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Wohin mit Königsberg?

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KOENIGSBERG
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„ Wohin mit Königsberg"

Was war sein Anliegen. Allein die Tatsache, dass alle Waffen aus einer Region entfernt werden, ist noch lange keine Garantie für Frieden. Es muss noch etwas mehr hinzukommen. Etwas was in unseren Köpfen steckt, denn den Sinn für den Frieden hatten wir geerbt. Es ist ein Gefühl das uns Gott gegeben hatte. Wir müssen es nur kultivieren.

Solang die Völker in totalitären Gesellschaftsordnungen lebten war auch immer der Staat der Garant für Sicherheit und Ordnung. Gleichwohl hatten die Völker unter der Willkür so mancher machtbesessener Staatsmännern gelitten. Auch unsere westlichen Zivilisationen weisen hiernach erhebliche Defizite auf. Wir müssen die Völker vor unverantwortlichen, machtgeilen alten Staatsmännern schützen. Um dies zu ermöglichen wäre so etwas wie ein Schutzraum für Völker notwendig, einen Raum wie es das Baltikum ist, ein Raum in dem sich unser gesellschaftliches Zusammenleben frei entfalten kann. Es wäre eine riesige Chance der Zivilisationsfalle zu entkommen.

Bruno wollte eine neue Gesellschaftsordnung gründen. Nicht irgendeine Partei oder Vereinigung, nein, es sollte eine neue Gesellschaft werden. Eine Gesellschaft, die auf die Freiheit als oberstes Prinzip baut. Frei heißt, frei von jeglicher staatlicher Repressalie zu sein. An die Stelle von Beamten treten Führungspersönlichkeiten des täglichen Lebens in den Vordergrund. Die Macht wird nur zur Meisterung der Aufgabe und nur dafür beschränkt der Führungspersönlichkeit anvertraut. Damit trägt sie ganz allein auch die volle Verantwortung für das Gelingen. Sie alleine schafft das nötige Vertrauen. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind Güter die immer aufs Neue Erarbeitet werden müssen.

Die Liebe zu den Menschen stellt den Grundpfeiler seiner Ordnung dar. Nicht die Macht steht im Vordergrund sonder viel mehr die Fähigkeit die Dinge zu erledigen, sie anzupacken, die anderen mitzureißen, den Weg aufzuzeigen. Der Staat behält nur seine Schutzfunktion gegen das Unrecht inne, nur dafür setzt er Polizei und Armee ein.

Entscheidend ist nicht das was wir sind, sondern das wie wir es tun. Was auch immer wir tun, es muss aus vollem Herzen kommen, wir müssen alles geben. Das ist auch die alles bestimmende Grundregel dieser Gesellschaft.

Das Land in dem es passieren wird, war das alte Siedlungsgebiet seiner Urahnen.

Heute bewohnen es in erster Linie die Nachkommen der Sieger. Die Zeit ist an ihnen vorbeigegangen. Es ist die russische Exklave Oblast Kaliningrad. Ihre politische und wirtschaftliche Stellung hatte über Jahrzehnte das Militär geprägt. Nach der geographischen Abtrennung vom Mutterland Rußland sind erhebliche wirtschaftliche wie auch politische Verwerfungen offen zu Tage getreten. Das Land braucht dringend neue Konzepte.

Wie viel Putin braucht die Oblast Kaliningrad?

Die Stadt Kaliningrad war nicht schön, nur ihre Lage so nahe am Haff. diese war hervorragend.
Und auch der Flugplatz selbst lag recht trostlos und verlassen da.

Bruno Nahm am Flugplatz ein Taxi, bezahlte es in Euro und ließ sich direkt vor das Wirtschaftsministerium vorfahren. Er wurde abgeholt und direkt zum Minister Lapin geführt. Sie hatten einen Dolmetscher mitgeschickt.

Als Lapin merkte das Bruno ausgezeichnet russisch sprach, redeten sie frei ohne Dolmetscher miteinander.

Er lud ihn spontan zu sich nach Hause ein.

Es war wirklich nicht gelogen. Es war ein Traumgipfel.

Lapin bewohnte ein Palast, der es mit Sanssouci aufnehmen konnte. Alles war prächtig, selbst die Stühle. Sie waren mit Bernstein besetzt. Am nächsten Tag erwartete man weitere Persönlichkeiten. Selbstverständlich blieb er über Nacht in Lapins Haus. Ein gemeinsames Gespräch war mit den Amis geplant.

Bruno war von dem bisher geschehenem so überwältigt, dass ihn eigentlich nichts mehr hätte umhauen können, doch das war noch nicht alles. Es war wirklich Larry M. Summers der da erwartet wurde.

