Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Bruce Davis, Ph.D. Headshot

Wie führt Meditation zu Mitgefühl?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MEDITATION MORNING
Elke Selzle via Getty Images
Drucken

Bei Lehrern und in zahllosen Büchern über Meditation hört es sich so einfach an. Sitze einfach für eine Weile und beobachte deinen Atem, lass deine Gedanken und Gefühle am Himmel deines Geistes vorbeiziehen - so wirst du zu einem neuen Bewusstsein kommen. Du wirst Mitgefühl entdecken!

Wirklich? Ist mein Geist so anders als der von jedem anderen? Ich kann sitzen und sitzen, schauen und beobachten, ich kann über das Nicht-Denken immer und immer wieder nachdenken, aber ich kann nicht wirklich einräumen, dass ich Mitgefühl gefunden habe. Ich finde Pausen in den Wolken meiner fortlaufenden Gedanken. Ich finde kurzfristig etwas klaren Himmel in meinem beschäftigten Geist. Aber um ehrlich zu sein - diese Momente des Nicht-Denkens, diese kurzen Phasen der Klarheit - obwohl sie erfrischend sind - ich kann sie nicht als Mitgefühl bezeichnen.

Ist Mitgefühl das Ergebnis von all der Geduld, die ich brauche, um diese kleinen Pausen zu finden, in dem scheinbar endlosen Geist der Gedanken? Soll ich geduldig sein mit meinem umwölkten mentalen Himmel, der fast alles enthält außer Mitgefühl?

Vielleicht ist Mitgefühl das Ergebnis davon, Tag für Tag zu sitzen, indem man in diesem Prozess ein wenig Demut findet. Vielleicht erwächst Mitgefühl aus der Geduld und der Demut, wenn ich mir vergegenwärtige, wie gewöhnlich ich bin als menschliches Wesen, während ich versuche zu meditieren. Wie lange muss ich dasitzen, um klar zu sehen, dass ich nicht mehr oder weniger bin als eine andere Person, die es angenehm auf dem Planeten haben will? Ist das der Preis der Lehren, der Geduld und der Demut, der mir eventuell ein Bewusstsein des Mitgefühls einbringt? Wird Mitgefühl aus meinem Sein hervorkommen, wenn ich sehe, wie völlig gewöhnlich und nicht besonders ich bin?

Mitgefühl ist eine spezielle Art, mich selbst und andere mit Akzeptanz, Freundlichkeit und Liebe zu verstehen. Vielleicht kommt sie nicht daher, wenig oder keine Gedanken zu haben, sondern von etwas komplett anderem. Vielleicht kommt Mitgefühl daher, unser Herz zu erinnern und wachsen zu lassen. Ist es nicht ein großes Herz, was wir in der Meditation suchen? Wie kann all das Training des Geistes dazu führen, dass wir Mitgefühl entdecken, ohne dass wir unser großes Herz entdecken, ein Bewusstsein von köstlicher Schönheit, reiner Freude? Wie können wir erwarten, dass all unsere mentale Arbeit sich in einen endlosen Himmel des Mitgefühls verwandelt, der uns in vollkommener Liebe und Verständnis beschützt, ohne dass das Herz involviert ist?

Es erscheint offensichtlich - wenn wir ein Bewusstsein des Mitgefühls haben wollen, müssen wir die Freude unseres Herzens entdecken. Nur eine Praxis, die das Herz umarmt, unsere Herzensessenz empfängt und das Licht und die Freude unseres Herzens in sich aufnimmt, wird groß genug werden, um uns Sanftheit, darbringende Freundlichkeit, Fürsorge und Mitgefühl für uns selbst und andere zu geben.

Vielleicht ist das Sitzen, um unseren Geist und beruhigen und zu klären, tatsächlich eine Sache des Herzens. Vielleicht kommt unser Geist zur Ruhe und zum Loslassen, wenn wir uns darin üben, den einfachen Frieden um uns herum und in uns zu empfangen. Wenn wir unser Bewusstsein zurück nach Hause in unser Herz bringen und die geschäftige Welt hinter uns lassen - dort fängt Meditation an. Es ist mehr als Lektionen in Geduld und Demut. Meditation ist eine Schatzkiste oder besser gesagt, ein Schatzhaus, das es zu entdecken und zu genießen gilt.

Wenn wir einmal lernen, unser Bewusstsein vom weltlichen Selbst hin zu unserem inneren Sein zu bringen, dann beginnt das Abenteuer. Das Herz ist ein großartiger Reiniger von all dem Kram, den Wünschen und den Schmerzen, den Erwartungen und Anhaftungen, die so einfach in unserem Bewusstsein stecken. Es ist dieser Kram, der uns davon abhält, präsent zu sein, gebend und mitfühlend zu uns selbst und anderen zu sein. Das Herz ist der große Reiniger von all den Urteilen über uns selbst und andere, die wir mit uns herumtragen. Wenn der Strom der Gedanken einmal mit der Präsenz unseres Herzens gefiltert ist, ist unser Bewusstsein offen, unterstützend und wird frei.

Tief in unser Herz zu reisen - das ist die Reise nach Indien, zu einem Schamanen, zu Gott in allen Formen, die wir suchen. Wenn wir unser weltliches Selbst gehen lassen und die Präsenz in unseren Herzen empfangen, ist das ein „Hier und Jetzt", eine Weite ohne Rahmen oder Grenze. Unsere Gedanken und Gefühle sind weit weg. Da gibt es ein Da-Sein, Sicherheit und Wärme, die unbeschreiblich sind. In der Meditation haben wir alle Momente dieser Erfahrung. Aber sind Momente genug? Das könnte unsere Meditationspraxis sein. Die goldene Stille, die wir suchen, ist die Stille unseres Herzens. Die Weisheit, die wir haben wollen, kommt aus der Stille in unserem Innern. Wenn wir unsere mentalen Welten verlassen, kommen wir in unser Herz hinein. Hier gibt es den Raum von Mitgefühl. Könnte dies tatsächlich unser Zuhause sein, unser Herz und unsere Essenz ist Mitgefühl? Wir müssen es nur entdecken, es sein. Das Kind in unserem Innern erzählt uns, dass unser Bewusstsein natürlicherweise gebend ist und voll von Mitgefühl und Spaß. Vielleicht heißt Meditation, zum Spaß zurückzukehren. Vielleicht wird uns das Licht unseres Seins alles zeigen, was wir verkörpern wollen, inklusive Mitgefühl.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: