BLOG

Warum Meditation nicht funktioniert

30/08/2015 10:42 CEST | Aktualisiert 30/08/2016 11:12 CEST
NICOLAS ASFOURI via Getty Images

Jeder weiß, dass Meditation nicht einfach „funktionieren" soll. Das ist gerade der Punkt. Meditation ist nicht die eine zusätzliche Sache, die man noch erreichen muss, die man richtig machen muss. Man sagt, Du kannst in der Meditation nicht versagen. Es ist einfach eine Zeit, um zu sein.

Nun gut, ja und nein. Ja, es ist eine Zeit, um nicht geschäftig zu sein. Und nein, einfach zu sein ist einfacher gesagt als getan oder nicht getan in diesem Fall. Viele Menschen meditieren und meditieren und versuchen, ihre Gedanken loszuwerden, nur um sich selbst dabei zu erwischen, ständig zu denken. Was ist der Unterschied zwischen dem Denken und der Beobachtung des Denkens? Denken wir nicht immer noch über das Nicht-Denken nach?

Gedanken und Gefühle

Was noch schlimmer ist, ist wenn wir uns von unserem Selbst abtrennen, indem wir unsere Gedanken und Gefühle beobachten. Uns wird erzählt, dass das mentale Leben eine Illusion sei, nur Wolken an einem ansonsten klaren Himmel.

In diesem Prozess werden viele nicht nur wenig erfolgreich darin, sich von den Wolken zu befreien, sie fühlen sich auch noch entfernt von ihren Gedanken und Gefühlen, entfernt von sich selbst. Meditation ist für viele eine Erfahrung von Dissoziation. Sie fühlen sich isoliert, entfremdet, ausgekoppelt vom Leben.

Publicity und Popularität

Trotz all der Publicity und Popularität darüber, wie Meditation unser aller Probleme löst, können Meditierende depressiv werden durch die Meditation.

Indem sie sich selbst beobachten und ihnen erzählt wird, dass das Selbst, das sie kennen, eine Illusion ist, entfremden sie sich von ihrer Leidenschaft, ihrer Freude. Beziehungen, die Arbeit, die Identität können sich so ebenfalls enfernen.

Der Beobachter nimmt Präzedenz ein gegenüber dem normalen Machenden. Unseren mentalen Strom zu verfolgen, kann sein, wie ständig den Fernseher laufen zu haben. Wir haben schon genug Bildschirme in unserem Leben. Wo gibt es die frische Luft, die Tränen der Freude, der Trauer, der Inspiration, des Spaßes, in denen es im Leben geht?

Demut und der Hingabe

Meditation ist ein Lehrer der Demut und der Hingabe, aber viele Menschen fühlen sich bezwungen von dem bloßen Gewicht ihrer mentalen Welt. Körperorientierte Meditation mit der der Disziplin, den eigenen Athem anzuschauen, während man auf körperliche Beschwerden nicht regaieren darf, kann zu Selbstablehung führen.

Viele Menschen leiden schon an Ablehnung, indem sie ihrem Schmerz nicht zuhören und ihrer Wahrheit nicht folgen. Meditation kann eine weitere Religion werden, wo Gefühle für ein abstraktes Ziel der Befreiung ignoriert oder abgeschnitten werden.

Das Nicht-Selbst und die Leere

Meditation kann zu einem Leben mit wenig Gefühl führen, in dem das Ich, das Ego, das Nicht-Selbst und die Leere durcheinandergebracht sind. Leere ist ein guter Lehrer für ein überspitztes Gefühl von Wichtigkeit des Selbst. Aber nach einer Weile kann das Nichts zu viel an Nichts sein.

Still zu sitzen ist wahrscheinlich gut für jene, die nicht still sitzen können. Aber eine halbe Stunde geschlossene Augen schafft nicht zwangsläufig ein besseres Leben. Nach jeder Meditation kommen wir zurück zu einer stark mental geprägten Kultur, in der es wichtiger ist, was wir tun als es unsere Freude ist.

Gefühle genießen

Für ein besseres Leben wollen wir unsere Gefühle genießen. Für ein besseres Leben müssen wir ausserdem etwas tun. Die meisten von uns können nicht einfach die Vergangeheit wegmeditieren, wir müssen das Leben umarmen und erschaffen, um vollständig präsent zu sein, zugänglich und frei in diesem Moment.

Meditation bringt unser Gewahrsein hin zur Gegenwart; aber die Gegenwart kann dieselbe alte Routine sein. Da gibt es nicht viel Aufregendes hier. Langeweile, Einsamkeit und Isolation wären Worte, die dem geschäftigen Geist vieler Menschen in den Sinn kämen. Daneben wird uns erzählt, wir sollten mitfühlender sein und gut zu uns selbst und zu jedem, den wir treffen.

Wenn wir ehrlicher sind zu uns selbst, anstatt egoloser und gebend zu sein, entdecken wir oft unsere vielen Urteile, einen Mangel an Energie und wenig Enthusiasmus für das Leben, Freunde und Familie. Es ist hart, mit unserem Schatten und dem Schatten der Welt zu tanzen, wenn wir es gewohnt sind, zu beobachten, uns erschöpft und getrennt zu fühlen - getrennt von unserem eigenen Licht.

Was ist passiert?

