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Mein Sohn starb beim Germanwings-Absturz - und ich bin entsetzt, dass die Geschichte noch immer nicht geklärt ist

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Unser Sohn Jens würde in etwa zwei Wochen den 40. Geburtstag feiern. Würde! Für diejenigen, die ihn gut kannten, ist es der dritte Geburtstag ohne ihn. Nie wieder können wir ihn umarmen, nie wieder seine Stimme hören. All dies ist vorbei. Er ist verschwunden, weg für immer. Damit müssen wir irgendwie klar kommen. Mir gelingt es nicht.

Oben im Video: Er verlor seine Tochter und seinen Enkel - Vater von Germanwings-Opfer spricht von "geplantem Massenmord"


Zur Erklärung: Am 15. März 2015 stürzte in den Alpen Südfrankreichs (zwischen Le Vernet und Prads-Haute-Bléone) ein Airbus A 320 von Germanwings/Lufthansa mit 150 Personen ab. Sowohl die Maschine als auch die Menschen wurden durch die Wucht des Aufpralls, wie Augenzeugen berichteten, nahezu »pulverisiert«.

Aus den Untersuchungen der französischen Untersuchungsbehörde BEA geht hervor, dass der Pilot zu Beginn des Fluges das Cockpit verließ, um vermutlich die Toilette aufzusuchen. Als der Copilot allein war, veränderte er die Flughöhe von 38 000 ft (11 582 m) auf 100 ft (30,45 m).

Das Flugzeug flog stetig schneller, da die Geschwindigkeit mehrfach erhöht wurde. Maximal betrug sie 350 kt (648 km/h), es ist die Höchstgeschwindigkeit, die der Pilot einstellen kann.

Weiterhin geht aus dem Abschlussbericht hervor, dass der depressive Copilot Andreas Lubitz die Maschine wissentlich und geplant an einen Felsen geschmettert habe.

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Immerhin gelang es, alle Insassen des Fluges zu identifizieren, sodass wir unsere Lieben beerdigen konnten. Wir sind in der grotesken Situation sogar zwei Gräber zu haben, eines für die identifizierten menschlichen Reste im Heimatort und eines für die, die nicht identifiziert werden konnten.

Hinterbliebene der Germanwings-Tragödie haben noch immer keine Klarheit

Natürlich fragen wir uns, wieso durfte ein derart suizidgefährdeter Mensch eine Passagiermaschine fliegen? Wie kam es dazu? Was ereignete sich im Vorfeld? Welche gefährliche Rolle spielte (und spielt weiterhin) die Schweigepflicht der Ärzte?

Ich möchte wie viele Angehörige wissen, wo, bei welcher Person oder welcher Behörde diesbezügliche Fehlverhalten bzw. Unterlassungen auftraten. Sie sollen benannt und analysiert werden, damit die Wahrscheinlichkeit, dass sich solch eine Katastrophe wiederholt, auf ein Minimum reduziert wird.

Dagegen ermittelte die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf als alleinigen Schuldigen den Copiloten Andreas Lubitz. Sie stellte das Verfahren Anfang des Jahres kurzerhand ein, obwohl wir Hinterbliebenen noch immer keine Klarheit darüber haben, wie es überhaupt dazu kam, dass ein derart psychisch labiler Copilot ins Cockpit gelangte.

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Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass eine gründliche Untersuchung nicht erwünscht ist. Beispielsweise wurden sämtliche Beweisanträge, die die Opferanwälte stellten, in erstaunlich kurzer Zeit abgeschmettert. Eine erschöpfende Begründung haben wir nie erhalten, so auch zur Einstellung des Verfahrens.

Oder ist Andreas Lubitz ein Einzelfall? Gab es gar technische Mängel?

Eine detaillierte Aufklärung ist zwingend notwendig, nicht nur um eine Wiederholung solch einer Katastrophe zu verhindern, sondern man ist das den Opfern und den Hinterbliebenen gegenüber schuldig.

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Unsere Lieben sind tot, und wir müssen für den Rest des Daseins mit den seelischen und körperlichen Verletzungen leben, die uns der Absturz der Germanwingsmaschine zugefügt hat.

Unserem Jens und den anderen armen Menschen, die so brutal sterben mussten, soll Gerechtigkeit widerfahren.

Ihr Tod hätte im Vorfeld verhindert werden können ... Das zu wissen, ist schrecklich.

Wir bitten die Leser herzlich, die folgende Petition zu unterschreiben und zu verbreiten:

Petition

Brigitte und Wolfgang Voß

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