Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Burkhard Jung Headshot

Der dumpfe Hass ist kaum noch zu ertragen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
POPULISMUS
dpa
Drucken

Eine Studie der Bundesregierung warnt vor gesellschaftlichen Verwerfungen angesichts von Rechtsextremismus in Ostdeutschland.

Hat sie mich überrascht?

Offen und ehrlich: Nein. Ganz im Gegenteil. Ich erlebe oftmals eine Situation der Angst. Viele Menschen haben ein Gefühl der fehlenden Sicherheit, des Ausgeliefertseins. Manche fühlen sich abgehängt oder / und fürchten Verteilungskämpfe mit ausländischen Mitbürgern.

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass manch einer meint, sich endlich nach Jahren der Unsicherheit und Veränderung eingerichtet zu haben. Nach dem Motto: Jetzt geht's uns gut, jetzt reicht's mit Veränderungen.

Und diese Gefühle und Haltung reichen hinein bis in Unternehmerkreise, die mit geschlossenen Grenzen sympathisieren. Eine absurde Sehnsucht einer Gruppe, die ausgerechnet von offenen Grenzen profitiert.

Ein Teil der Bevölkerung ist leider nicht im Jahr 2016 angekommen. Sie ist teils gewaltbereit und aggressiv. Und es ist unerträglich, dass wir uns fast daran gewöhnt haben - an brennende Asylbewerberheime, Hetzjagden und Aufmärsche. Hinzu kommt ein extrem gewaltbereites linkes Spektrum, das Autos anzündet und Anschläge auf Parteibüros verübt.

All das verurteile ich. Und gegen all das kämpfe ich.


Deswegen habe ich eine Botschaft an alle Menschen, die in Westdeutschland leben: Hört auf, den Osten pauschal zu verurteilen. Schaut genau hin und stärkt diejenigen, die jeden Tag gegen das kämpfen, was ihr kritisiert.

Ich meine die vielen Ehrenamtlichen, die in den Flüchtlingsheimen und Tafeln helfen. Jene, die in unserem Bündnis mit den Kirchen, Verbänden, Kammern und der Wirtschaft gegen Rechts kämpfen.

Oder der junge Mann, der mir vor wenigen Tagen auf einer Ehrung von 300 neuen Handwerksmeistern begegnet ist. Man trägt dort eigentlich Anzug oder Tracht. Aber er kam mit einem T-Shirt auf die Bühne. Darauf stand: Kein Mensch ist illegal. Und er sagte energisch: "Ich habe keine Lust mehr auf das, was in Bautzen passiert!"

Solche Leute brauchen wir.

Wir brauchen Leute, die in Sportmannschaften, bei Stammtischen und Volksfesten aufstehen und sagen: So nicht! Wir müssen alle Kräfte mobilisieren. Auch jene, die sich noch nicht zu Wort melden und noch nicht auf die Straße gehen. Macht deutlich, dass ihr weltoffen, tolerant und demokratisch seid.

Wir müssen mit großen Gefühlen antworten.

Denn mit Fakten kann man nicht mehr punkten. Der dumpfe Hass ist kaum noch zu ertragen. Er macht mich wütend und sprachlos. Ich kann mit jenen, die Menschen bespucken, sie verachten und Gewalt anwenden nicht mehr sachlich reden.

Dazu stehe ich - und das ist in der Demokratie auch nötig. Sie kann nicht mit reiner Sachlichkeit funktionieren, sie hat Grenzen des guten Geschmacks. Nur so können wir unsere humane Gesellschaft bewahren. Und ich bin optimistisch, dass uns das gelingt.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.