Das Wort für Geist in Chinesisch, Tibetisch, Sanskrit, Pali und in vielen Dialekten des Asiatischen ist das selbe Wort wie Herz. Aber in der englischen und westlichen Kultur, sind Geist und Herz zwei sehr unterschiedliche Worte und, was noch wichtiger ist, sehr unterschiedliche Erfahrungen.

So ist es, dass jeder sehr achtsam auf das schaut, was in Kopf und Körper vor sich geht; aber die Erfahrung des Herzens erhält wenig oder keine Aufmerksamkeit. Es ist kein Wunder, dass viele Menschen, die meditieren, sich depressiv fühlen. Ein Leben des großen Herzens ist nicht der Fokus.

Die Meditation in Indien, Bali und an vielen Orten des Ostens ist eine Erfahrung voller Herz. Da gibt es Selbstakzeptanz und Wertschätzung, wenn wir unser Bewusstsein unterhalb unserer Gedanken und Gefühle bringen und die Quelle unseres Seins in unserem Herzen entdecken.

Wenn wir unter die Wellen des täglichen Lebens gehen, gibt es da einen weiten Ozean der Herzenserfülltheit zu genießen. Die Herzensmeditation lässt Gedanken los, die uns geschäftig halten, während wir die Liebe in unseren Herzen empfangen.

Die Herzensessenz

Die Herzensessenz zu empfangen und zu absorbieren, heilt unseren gewohnheitsmäßig denkenden Geist. Den denkenden Geist zu entlasten, in dem wir unser Herz empfangen, kann vieles heilen - Erinnerungen, Verhaltensmuster, die Dramen des Lebens, die uns unglücklich machen. Meditation kann ein beruhigendes Bad sein. Wir saugen den einfachen Frieden unseres Herzens ein. Wir sind regeneriert, entspannt, gereinigt und inspiriert.

Es ist eine Entlastung zu meditieren und unser Gewahrsein zurückzunehmen von unserer andauernden Projektion in die alltägliche Welt, wo scheinbar jeder und alles uns auf der Nase herumtanzen kann. Es ist eine Freude, zurückzukommen zum sicheren Hafen unseres eigenen Herzens. Meditation kann uns aufladen, um einfach zu sein.

Meditation ist, sich Zeit zu nehmen zu atmen; wie ein Schwamm, hinein in unsere Quelle, unser Zentrum, unsere eigene Ganzheit. Es ist eine tägliche Absorptionspraxis der Unschuld, des Vertrauens und des Wohbefindens.

Stille Tiefe

Wenn wir in den stillen Tiefens unseres Herzens sitzen, umarmen wir das Herz des Lebens anstatt davon auszudörren, unser mentales Leben anzuschauen.

Und wir entdecken das Leben, das uns umarmt! In unserem Herzen gibt es eine Weite ohne Gedanken, ein großer Raum von endloser Präsenz. Hier gibt es ein neues Verständnis unserer Persönlichkeit, unseres persönlichen Lebens.

Wir sind so viel mehr. Hier können wir uns umdrehen und einen klaren Blick für unser Leben in der Ewigkeit bekommen. Meditation bedeutet, den Raum, der keine Grenzen hat, im Innern zu entdecken. Es ist der gegenstandslose Grund unseres eigenen Gewahrseins, unverfälscht, natürlich und schön.

Quelle der Liebe

Unser Herz ist die Quelle der Liebe, der Freude, des Friedens und des endlosen Seins. Hier ist das Mitgefühl und die Freundlichkeit, uns selbst zu heilen und dies mit der Welt zu teilen.

Viele würden sagen, wie auch immer wir es nennen - dies ist Meditation. Das war meine Erfahrung. Für sie kommt das Herz auf natürliche Weise zum Vorschein, wenn sie den Geist beiseite legen. Aber für viele andere wird die Aufgabe, den Geist beiseitezulegen, endlos. Sie sind nicht angeleitet, zu empfangen und die Präsenz ihres Herzens zu genießen.

Die Herzensmeditation ist eine notwendige Beigabe zur Achtsamkeit in der westlichen Welt, die vielen beibrachte, zu beobachten anstatt zu leben. Unser gestresstes äußeres mentales Leben braucht eine Pause. In der heutigen Welt, in der mehr und mehr Menschen versuchen zu meditieren, ist es entweder zufällig oder einfach Glück, wenn sie den Schatz ihres Herzens dabei finden.

Große Umarmung

Wenn Meditation eine große Umarmung ist, die lang ist und sanft - dann funktioniert sie. Sie funktioniert wieder und wieder. Da gibt es klare Zeichen von mehr Sanftheit, Geduld und Wohlbefinden im Leben. Unser inneres Kind, unser ursprüngliches Selbst ist wiederentdeckt worden; das Selbst, das es gab, bevor der Stress der intellektuellen Entwicklung uns trennte vom einfachen Sein, unserer Quelle der reinen Freude.

Mit Herzenserfülltheit ist die Meditation ein Wiederentdecken seiner spirituellen Wurzeln, wo wir grenzenlos hineinwachsen können in ein Leben voll wahrer Wunder und Bewunderung.


Lesenswert:

Yoga für den Rücken: Mit dieser einfachen Übung werdet ihr viel beweglicher

Schon wieder ein graues Haar? Stress ist nicht der wahre Grund dafür

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite

Gesponsert von Knappschaft