. Sie machen es einfach.

Sie fragen nach Beispielen:
Nehmen Sie Firmen mit mehreren Werken. Diese lassen sich so vernetzen, dass Kapazitäten, die im Werk A gebraucht werden und dort fehlen, von Werk B aufgefangen werden. Der Nutzen besteht in erster Linie darin, Aufträge termintreu erledigen zu können.

Oder denken sie an die Verzahnung der Automobilhersteller mit ihren Zulieferbetrieben, etwa im Bereich der Logistik. Die Fahrzeugsitze der Zulieferer werden zum Beispiel bei dem Automobilhersteller vom LKW abgeladen und direkt in der benötigten Produktionsreihenfolge an das Band befördert. Die Netzwerkstruktur der Branche betrifft aber auch die Zusammenarbeit von Projektteams oder die wirtschaftliche Wiederverwendung von Baugruppen.

Natürlich reden wir hier von der Großserienfertigung. Deren Anforderungen unterscheiden sich von denen eines Sondermaschinenbauers, der in Losgröße 1 fertigt. Trotzdem gehe ich davon aus, dass sich viele Methoden der Automobilindustrie auch in Branchen wie dem Maschinenbau etablieren werden.

#NextAct-Initiative: Books, Medien, Events, ... eigene Pläne

Damit die Zukunftsfähigkeit Deutschlands gelingt, müssen möglichst viele für den Wandel gewonnen werden. Wir werden mit unseren Partnern durch Competence Books, Multiplikation in diverse Medien und ein #NextAct-Event zur Transformation beitragen und dabei auf die Vernetzung der Community wie auf die Vernetzung mit anderen Initiativen setzen. Kollaborativ muss der Wandel zur Kollaboration gelingen!

Wo sehen Sie Ansätze, damit dass Transformationswunder Deutschland, insbesondere Industrie 4.0, ... gelingt? Wie zufrieden sind Sie mit den bisherigen Transformations-Ergebnissen? Was sind Ihre eigenen Pläne für die kommenden 12 Monate und darüber hinaus, um sich selbst und Ihre Kunden zu transformieren?

Burkhard Röhrig

Auch beim VDMA genießen diese Themen eine entsprechende Aufmerksamkeit. Schon viele Jahre begleitet der VDMA Arbeitskreis MES die Standardisierung von Kennzahlen, die Zukunftsinitiative Industrie 4.0 wird gemeinschaftlich von VDMA, BITKOM und ZVEI getragen.

Deswegen ist es für mich, als Vorstandsvorsitzender des VDMA Fachverbands Software, eine wichtige Aufgabe, diese Themen mit zu begleiten. Dabei werden wir natürlich auch die angehenden Themen, wie z. B. die weitere Normung von MES und deren Kennzahlen, auf ihrem Zukunftsweg unterstützen.

Darüber hinaus spielt das Thema Sicherheit eine große Rolle: Ein sicherer Informationsaustausch entlang des gesamten Produktionsprozesses ist essentiell für die Akzeptanz und das Funktionieren von Industrie 4.0. Dies umfasst die Maschinen, deren Komponenten, aber auch die ausgetauschten Daten und betroffene Prozesse sowie beteiligte organisatorische Einheiten.

Wir von der GFOS und vom VDMA versuchen durch das Bereitstellen von Informationen und durch das Beraten in diesem Themengebiert unseren Beitrag zu leisten.

Darüber hinaus bieten wir als IT-Unternehmen natürlich auch ganz praktisch Werkzeuge, die Unternehmen auf ihrem Weg zu Industrie 4.0 (Human) unterstützen sollen. Denn Technologien wie Workforce Management Systeme und Manufacturing Execution Systeme erlauben es, die Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern in der Industrie 4.0 als neue Kompetenzpartnerschaft zu harmonisieren.

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Lesenswert:

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