Sie begegneten sich, sie schauten sich in die Augen und umarmten sich wie alte Verwandte.
Die Chemie stimmte einfach. Sie brauchten nicht viele Reden, sie verstanden sich einfach auch ohne Worte.

Wahrscheinlich sprachen aus ihnen die alten längst vergangenen Gene ihrer Urahnen. Sie spürten, dass etwas Neues geboren wird und dass sie dieser Geburt beiwohnen dürfen.

Und so musste es gelingen und Bruno fühlte eine große Freude gleichsam einer Mutter die ihr Kind unter dem Herzen trägt.

Mit Larry hatten sie einen Plan entwickelt. Die Altstadt sollte gänzlich neu aufgebaut werden. Das heißt die alten Gassen mit den vielen kleinen Lädchen und Bars, die einst das Hafenviertel prägten würden zurückkommen.

Die gestammte Infrastruktur verlegten sie unter die Erde, auch die Autos samt Verkehr. Der Plan war einfach genial. Oben sollten übergreifend Grünanlagen und Fußgängerzonen verlaufen. Die Altstadt hatte ihr wunderschönes Fachwerkantlitz aus der Vergangenheit wieder bekommen.

Das Fußball-Stadion verlagerten sie nach außerhalb. Allesamt sollten etwas vom Aufschwung abbekommen.

Ihr Plan war kostspielig aber machbar. Alles würden die örtlichen Handwerker selber machen können. Betonstahl-Kolosse sollten überhaupt nicht entstehen, die aus der Sowjetzeit übrig gebliebenen Altlasten mussten weichen. Asphalt und Betonstrassen durften nur in ganz speziellen Fällen und dies fast ausschließlich stark abgeschottet unterhalb von Lebensräumen verlegt werden. Trockenlegung, Abcholzung und jegliche Einengung natürliche Bereiche wurde untersagt. Das alte sollte mühevoll wieder aufgebaut werden. Auch die sowjetischen Wohnhäuser sollten rundum modernisiert werden. Wenn möglich auch ein neues Gesicht erhalten.

Die Russen hatten sich lange gegen den Plan gewehrt.

Russland hatte die Fußball-WM 2018 bekommen. Kaliningrad war als Austragungsort dabei.
Man hatte große Hoffnungen. Endlich würde die Stadt aus dem Schattendasein heraustreten. Putin hatte den Plan ein riesiges Stadion ganz im Zentrum zu bauen. An den Flanken sollten zwei mächtige Autobahnen verlaufen.

Sie wollten nach alter Manie riesige Prunkpaläste aus Glas und Stahlbeton und am liebsten mit den Chinesen gemeinsam bauen. Es kostete unheimlich viel Kraft sie endgültig davon abzuhalten. Putin selbst hatte den Plan entworfen. Es sollte ein zweites Sotschi entstehen, nur noch ein wenig größer und protziger. Das Ganze wirkte eher wie eine Bedrohung; das Stadion gleichsam einer harten Nuss, die in den Autobahnflanken wie mit der Zange eines Nussknackers zerdrückt werden muss. Es war schwierig mit Putin vernünftig darüber zu reden. Allerdings war auch er am Ende an einer langfristigen Lösung interessiert. Was war schon Olympia wert? In wenigen Tagen ist alles vergessen, was kommt danach? Im Grunde wollte auch er etwas Nachhaltiges schaffen. Eine Freihandelszone war auch in seinem Interesse. Diese Idee war ihm selbst, schon viel früher gekommen. Zu jener Zeit waren die Europäer viel zu Arrogant, sie hatten ihn abgewiesen. Damals lag Russland am Rande seiner wirtschaftlichen Existenz. Niemand wollte nur einen Cent in die marode Wirtschaft investieren. Den jungen KGB-Kader hatte keiner im Westen ernst genommen. Warum auch, die Weltmacht Russland war nur noch Schrotwert. Die Flotte mit den legendären Atom-U-Booten lag in Murmansk auf Reede. Aus den alten Atom-Reaktoren ergoss sich Uran und Plutonium in die Umwelt und drohte das ganze arktische Meer zu verseuchen. Nun hatte sich das Blatt gewendet. Man war froh Russland in einem Boot zu haben.

An Stelle von Flugzeugpatrouillen und Atomraketen sollten Friedenstauben fliegen.

Die zuvor Aufgrund von wirtschaftlichen Sanktionen gesperrten Geldhähne könnten frei Abfließen.
Das würde einen nie dagewesenen Wirtschaftsboom auslösen.

