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Stellvertretend für alle gut integrierten Türken sage ich: Danke Deutschland!

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INTEGRATION
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Viele Menschen in Deutschland haben den Eindruck, dass nahezu alle Türken Deutschland gegenüber abgeneigt sind. Das ist auch kein Wunder. Denn in deutschen Medien wird fast ausschließlich über genau diese türkischen Bürger berichtet, die sich eben sehr schlecht integriert haben.

Ich kann den Teil der Türken, die Deutschland hassen, nicht verstehen. Noch weniger kann ich nachvollziehen, dass gut integrierte Türken kaum Beachtung in deutschen Medien finden, obwohl es gerade jetzt der richtig Zeitpunkt wäre, genau diesen Menschen eine Stimme zu verleihen.

Dabei geht es nicht um Politiker, die im Landtag oder Bundestag sitzen, sondern um die einfachen Bürger aus dem Volk. Durch die Medien entsteht die Wahrnehmung, als wären die gut integrierten türkischstämmigen Menschen in Deutschland klar in der Unterzahl.

Ich möchte mich beim deutschen Staat bedanken

Das ist für diese Bürger ein Schlag ins Gesicht. Ich gehöre zu ihnen und möchte mich, als jemand, der die Türkei und die türkische Flagge liebt, beim deutschen Staat bedanken.

In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, die Türken in Deutschland daran zu erinnern, woher sie kommen und unter welchen Bedingungen Menschen in ihrem Heimatland leben. Denn mit dem freiheitlich demokratischen Leben hier, hat das nicht so viel zu tun.

Die Lebensumstände hier haben meine Landsleute, meine Familie und mich nachhaltig positiv beeinflusst. Zu behaupten, das Leben in der Türkei sei besser, ist unfair und heuchlerisch.

Mein Opa hatte es nicht leicht. Er musste sein Heimatland verlassen, um der Familie ein Einkommen zu gewährleisten. Er hatte nie die Chance seine ganze Familie in das Zielland Deutschland mitzunehmen. Das war in den 60 Jahren. Mein Großvater kam mit dem Ziel hierher, sich später in der Türkei eine Existenz aufbauen zu können.

Die Rückkehr war geplant. Doch es kam alles anders. Auch mein Opa konnte sich damals nicht vorstellen, dass seine Enkel in der 3. Generation in Deutschland ein Bestandteil dieser Gesellschaft sein würden, dass sie sich eine Existenz aufbauen. Sicherlich gab es auch für mich Momente im Leben, die mir das Gefühl gaben, diskriminiert zu werden.

Ich habe sehr viel Glück gehabt

Erfahre ich aber wie es Menschen rund um den Globus geht und, dass Flüchtlinge ihr Leben aufs Spiel setzen, um in dieses Land zu kommen, wird mir bewusst: Ich habe sehr viel Glück gehabt.

Glück, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin. In einem der demokratischsten und wirtschaftsstärksten Länder der Welt. Gerade deswegen möchte ich Deutschland "Danke" sagen.

Mehr zum Thema: Ewiger Identitätskonflikt: In Deutschland die "Ausländerin", in der Türkei die "Deutsche"

Danke Deutschland, dass du es meinem Opa ermöglicht hast, hier eine Arbeitsstelle zu finden. Damit hast du ihm und seiner Familie ein Leben in Würde ermöglicht. Ohne diese Möglichkeit hätte die Familie meines Vaters nicht einen so hohen Lebensstandard in der Türkei gehabt.

Mein Opa kannte weder die Sprache, noch kannte er die hiesige Kultur. Andererseits hatte Deutschland nach dem 2. Weltkrieg kaum Erfahrungen sammeln können, wie die Migranten am idealsten zu integrieren seien. Dennoch wurde aus dieser Zweckgemeinschaft auch ein Stück weit Liebe. Ich höre meinem Großvater gerne zu, wenn er aus dem Deutschland der 60er und 70er erzählt.

Und wenn er es tut, dann immer mit einem Lächeln und leuchtenden Augen. Momente, in denen ich meinem Opa sehr gerne zuhöre und merke, dass auch das damalige Deutschland, ohne Integrationskurse und Integrationsbemühungen, ein tolles Land gewesen ist.

Danke für deine Willkommenskultur

Danke, dass durch deine Willkommenskultur, gepaart mit deiner Wirtschaftskraft, auch meine Eltern nach Deutschland gezogen sind. Dass sie einen Lebensstandard vorgefunden haben, der sie dazu bewegt hat, hier zu bleiben. Ihre Arbeit, ihre Nachbarn und die Vereine, in denen sie aktiv gewesen sind, haben sie positiv geprägt und sie zu gut integrierten Bürgern dieses Land gemacht.

Danke, dass ich durch Erfahrungen und Ausbildung in der Politik, in Vereinen oder in der Schule sehr sensibel bezüglich Menschenrechtsverletzungen bin.

Dass, dass ich durch die Ausbildung und Erfahrungen in der Schule, in Vereinen oder der Politik so sensibel bezüglich der Menschenrechte geworden bin.

Ich habe erkannt, wie wichtig es ist, Grundrechte zu achten und allen Menschen mit dem selben Respekt zu begegnen. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar.

