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Die Herausforderung der Depression nach einem spirituellen Erwachen

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MONSOON INDIA
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Spirituell zu erwachen ist für die meisten Menschen keine einmalige Erfahrung, nach der sie für immer erwacht und frei sind. Menschen haben Nahtoderfahrungen, erleuchtende Träume, Besuche von Verwandten von der anderen Seite, Erfahrungen in Meditation und in Gebet, die ihr normales Bewusstsein bloßlegen, hin zu einem Zustand des großen strahlenden Lichtes, einer endlosen Liebe, einem Ort des Seins ohne Beobachter, lediglich mit einer Vertrautheit und Freiheit jenseits der Worte.

Die Erfahrungen sind so real, dass es keinen Zweifel über ihre Authentizität gibt. Jeder, der ein spirituelles Erwachen erlebt, weiß, dass es da weit mehr gibt als unsere alltägliche Realität. Da gibt es Gott. Ich - als weites, reines Bewusstsein bin da, lange nachdem der Körper und die persönliche Geschichte ein Ende findet.

Diese Erfahrungen können sehr lebendig sein, vor allem im eigenen Geist - noch für Monate und Jahre danach. Nichtsdestotrotz finden sich die meisten Menschen, die ein spirituelles Erwachen haben, bald wieder in der alten Schale ihrer Persönlichkeit wieder und werden physisch und sozial gefordert wie jeder andere auch.

Eine Erfahrung spirituellen Erwachens kann ein helles Licht sein, das unsere normalen Gedanken und Gefühle bloßlegt. Wir sehen unseren gewohnheitsmäßigen Egoismus, unsere Bedürfnisse, es gemütlich zu haben und die alltäglichen Sorgen möglicherweise in klarerem Licht. Die große Liebe zu kennen, macht Liebe nicht zu unserer ganzen Realität. Die alltägliche Welt kann um uns herum und vor allem in unserem Innern weiterhin leben - auch nach einem spirituellen Erwachen.

Die Erfahrung des Göttlichen nimmt uns nicht unsere Menschlichkeit, sondern hebt sie bei vielen von uns hervor. Die Unfähigkeit, zu integrieren, wie menschlich wir sind und wie göttlich wir sind, kann in einen Zustand der Depression führen.

Viele Menschen berichten nach einer Nahtoderfahrung ihren Widerstand dagegen, den Himmel wieder zu verlassen und ins normale Leben zurückzukehren. Genauso, wie es eine Dame einfach aber richtig beschrieben hat in ihrer Ablehnung des Lebens auf der Erde - „Die Menschen sind nicht so nett hier!". Das ist eine Untertreibung, um es mindestens so auszudrücken. Eine andere Person lenkte schließlich ein, nachdem sie verstand, dass es auf der anderen Seite keine Schockolade gibt.

Da gibt es einige Dinge von echtem Wert darin, menschlich zu sein. Der Unterschied zwischen Himmel und Erde kann für jene, die beides erlebt haben, zu viel sein. Wie kann der Geist und das Herz die Erfahrung des Paradieses und des menschlichen Leides in sich tragen? Viele können das nicht ertragen. Das Gewicht dieser Welt und die Schwerelosigkeit dessen, wer wir wirklich sind, kann zu einer Depression führen.

Sicherlich ist die Kraft, Gott zu kennen, real - die Essenz des Lebens zu spüren und die reine Liebe zu verstehen, die wir wirklich sind, ist eine lebensverändernde Erfahrung. Diese Prägung kann nicht mehr gelöscht werden. Im Verlauf des normalen Lebens mit Partner, Kind, die Schönheit in jeder Form genießend - das können ähnlich inspirierende Ereignisse sein. Wenn unser mentales Leben heruntergefahren wird und das Volumen unseres Herzens hochgefahren wird, können ein Ort der Friedlichkeit, der Verbundenheit ohne Grenzen, ohne Widerstand, die Erfahrung des Loslassens, des Hineinfallens in Wellen der Liebe präsent sein.

Der Kontrast zwischen der Kraft der Liebe und der alltäglichen Einsamkeit kann dennoch ein Getrenntsein ausmachen, das zu schwer ist zu überwinden. Depression kann eine Unfähigkeit sein, sein Selbst zum Ausdruck zu bringen, ob nun menschlich oder Göttlich.

Der Unterschied darin, das Spiel des Lebens zu spielen, zu machen, zu erreichen, Erfolg zu haben, während man weiß, dass Liebe die ultimative Realität ist, kann verwirrend sein, Konflikte verursachen und Geist und Herz in Knoten binden.

Erfahrungen des Erwachens passieren oft, wenn wir verletzlich sind, unsere Abwehr heruntergefahren ist oder wortwörtlich, wenn die Gehirnaktivität stoppt. Die Menschen denken, um in dieser Erfahrung des Erwachens zu bleiben oder um dorthin zurückzukehren, müssen sie in einem gewandelten Zustand leben. Wie sollen sie das machen und sich gleichzeitig um ihr alltägliches Leben kümmern?

Währenddessen werden Prioritäten nach einem spirituellen Erwachen in Frage gestellt, Ziele ändern sich, das Leben kann sich tiefgehend auf den Kopf stellen. Die Arbeit, Beziehungen, so viele Pfade werden Wahlmöglichkeiten. Was ist wichtig im Leben? Die Liebe zu kennen, die alles ist, was zählt, gibt uns nicht automatisch ein Leben der Liebe. Ernsthafte Bemühung, Gebet, Hingabe, Verständnis, Mitgefühl und jedes andere Werkzeug in der Box des menschlichen Potentials geben uns nicht notwendigerweise das Leben, das wir haben wollen.

