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Wenn meine Abschiebung vollzogen ist, werde ich sterben - das ist sicher

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FAMILIE T
Burim T
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Ich sitze in einer Containerbau am Westpark in Ingolstadt. Unsere Wohnung - wenn man das so nennen kann - liegt zwischen zwei Hauptstraßen auf einem Grünstreifen. Bewacht von kantigen Securitybeamten, isoliert von der Außenwelt, nur durch eiserne Drehkreuze zu erreichen, mit einem hohen Zaun rundum.

Ich komme aus dem Kosovo. Seit anderthalb Jahren bin ich in Deutschland - mit Unterbrechungen. Am 4. Februar 2015 kam ich am Münchener Bahnhof an. Das weiß ich noch ganz genau.

Jetzt - fast 20 Monate später - soll ich abgeschoben werden. Zusammen mit meiner Familie, meiner kranken Frau, meinem 9 Monate altem Sohn und meiner zweijährigen Tochter. Zurück in den Kosovo. Wo ich sterben würde - das ist sicher.

Keine 24 Stunden würde ich in meiner alten Heimat überleben. Ich bin in einen Fall von Blutrache verwickelt. Eine andere Familie will mich und meine Familie auslöschen.

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Im Kosovo gewährt mir niemand Schutz. Staat, Politik, Polizei? Alle korrupt. Die Menschen dort nehmen ihr Recht selbst in die Hand. Wie in einem texanischen Western.

Obwohl ich meine Situation immer wieder erklärt habe, soll ich abgeschoben werden.

Also sitze ich hier in Deutschland und warte. Warte, dass etwas passiert. Meine Frau hat ein Gutachten vom Gesundheitsamt. Eigentlich darf sie nicht abgeschoben werden. Denn sie leidet an posttraumatischen Störungen, seit sie mit ansehen musste, wie ein Mann im Kosovo ihren Vater erschoss. Sie selbst wurde damals verletzt.

Die Fachärztin bezeugt: Eine Rückkehr in die Heimat würde ihren gesundheitlichen Zustand weiter verschlechtern. Dennoch will man uns loswerden. Die Regierung will ein neues Gutachten anfordern. Noch immer läuft das Gerichtsverfahren um unsere Rückführung.

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Niemand versteht: Wir können nicht zurück. Zwar gilt der Kosovo als sicherer Herkunftsstaat, doch das ist nichts weiter als eine Floskel.

In Deutschland interessiert sich niemand für unser Schicksal

Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll. Die Politik? Ich bin kein politischer Mensch. Ich kam nur nach Deutschland, weil ich hoffte, hier Sicherheit für meine Familie zu finden. Doch hier interessiert sich niemand für mein Schicksal.

Bereits bei meiner Ankunft merkte ich, dass wir nicht willkommen waren. „Wir sind nicht die Retter der ganzen Welt": Das waren die Worte, mit denen uns ein Polizist am Münchener Bahnhof bei der Registrierung empfing.

Ich habe nur gedacht: „Dieser Mann ist verrückt." Heute glaube ich, dass wie er wohl viele Deutsche denken.

Und so bliebt uns nichts, als zu warten. Die Situation wird immer schlimmer. In dem Abschiebelager bekommen wir drei Mal am Tag etwas zu essen. Doch das Essen ist schlecht. Geld bekommen wir keines. Außer den 30 Euro, die uns die Caritas monatlich zur Verfügung stellt.

Wer Schutz braucht, sollte ihn bekommen

Unser Zimmer lässt sich nicht abschließen, genauso wenig die Duschen. Die Security durchsucht immer wieder unser Zimmer.

Außer uns sind hier fast nur Ukrainer untergebracht. Es gibt eine Kinderbetreuung, zwei Stunden am Tag - aber nur auf Ukrainisch.

Ich verstehe das alles nicht. Ich finde: Wer Schutz braucht, sollte ihn bekommen. Die allermeisten Menschen, die nach Deutschland kommen, wollen nichts Böses. Sie wollen nur leben.

So wie wir.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung der Bayerischen Ärzteinitiative für Flüchtlingsrechte ermöglicht. Helft Burim und seiner Familie in Sicherheit zu bleiben - unterstützt die Petition auf Change.org.

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