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Das Vermächtnis

28/03/2016 15:58 CEST | Aktualisiert 28/03/2017 11:12 CEST
Kasiam via Getty Images

Das Leben spielt sich in stark ineinander verwobenen Netzwerken ab. Alles ist aufeinander abgestimmt. Der geringste falsche Ton verursacht im Gesamtbild einen riesigen Missklang. Das spiegelt sich auf allen Ebnen wieder. Der große Rahmen der unseren Lebensraum umgibt ändert sich zuweilen. Wir erfahren es zum Teil zu spät. Auch die politischen Veränderungen aus uns undurchschaubaren oder nichtigen Anlässen können nahezu katastrophale Auswirkungen für den Einzelnen haben. Der große Strom des Lebens wird dann unmittelbarer erlebt.

Immer werden wir Menschen begegnen die uns mitreißen, die uns bewegen, einzelne Schicksale, die mit uns sich verbinden. Manchmal wissen wir nicht wohin das Leben uns trägt. Dennoch haben wir alle einen inneren Kompass. Hin und wieder muss auch er geeicht werden. Vieles ist schon in den Genen verankert. Was uns in die Wiege gelegt wurde, müssen wir aber oftmals mühevoll freilegen.

Es ist wichtig seine Herkunft zu kennen. Woher kommen wir? Wer hatte uns geprägt? Durch welche Kanäle ist das Leben geflossen? Wo ist das Ende? Was ist der Sinn des Lebens? Was war unser Vermächtnis? Was bleibt vom Geist zurück und wo können wir ihn finden? Wir sehen die Vergangenheit und schauen in die Zukunft. Schauen wir zurück, so erblicken wir einen Pfad. Ihm wollen wir folgen. Unsere Erlebnisse fügen sich zu Bildern. Das verschafft uns den nötigen Überblick.

Wir haben Erfahrungen gesammelt und weitergeben.

Es stellt sich die Frage, nach unserem Vermächtnis. Das Vermächtnis muss einen hohen Wert haben. Es muss schon existentiell sein. Mit ein Paar alten Schuhen, die ihren Wegedienst längst getan hatten, ist es nicht erbracht. Es ist die Frage, auf die ein jeder selbst eine Antwort suchen muss und doch gibt es eine gemeinsame Struktur.

Es ist der Geist unseres Daseins. In ihm verbirgt sich alles andere. Er gilt für alle gleicher Maßen.

Will sagen, unser Vermächtnis ist die Botschaft des Lebens. Wir geben sie an unsere Nachkommen weiter.

Der Wert eines Dinges, ganz allgemein ist messbar. Wir können ihn schätzen lassen.

Die wertvollsten Schätzer sind unsere Kinder. Das Leben hat eine eigne Melodie. Manchmal können wir sie hören.

„Im Radio spielte „Que Sera, Sera" und ich war 5 Jahre alt.

Es war alles leichter. Die Sonne schien heller und klarer. Das Wetter war schön.

Sie legte ihre Hand auf meinen Kopf. Ich war glücklich, bei meiner Oma zu Hause zu sein. Sie nahm mich auf ihren Schoß, ich sagte, ich will immer bei dir bleiben. Nein, antwortete sie, einmal bist du groß und hast eine Frau mit Kindern und mich gibt es vielleicht auch nicht mehr.

Ich konnte es nicht begreifen. Damals war ich einfach nur glücklich und geborgen.

Der alte Sessel roh, wie immer. Der große Kachelofen stand daneben, im Winter war er kuschelig warm. Die Welt sowie die Zeit um mich schienen ewig zu sein.

Am schönsten war es früh, wenn der Bollerofen in der Küche brannte. Es roh nach Kienholz, Feuer und Malz. Manchmal gab es auch noch ein Spiegelei mit Speck.

Neben dem Küchenschrank stand der Holzkasten mit Schuhbürsten und Schuhpasta.

Ich saß oft darauf, vor mir stand ein großer Küchenstuhl als Tisch. Ich konnte stundenlang alte Wecker, Füllfederhalter oder andere Dinge aus dem alten Büffet zerlegen. Im alten Büffet war eine riesige Schublade.

Beim öffnen, verströmte sie ein besonderen Duft, ein Duft voller Geheimnisse.

Auf dem Büffet stand eine Vase mit roten Pfingstrosen. Der Raum war mit ihrem Duft erfüllt. Wenn ich zum Fenster hinausschaute, konnte ich weit hinten die Alleenbäume sehen. Sie säumten den hügligen Horizont. Dort war wohl das Ende der Welt, wo der Himmel die Erde berührt und die Wolken zum stehen kommen, in Masuren."

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