Mit einem inneren Leben umzugehen, das die große Liebe kennt und ein äußeres Leben zu managen, das alles andere als liebend ist, ist eine zu weitreichende Brücke für viele. Sie fallen hin, hinein zwischen diese zwei weit auseinanderliegenden Welten. Viele geben es auf, erwacht zu sein. Sie sind überwältigt davon, einfach das Leben selbst zu managen. Andere versuchen, sich selbst in ihre innere Welt zu werfen, während ihre äußere Welt auseinanderfällt. Keine dieser Lösungen bringt inneren Frieden und Wohlbefinden. Depression kann das Ergebnis sein.

Um der Herausforderung zu begegnen nach einem spirituellen Erwachen braucht es eine neue Grundlage im Leben. Der erste Eckstein ist ein Leben, das sich für Freude, tägliche Freude, einfache Freude, ja - Spaß, Freiheit entscheidet - Augenblick für Augenblick die Schönheit im Leben zu empfangen. So wie ein spirituelles Erwachen uns in die Gegenwart bringt, so ist es einfacher, präsent zu sein, wenn wir jeden Tag Freude wählen. Beziehungen, Aktivitäten, Arbeit und Spiel nähren unser Herz und die Herzen der anderen, nähren unser Erwachen. So wie Freude ein Eckstein im Leben wird, so wird es auch unser spirituelles Erwachen.

Der zweite Eckstein, um unser Erwachen fortzusetzen ist eine bedeutungsvolle spirituelle Praxis. An die Erfahrung des Erwachens kann in der Meditation angeknüpft werden. Meditation kann eine Nahtoderfahrung ohne das Drama sein. Die überwältigende Liebe, die wir im Erwachen finden, ist in uns. Das Erwachen zeigt uns, wenn unser weltliches Selbst zur Seite gelegt ist und unser inneres Selbst, die Welt unseres Herzens, präsenter ist.

In der Meditation können wir uns von unserer geschäftigen mentalen Welt befreien und unser Bewusstsein der Welt unseres Herzens darbringen. Der Frieden und die Stille des Herzens ist derselbe Frieden und die Stille, die wir im spirituellen Erwachen entdecken. Zeit für herzenserfülltes Sein anstatt von mentalem Druck, etwas zu tun, ist wichtig. In der Stille können wir uns vom kulturell bedingten Fehlen von Liebe um uns herum befreien, indem wir die Stille absorbieren, wird die große Liebe in unserem Innern gefunden.

Um das strahlende Licht zu finden, das in einem spirituellen Erwachen gefunden wird, müssen wir nicht sterben, um in diesem Licht zu sein. Eine spirituelle Übung ist ein tägliches Empfangen und Absorbieren unserer Erwachenserfahrung, in unserem Bewusstsein, in Meditation und darin, sie sich ausbreiten zu lassen - in jeden Aspekt unseres Lebens hinein.

Der dritte Eckstein für unser neues Leben ist eine herzenserfüllte Gemeinschaft. Anstatt dass wir unser erwachtes Selbst verstecken oder in Angst davor leben, verurteilt zu werden, wollen wir eine Gemeinschaft, die unser Erwachen umarmt und unterstützt. So oft können Freunde im Wettbewerb sein anstatt unser Licht und die Freude, die wir in der Welt finden, von innen heraus zu feiern.

Das Licht unseres Seins will in der Welt sein - zusammen mit anderen, die das Licht des Seins in jedem genießen. Normalerweise wird das in einer Meditationsgemeinschaft gefunden, die weniger dogmatisch und herzensbasierter ist. Aciste ist eine sehr respektierte Organisation, die Menschen mit der Erfahrung des spirituellen Erwachens für eine Gemeinschaft und zur Unterstützung zusammenbringt.

Und zum Schluss ist der vierte Eckstein für ein erwachtes Leben das Darbringen - uns selbst den Menschen um uns herum zu geben. Fast alle, die ein Leben nach dem Tod erfahren haben, haben herausgefunden, dass der wichtigste Aspekt dieses Lebens ist, was von uns selbst wir einander geben. Ein Dienst beinhaltet nicht nur die großen Dinge, die wir helfen zu organisieren und machen, sondern er beinhaltet mehr die kleinen Momente, in denen wir präsent sind, empfangen und einander geben. Freude, eine spirituelle Praxis, Gemeinschaft und Dienst geben uns die Basis für ein erwachtes Leben, das wir in einer Welt mit so wenigen Gärten aufbauen und blühen lassen.

In Wahrheit sind wir alle erwacht. Und wir alle leben in einer allzu mental geprägten Welt, die unser Licht bedeckt. Jenseits der einsamen Korridore des Geistes zu leben ruft uns auf, bewusster in den Hallen und den großen Schlössern des Herzens zu leben. Wenn wir unseren inneren Garten nicht ehren und für ihn sorgen, ist die Welt, in der wir leben, tatsächlich deprimierend. Der Garten ruft uns. Die kleinen Blumen des Lebens sind der Regen des Himmels, der uns nährt und alle Menschen.

Bruce Davis ist spiritueller Direktor von Silent Stay, einem Non-Profit Stille Retreat Zentrum in der Nähe von Napa, Kalifornien; er unterstützt Menschen, die Erfahrungen spirituellen Erwachens haben.

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