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Vermögensverwaltende Fonds: Erfolgreich und kopiert

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Vermögensverwaltende Fonds gewinnen immer breiteren Raum. Während bislang vor allem Privatkunden für die Zuflüsse in die VV-Fonds verantwortlich waren, sind es jetzt mehr und mehr institutionelle Anleger, Family Offices und Stiftungen. Das sorgt dafür, dass Fondsgesellschaften immer mehr VV-Fonds auflegen - und nicht alle davon haben den Namen verdient.

Vermögensverwaltende Fonds sind - mit dieser Bezeichnung - eine relativ neue Gattung von Investmentfonds. In ihnen bündeln Vermögensverwalter ihre Arbeit, statt sie für jeden ihrer Mandanten einzeln anzubieten. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass eben nicht ein Etikett wie „Aktien Deutschland" oder „Renten Schwellenländer" darauf geklebt wird, sondern dass das Fondsmanagement viele Anlegeklassen nutzt, um das anvertraute Vermögen zu verwalten. Damit setzen sie sich von etwa reinen Aktienfonds ab, bei denen der Erfolg des Managers oft daran gemessen wird, ob er ein, zwei oder drei Prozent mehr Rendite erwirtschaftet hat, als sein Markt, bei Aktien Deutschland etwa der DAX. Für den Anleger ist das aber oft enttäuschend, denn wenn der Markt bei minus 20 Prozent liegt hilft es auch nur wenig, wenn der Fonds bei minus 17 Prozent bleibt.

Vermögensverwaltende Fonds haben deshalb einen größeren Fokus, das Risiko zu verringern, etwa durch Streuung. Darin sind viele Vermögensverwalter seit Jahren erfahren, haben sie doch bei ihren Kunden in der Regel genau so gearbeitet. Die Kunden profitieren über die VV-Fonds von dem Zugang zu Wissen und Können der Vermögensverwalter und der geschaffenen Transparenz. Denn während Vermögensverwalter früher nur dem einzelnen Mandanten Rechenschaft ablegen mussten, wird ihre Leistung mit den Fonds direkt vergleichbar. Und diese Leistungen sind zum Teil sehr gut, weshalb sich die vermögensverwaltenden Fonds auch immer mehr im Markt durchsetzen.

Die Zahlen des Bundesverbands für Investment und Asset Management (BVI) zeigen die Attraktivität der vermögensverwaltenden Fonds. Ohne dass der Verband der Fondsindustrie die Zahlen konkret ausweist lässt sich doch aus dem starken Zuwachs im Segment Mischfonds auf die VV-Produkte zurückschließen. Neben Rentenfonds haben Mischfonds im ersten Halbjahr 2013 die größten Zuflüsse verzeichnet. Die Nachfrage nach Mischfonds wächst dabei seit Jahresbeginn von Monat zu Monat am stärksten. „Konservative Anleger sind mit den niedrigen Zinsen unzufrieden, scheuen aber vor dem Kauf von Aktienfonds zurück", ließ sich Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI, zitieren: „Für diese Anleger sind Mischfonds und Multi-Asset-Fonds geeignete Alternativen."

Und das, seit die VV-Fonds eine bestimmte Größe erreicht haben, auch nicht nur für private Anleger. Vor allem für Stiftungen und Family Offices werden VV-Fonds interessant. So müssen etwa Stiftungen aus ihrem Kapital jährlich eine reale Rendite erzielen, die oft bei fünf Prozent liegt, um ihre täglichen Aufgaben und die vorgesehenen Stiftungsziele erbringen zu können. Und auch Family Offices ist daran gelegen, das ihnen anvertraute Vermögen zu erhalten. Doch gerade das aktuelle Niedrigzinsumfeld stellt für beide ein immenses Problem dar.

Dass sich mit VV-Fonds diese Ziele durchaus erreichen lassen und eine gute Rendite erwirtschaftet werden kann, zeigen die aktuellen Zahlen der Multi Manager GmbH (MMD). Im Juni haben die von dem Analysehaus errechneten Indizes zwar etwas eingebüßt. Wenn allerdings das gesamte letzte Jahr betrachtet wird, konnten alle MMD-Indizes erfreuliche Zuwachsraten aufweisen. So ist der MMD-Index All-Fund Basis seit dem letzten Jahr um 6,28 Prozent gestiegen, der MMD-Index All-Fund ex. Alternativ schaffte sogar 7,13 Prozent. Am stärksten konnte der MMD-Index VV-Fonds Offensiv mit 9,85 Prozent zulegen.

Das Segment der VV-Fonds ist auch deshalb in den vergangenen Jahren beständig gewachsen. Das liegt auch daran, dass viele Fondsgesellschaften das Etikett „Vermögensverwaltend" als Qualitätsmerkmal entdeckt haben und entsprechend nutzen. Gerade große, marketingstarke Anbieter sind hier versucht, das im Markt gut beleumundete Etikett „vermögensverwaltend" zu nutzen und es einfach auf bereits bestehende Produkte oder schnelle Neuauflagen anzuwenden. Nicht alle diese Produkte erfüllen dann die Erwartungen. Oft vor allem deshalb, weil das Management der Fonds eben doch eher wie ein Aktienmanager arbeitet und Renten-Investments oder andere Positionen gar nicht sinnvoll einzuschätzen weiß.

So ist es wichtig für Anleger, egal ob institutionell oder privat, die wirklich guten Fonds von den reinen Marketing-Vehikeln zu trennen. Hierbei darf nie die reine Performance zählen, weil VV-Fonds eben gerade ein stärkeres Gewicht auf die Sicherheit legen (sollten). Auch Risikokennzahlen müssen hier berücksichtigt werden, um gute Managerleistungen zu finden. Aber selbst gute Fondsmanager werden es kaum schaffen, immer und immer wieder den Markt zu schlagen. Deshalb ist es sinnvoll, einige gute, vermögensverwaltende Fonds zu mischen.