Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Boris Reitschuster Headshot

Geleakte Briefwechsel: russisches Parlament manipuliert offenbar westliche Medien

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Viele westliche Journalisten, Blogger und Internet-Leser wundern sich über die unzähligen Pro-Putin-Leserbriefe und Kommentare im Internet- und den Hass, der Putin-Kritikern dort entgegenschlägt. Doch der vermeintliche Volkszorn ist ganz offensichtlich gesteuert. Jetzt wurde erneut ein „Absender" der kremlfreundlichen Posts, Kommentare und Mails enttarnt, so das Internet-Portal "theins.ru": Der Duma-Abgeordnete Robert Schlegel (auf dem Bild neben Premier D. Medwedew), Hardliner, Russland-Deutscher und früher einer der Anführer der Putin-Jugend.

russland

Die „Anonyme Internationale", eine Art Wikileaks auf Russisch, hat den Briefwechsel des „Volksvertreters" mit seinem Assistenten „geleakt", wie man solche Enthüllungen neudeutsch nennt. Aus dem Material, das bisher nur auf Russisch vorliegt und noch nicht auf Authentizität überprüft ist, geht hervor, wie der kremltreue Abgeordnete Troll-Attacken auf ausländische Medien und Foren organisiert hat. Für seinen „Stab für Informations-Aktivitäten" - so nennt sich seine Troll-Fabrik - standen allerdings nur 105.000 Rubel monatlich zur Verfügung - ein Klacks im Vergleich zur unlängst aufgedeckten „Agentur für Internetforschung" (AII) mit ihren 20 bis 30 Millionen Rubeln im Monat und eigener Auslands-Abteilung. Schlegel soll vor allem auf Freiwillige setzen, die bereit sind, ohne Entgelt gegen den Westen und für Putin zu kämpfen, berichtet "theins.ru".

In dem jetzt enthüllten Briefwechsel geht es um 5 Blöcke von bestellten Kommentaren und Post, die bei "YouTube", sowie bei "USToday", "The New York Post", "Los Angeles Times", "FOX news", "CNN", "BBC", "Huffington Post" und anderen erscheinen sollten. Pro Post wurden 15 Rubel bezahlt. Unter anderem wurde auf englisch behauptet, wie „toll und richtig" der Anschluss der Krim an Russland sei, im Livejournal wurde veröffentlicht, welche Helden bei dem berüchtigten Sondereinsatzkommando „Berkut" in der Ukraine arbeiten, etc.

Einer von Schlegels „patriotischen" Gehilfen soll die antiwestlichen Kommentare pikanterweise ausgerechnet aus Brüssel organisieren, wo er lebt. In den Briefwechseln werden Kreml-Kritiker als „Faschisten", „Verräter" und „Gauner" bezeichnet.

Schlegel wurde in Russland bekannt durch seine regelmäßigen Forderungen nach Verschärfung der Zensur im Internet; das berüchtige Anti-Blogger-Gesetz geht auf seine Initiative zurück. Aus den jetzt vorliegenden Briefwechseln geht hervor, dass einige seiner Vorschläge allerdings sogar dem KGB-Nachfolger FSB zu weit gehen und sogar von dem berüchtigten Geheimdienst als „absurd" und „verfassungswidrig" eingestuft wurden.

Schlegel schrieb nach eigenen Angaben eine Doktorarbeit zum Thema: „Methoden der Verteidigung gegen Manipulationen des Massen-Bewußtseins."