Summers setzte auf die hiesige Wirtschaft.

Mit der Zeit würde die ortsansässige Wirtschaft soviel Eigendynamik entwickeln, dass sie sich nichts mehr von den globalen Riesen diktieren lassen würden. Die hiesigen Bürger sollten mit ihren Aufgaben wachsen. Ihr Selbstbewusstsein könnte so immer größer werden und dann würden sie ein eigenen Wirtschaftsrat wählen, der ihre Interessen auch wahrlich vertritt.

Die kleinen Lädchen in den alten Gassen sollten die Tourristen förmlich ansaugen. Gaststätten und Hotels wüchsen wie Pilze nach dem warmen Sammersregen aus dem Boden.

Das Gewerbe wäre das Rückgrad der Region. Nur die ortsansässigen Handwerksbetriebe dürften Zuschläge erhalten.

Als der höchste Bänker bestimmte nur Larry die Spielregeln. An ihm würde nichts vorbeigehen.
Seine Vorgaben wären absolut einzuhalten. Kein anderer Wirtschaftsbereich ist so dynamisch und auch so gründlich erforscht wie der unserer Finanzen. In den letzten Jahrzehnten ist sehr viel Wissen dazu gekommen.

Keine andere Welt ist heute so stark determiniert wie die der Finanzwelt. Riesige Rechenzentren mit tausenden an Mathematikern bestimmen heute das Bild der Märkte. Bruchteile von Sekunden entscheiden über Milliarden von Dollar an Gewinnen oder Verlusten.

Längst hat sich der göttliche Ansatz von Euler zu einer Umfassenden Wissenschaft entwickelt. Zu schade, dass Hans-Dieter so früh von uns gegangen ist, gewiss hätte er seine Freude an dieser Welt gefunden.

Vielleicht wäre ihm der äußerst schwierige Ansatz für eine Determinierung der Politik gelungen. Bekanntlich ist gegen soviel menschliche Dummheit noch kein Kraut gewachsen.
Bruno war auf dem Gipfel seine Träume angekommen.

Gemeinsam mit allen Akteuren setzten sie ihre Ideen ins Leben.

Nicht bei allen stießen sie auf Wohlgefallen. Die hiesige Olegarchie war dagegen. Sie fanden Putins Plan besser.

Sie organisierten eine Gegenbewegung. Zum Glück hatte man Putin rechtzeitig ins eigne Boot geholt. Der Nationalismus fand nicht genügend Nährboden. Es war dennoch sehr schwer, alle Konzepte umzusetzen.

Bruno musste sich schon sehr stark ins Zeug legen. Es kostete ihn sehr viel Kraft. Vieles konnte er weitergeben. Er maßte es nur einfach loslassen. Die jungen Leute würden es schon machen. Sie waren begeisterte Anhänger von Immanuel Kant, der einstmals hier gelebt hatte und dessen Gedanken sie nun prägten.

Er bekam dafür den liebevollen Spitznamen: „kuda Königsberg" was soviel wie„wohin mit Königsberg" bedeutet. Den Namen Kaliningrad wollten sie beibehalten, denn schließlich war es seit Jahrzehnten ihr Zuhause.

Er war bei Obama im Weißen Haus zum Truthahnessen. Von Putin bekam er ein Gewehr aus dem ersten Weltkrieg, eine original Mosin-Nagant geschenkt. Die Polen und die Deutschen buhlten um seine Herkunft und überhäuften ihn mit Dr.-Würden. Zuweilen feierten sie Bruno wie einen sehr nahen Verwandten. Er fühlte sich mit ihnen verbunden, denn auch seine Vorfahren stammten aus der gleichen Region. Er empfand eine Tiefe Liebe für all diese Menschen. Er fühlte sich für sie verantwortlich. Er fühlte mit ihnen, gleichsam mit allen gemeinsam eine tiefe Geborgenheit.

Mit der Zeit entwickelte das Leben eine andere Dynamik. Das Wichtigste waren jetzt die Familien. Unter dem Einfluss des milden Klimas blühten die Familien auf. Den Glauben an das Gute im Menschen hatten sie wiedergefunden. Sie pflegten und entwickelten ihr Brauchtum. Die neuen gesellschaftlichen Veränderungen hatten die Familienbande auf eine ganz natürliche Weise gestärkt. Die Ängste um ihre Zukunft waren gewichen. Dafür ist die Fürsorge als gesellschaftliche Kraft in den Fordergrund gerückt. Jetzt waren die Kinder und das Wohlergehen der Alten das Wichtigste im Leben.

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