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10 Dinge, die Krankenschwestern vor ihren Patienten verheimlichen

07/01/2016 10:06 CET | Aktualisiert 07/01/2017 11:12 CET
Tetra Images via Getty Images

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Ich habe schon oft gehört, dass Krankenpfleger Geheimniskrämer seien und dass sie ihren Patienten und den Familien ihrer Patienten bestimmte Dinge nicht erzählten. Erst hielt ich den Gedanken, dass Krankenpfleger den Menschen, um die sie sich kümmern, Informationen vorenthalten, für absurd. Doch dann dachte ich mir, dass das vielleicht doch stimmt.

Schließlich hat ja jeder seine Geheimnisse - warum sollten nicht auch Krankenpfleger hin und wieder etwas verheimlichen? Tatsächlich gibt es einfach Dinge, die Patienten nicht wissen müssen, Wahrheiten, die sie nicht verkraften würden oder auch Dinge, die wir ihnen niemals und unter keinen Umständen erzählen würden.

Die Wahrheit ist: Ja, Krankenpfleger sind Geheimniskrämer. Doch die Wahrheit zu sagen ist ein befreiendes Gefühl - und deshalb lüfte ich jetzt zehn Geheimnisse, die Krankenpfleger vor dir geheim halten.

Geheim war bisher:

1. ...dass wir müde sind

Krankenpfleger werden niemals zugeben, wie müde, erschöpft oder völlig kaputt sie sind. Wenn jemand zu uns sagt: "Sie sehen müde aus", dann antworten wir zwar ehrlich, doch wir spielen unsere tatsächliche Erschöpfung herunter.

Du wirst von uns niemals hören, dass der Stress uns auslaugt oder dass wir durch die jahrelange Schichtarbeit völlig kaputt sind. Weil wir es uns niemals anmerken lassen. Du wirst von uns niemals hören, dass unsere Beine Schmerzen und dass unser Gehirn noch mehr. Wenn du uns überrascht fragst: "Sind Sie immer noch hier?!", dann nicken wir nur lächelnd und fügen hinzu: "Ich habe noch vier Stunden."

2. ...dass es anstrengend und frustrierend ist, dir deine Medikamente zu geben

Ja, ich weiß: Tabletten verteilen gehört zu den Aufgaben von Krankenpflegern. Manche Patienten glauben vielleicht auch, dass das alles ist, was wir tun. Doch du wirst niemals erfahren und kein Krankenpfleger wird dir jemals genau erklären, wie zeitraubend und herausfordernd die morgendliche Tablettenausgabe in Wirklichkeit sein kann.

Wir schnappen uns nicht einfach nur ein paar Tabletten, legen sie in einen Becher und schlendern entspannt zu deinem Krankenbett. Es gehört viel mehr dazu, auch wenn du die Pillen in einer Sekunde heruntergeschluckt hast.

Krankenpfleger überprüfen jedes einzelne Medikament, das dir verschrieben wurde, um zu wissen, wofür es angewendet wird. Sie kontrollieren Gegenanzeigen, mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit den anderen Medikamenten, die du einnimmst. Sie entscheiden, ob du bestimmte Medikamente jetzt gleich oder erst später verabreicht bekommst.

Manchmal müssen sie wegen eines angeordneten Medikaments beim Arzt nachfragen. Wenn Krankenpfleger mal eine Weile weg sind, kann es daran liegen, dass sie in die Apotheke gehen mussten, weil ein Medikament, das dir verschrieben wurde, nicht vorrätig war.

Und dann können sie nur hoffen, dass sich alle Strichcodes scannen lassen!

Medikamente zu verabreichen ist bei Weitem nicht so einfach wie es aussieht, doch Krankenpfleger lassen es wie ein Kinderspiel wirken.

3. ...dass wir Regeln "ausweiten"

Wenn man Krankenpfleger um etwas bittet, dass sie eigentlich ablehnen müssten, antworten sie für gewöhnlich mit: "Ich muss mal schauen, was ich tun kann."

Damit will ich nicht sagen, dass Krankenpfleger die Anordnungen von Ärzten missachten, doch sie wägen die Vor- und Nachteile von Anweisungen für deine Pflege ab. In der Regel wissen sie sehr genau, wie weit sie gehen können, um einen Patienten zufriedenzustellen und gleichzeitig für seine Sicherheit zu sorgen. Dich glücklich zu machen, oder zumindest so glücklich zu machen, wie du in einem Krankenhaus eben sein kannst, ist eine Gratwanderung.

4. ...wie krank wir wirklich sind

Dir fällt vielleicht auf, wenn ein Krankenpfleger sich nicht wohl fühlt. Doch er wird dir in den meisten Fällen nichts über seinen Gesundheitszustand verraten. Selbstverständlich bleiben Krankenpfleger zu Hause, wenn sie eine ansteckende Krankheit haben, doch bei den meisten anderen Krankheiten erscheinen sie trotzdem zur Arbeit und kümmern sich um dich.

Krankenpfleger erzählen dir nichts von ihren chronischen Schmerzen oder dass sie einen Bandscheibenvorfall haben. Wenn sie etwas unbedacht hochheben, zucken sie vielleicht kurz zusammen, doch wenn du sie fragst, sagen sie: "Mir geht's gut."

Es ist allgemein bekannt, dass Krankenpfleger die schlimmsten Patienten sind. Doch während wir uns bei deiner Pflege selbst übertreffen, vergessen wir uns oft selbst und wir lassen nur selten durchblicken, wie schlecht wir uns fühlen.