Auch, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, die Todesstrafe abzuschaffen, während sie in zahlreichen entwickelten Demokratien immer noch vorhanden ist. Es macht mich stolz in einem Land zu leben, das genau dies geschafft hat.

Es macht mich stolz, in einem Land zu leben, in dem die Todesstrafe abgeschafft wurde. Immerhin gibt es noch zahlreiche entwickelte Demokratien, bei denen das noch nicht selbstverständlich ist.

Und obwohl in vielen muslimischen Ländern Religionsfreiheit ein Fremdwort ist, wird auch diesen Menschen in Deutschland das Recht, den Glauben frei auszuüben, gewährleistet.

Während in der Türkei alle Kinder und Jugendliche den staatlichen Religionsunterricht besuchen müssen, habe ich in Deutschland selber entscheiden dürfen, ob ich am christlichen Religionsunterricht teilnehmen möchte oder nicht. Mir diese Freiheit einzuräumen, das weiß ich sehr zu schätzen.

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Ich bin Dir unendlich dankbar, dass du mir nicht nur in guten, sondern auch in schweren Zeiten geholfen hast. Zeiten, in denen ich krank gewesen bin und miterleben konnte, wie sich deutsche Ärzte und Krankenschwestern sorgenvoll um mich gekümmert haben. Momente, die für mich nicht leicht waren.

Gerade in diesen schwierigen Phasen habe ich bemerkt, wie glücklich ich eigentlich sein kann, dass ich in einem Sozialstaat wie Deutschland lebe. Es gibt Länder auf diesem Planeten, in denen hätte ich das nicht überlebt.

Ich konnte als erster in meiner Familie studieren

Ich bin Deutschland dankbar, dass ich einen tollen Kindergarten in meinem Heimatdorf Böhringen besuchen durfte. Wenn ich heute daran vorbeifahre, weiß ich noch, wie schön diese Zeit gewesen ist. Hier habe ich viele Sandkastenfreundschaften aufgebaut, die ich heute noch pflege.

Ohne meine positiven Erfahrungen im Kindergarten und in der Grundschule hätte ich sicherlich nicht die Chance erhalten, das Abitur zu absolvieren und danach zu studieren - als erster in meiner Familie. Ich habe eine hochwertige Ausbildung genossen - und das kostenlos.

Ich schätze das sehr. Wenn ich sehe, dass zahlreiche Kinder aus Arbeiterfamilien keine Chance haben, zu studieren, bin ich dem Land, das mir diese Gelegenheit gegeben hat, mehr als dankbar.

Danke, dass ich die Chance erhielt, beim Deutschen Fußball-Bund, dem größten Fußballverband der Welt, die UEFA B-Lizenz, den Trainerschein, zu absolvieren. Für viele Fußballbegeisterte rund um den Globus ist das ein Traum. Ich konnte diesen verwirklichen.

Dass ich derzeit meine Promotion absolviere, hätte ich als Jugendlicher nicht für möglich gehalten. Zu weit war dieser Wunsch entfernt. Diesen Traum erfülle ich mir.

Natürlich durch meinen eigenen Fleiß. Aber auch mit Hilfe vieler Lehrer, Professoren und Mitschüler. Wenn ich mich daran erinnere, dass meine Mutter nicht aufs Gymnasium gehen konnte, weil ihr Schulweg zu weit gewesen ist, dann weiß ich, was ich an Deutschland schätze.

In Deutschland zu leben, macht mich glücklich

Ich danke Deutschland, dass es offen mit seiner eigenen Geschichte umgeht. Daran habe ich erkannt, dass eine ehrliche, selbstreflektierende Betrachtung ein Zeichen von Stärke ist.

In einem Land aufzuwachsen, das diesen Prozess durchgemacht hat, ist für mich etwas ganz Besonderes. Die Anzahl der Nationen, die so offen mit ihrer Geschichte umgehen, ist sehr gering. Nicht die Gräueltaten aber der ehrliche und schuldbewusste Umgang mit den Ereignissen im 20. Jahrhundert, machen mich glücklich.

Danke, dass ich viele Menschen aus unterschiedlichen Volksgruppen kennenlernen durfte. Freunde, die als politische oder wirtschaftliche Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Aus Tunesien, Mexiko, Marokko, Kroatin, aus dem Kosovo, aus Italien, aus Bosnien, aus Kenia oder Türkei. Die Liste ist unendlich lang.

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Durch das Einwanderungsland Deutschland, habe ich Menschen aus aller Welt kennengelernt. Menschen mit unterschiedlichen Schicksalen, Kulturen, Lebensgewohnheiten oder Sprachen.

Menschen, die geflohen sind, weil sie gefoltert wurden, weil sie unterdrückt wurden oder weil sie nichts zu Essen hatten. Menschen, die glücklich und dankbar sind, hier leben zu dürfen. Menschen, die gut integriert sind und nicht auffallen.

Unendlich dankbar bin ich Deutschland, dass es dem größten Teil der Menschen egal ist, ob ich schwarz oder weiß bin, ob ich Muslim oder Christ bin, ob ich Türke oder Deutscher bin. Dadurch habe ich gelernt, dass auch mir das egal ist.

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