5. ...wenn ein anderer unserer Patienten gerade gestorben ist

Da ich auf der Intensivstation arbeite, bin ich für gewöhnlich direkt vor deiner Tür, wenn ich nicht sogar neben dir stehe. Wenn du mich mal eine Weile nicht siehst, liegt das möglicherweise daran, dass es in einem anderen Zimmer Probleme gibt.

Wenn ich sichtbar nervös zurückkomme, entschuldige ich mich überschwänglich dafür, dass ich dich vernachlässigt habe. Vielen Dank, dass du meist so verständnisvoll bist.

Ich darf dir nicht sagen, warum ich eine Weile nicht erreichbar war - manchmal liegt es daran, dass einer meiner anderen Patienten gestorben ist. Das ändert nichts an meiner Sorge um dich, nur dass ich mich jetzt noch mehr anstrenge, um dich wieder gesund zu pflegen.

6. ...wenn eines unserer Familienmitglieder krank ist

Krankenpfleger können meist nicht spontan nach Hause gehen, wenn eines ihrer Kinder krank wird. Krankenpfleger kümmern sich selbst dann um ihre Patienten, wenn sie zu Hause auch einen Krankenfall haben.

Krankenpfleger erzählen dir nicht, dass sie einen Elternteil pflegen müssen oder wie anstrengend es ist, zu Hause einem chronisch kranken Kind die Aufmerksamkeit zu schenken, die es braucht. Stattdessen geben sie immer ihr Bestes, wenn sie an deinem Bett stehen, weil das ihr Job ist.

Wir finden, dass es nur um dich gehen sollte, wenn du hier bist, um gesund zu werden. Und deshalb halten wir die Krankheitsgeschichten, mit denen wir uns außerhalb der Arbeit herumschlagen, von dir fern.

7. ...dass es ähnliche Fälle in der Familie gibt

Damit meine ich Folgendes: Es ist möglich und sogar sehr wahrscheinlich, dass deine Krankenpfleger schon einmal in genau der gleichen Situation waren wie du jetzt. Sie waren auch schon einmal besorgte, verwirrte Familienmitglieder, die verzweifelt hoffen, dass Papa es schafft. Wenn Krankenpfleger in ihrer Familie einen ähnlichen Fall wie deinen hatten, werden sie automatisch daran erinnert.

Bei mir ist das meine Mutter. Ich habe oft Patienten, deren Fall dem meiner Mutter extrem ähnelt. Ich denke dann die ganze Zeit an sie doch ich sage fast nichts. Sie hat wie eine Löwin gekämpft, doch schließlich musste sie doch für immer gehen. Doch ich will nur das Beste für dich und deshalb behalte ich dieses Geheimnis für mich.

8. ...wie oft wir kämpfen

Für dich. Auch wenn ein Teil von mir gerne damit prahlen würde, lasse ich es letzten Endes dann doch sein. Zumindest vor den betroffenen Patienten.

Überall auf der Welt kämpfen Krankenpfleger außerhalb der Krankenzimmer für das Wohl ihrer Patienten. Sie kämpfen immer für dich. Sie konfrontieren Ärzte oder andere Krankenpfleger und versuchen das durchzusetzen, was sie für dich erreichen wollen. Du bekommst es wahrscheinlich nicht mit, doch wir tun es für dich. Es ist unser Job, wir sprechen nur nicht über die Einzelheiten.

9. ...welche Angst wir hatten, als wir dich beinahe verloren hätten

Die meisten meiner Kollegen vermeiden das Wort "Angst" und geben nicht zu, dass eine Notsituation ihnen Angst gemacht hat, doch die meisten werden mir zustimmen, dass man körperlich reagiert, wenn der Zustand eines Patienten sich akut verschlechtert und Komplikationen auftreten.

Das Herz fängt an zu rasen, der Magen verkrampft sich und auch, wenn mein Team unter allen Umständen gute Arbeit leistet, ist immer eine gewisse Angst mit ihm Spiel. Wir wollen, dass du wieder zurückkommst. Es macht uns wirklich Angst, dass du das möglicherweise nicht tun könntest.

Doch davon wirst du nie etwas erfahren. Zumindest nicht im Detail. Wir erzählen dir, was passiert ist und berichten ehrlich über den Vorfall, doch dieser Moment des Schreckens tritt durch unseren Sieg in den Hintergrund und wir verdrängen ihn bewusst, um die gemeinsame Freude nicht zu trüben.

10. ...dass wir rund um die Uhr an dich denken.

Ich weiß nicht, ob du dir darüber im Klaren bist, doch Krankenpfleger nehmen immer einen Teil von dir mit, wenn sie dein Krankenbett verlassen. Sie fragen sich, wie es dir geht und manchmal rufen sie auch die nächste Schicht an und erkundigen sich nach deinem Zustand.

Oft sage ich zu meinen Patienten: "Ich bete für Sie." Doch ich frage mich, ob sie wissen, dass ich das auch wirklich tue. Vielleicht ist das mein kleines Geheimnis.

Krankenpfleger mögen Geheimnisse vor ihren Patienten haben, doch manches davon ist schwer in Worte zu fassen. Manche Vorfälle kann man nicht beschreiben und über manches sollte man auch einfach besser schweigen.

Aber mach dir keine Sorgen! Ich verspreche dir, dass wir dir ansonsten fast alles erzählen.

Und hier noch eine positive Geschichte zum Abschluss: Ein Krankenpfleger "heiratet" eine schwerkranke Vierjährige...

Dieser Blog ist ursprünglich bei der Huffington Post USA erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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