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Eltern, hört auf, den Lehrern eurer Kinder an allem die Schuld zu geben

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SCHULE
dpa
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Ich bin Vater von drei Kindern: ein Sohn (acht Jahre alt) und zwei Töchter (sieben und vier Jahre alt). Meine Frau ist Lehrerin, sie unterrichtet seit 15 Jahren an einer Grundschule. Daher habe ich schon so einige Geschichten von Lehrern gehört. Nun möchte ich einige Dinge, die mir aufgefallen sind, mit anderen Eltern teilen.

Wir leisten unseren Kindern einen Bärendienst. Wir ziehen eine Generation von Kindern heran, die unfähig sein wird, in der modernen Welt zurecht zu kommen. Sie werden zu Egozentrikern, die aufgeben, ohne es überhaupt erst einmal zu versuchen.

In diesem Artikel möchte ich einige Lehren weitergeben, die ich durch den engen Kontakt mit Lehrern über die Jahre gelernt habe.

Ihr seid nicht die besten Freunde eurer Kinder, ihr seid die Eltern

Wenn ich nur einen einzigen Punkt deutlich rüberbringen kann, dann ist es der, dass ihr nicht die Freunde eurer Kinder seid, ihr seid die Eltern. Es ist eure Aufgabe, euren Kindern gutes Benehmen und Moral beizubringen, sowie Regeln aufzustellen. Zu viele Eltern, die ich treffe, halten sich in erster Linie für Freunde ihrer Kinder und dann erst sehen sie sich als ihre Eltern.

Das ist ein Fehler. Ein bester Freund ist jemand, der dich in guten und in schweren Zeiten unterstützt, dich aber nicht für deine Taten zur Verantwortung zieht und dich diszipliniert. Deshalb haben wir Eltern.

Eltern, erlernte Hilflosigkeit ist euer Fehler, nicht der eurer Kinder

Wenn wir uns eines zum Vorwurf machen müssen, dann die Tatsache, dass wir unsere Kinder zur Hilflosigkeit erzogen haben. Wenn sie etwas nicht schaffen, dann reicht ein einfaches "ich kann das nicht", und wir eilen herbei, um die Aufgabe für sie zu Ende zu führen. So ziehen wir eine Generation von Kindern heran, die entweder nach dem ersten Versuch bereits aufgibt, oder es gar nicht erst probiert.

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Scheitern ist Teil des Erwachsenwerdens. Kinder müssen lernen, dass nicht immer alles gelingt. Sie müssen lernen, wieder aufzustehen, sich den Dreck abzuwischen und es noch einmal zu probieren. Sie müssen lernen, wie man Anweisungen befolgt und wie sie Erfolg haben werden, wenn es keine Anweisung oder Anleitung gibt und es nur heißt "jetzt mach mal!"

Zeigt euren Kindern, wie man eine bestimmte Aufgabe erledigt (gebt ihnen eine Anleitung), dann tretet zurück und lasst eure Kinder machen. Sicher werden sie nicht so effektiv an die Aufgabe herangehen wie ihr, aber auch das ist Teil des Erwachsenwerdens. Sie werden es beim nächsten Mal besser machen, aber wenn es kein nächstes Mal, keine nächste Chance gibt, dann werden sie es nie lernen.

Nichts frustriert einen Lehrer mehr als ein Kind, das nicht einmal versucht, eine Aufgabe zu lösen. Und doch ist es das, was sie jeden Tag sehen, weil es zu viele Helikopter-Eltern gibt, die schwierige Dinge für ihre Kinder übernehmen. So lernen Kinder nie, eine Aufgabe selbst zu lösen und werden zu unfähigen, schlecht ausgestatteten Wesen, die keine Lust haben, etwas zunächst einmal selbst zu versuchen und eine Aufgabe aus eigenem Antrieb zu lösen.

Eltern, ihr müsst für eure Kinder eintreten, aber ihr müsst auch die Lehrer eurer Kinder unterstützen.

Vielen Eltern wird gesagt, dass sie sich für ihre Kinder stark machen müssen. Das ist absolut richtig. Aber denkt daran, dass ihr euch für eure Kinder stark macht, sollte der Verantwortung, auch die Lehrer eurer Kinder zu unterstützen, nicht im Weg stehen.

Die Lehrer eurer Kinder zu unterstützen bedeutet, ihnen zuzuhören und das, was sie euch über eure Kinder erzählen, anzuerkennen. Denn ob ihr es glaubt oder nicht, es kann durchaus sein, dass sich eure Kinder außerhalb eurer Reichweite anders verhalten, als ihr es gewohnt seid.

Vielen Eltern entgeht auch die Tatsache, dass es sich bei Lehrern um Profis handelt. Nur weil jeder zur Schule gegangen ist, heißt das noch lange nicht, dass auch jeder ein Lern-Experte ist. Wenn ihr dem Lehrer eurer Kinder in deren Gegenwart widersprecht oder sein, beziehungsweise ihr Urteil in Frage stellt, dann vermittelt ihr eurem Kind gleichzeitig, dass die Autorität des Lehrers nicht respektiert werden muss.

Wenn euch der Lehrer etwas anvertraut, dann wendet euch nicht sofort an euer Kind und fragt, ob das auch der Wahrheit entspricht. Vielleicht glaubt ihr, dass ihr euer Kind so in die Diskussion miteinbezieht.

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Tatsächlich aber stellt ihr die Glaubwürdigkeit des Lehrers beziehungsweise der Lehrerin vor euren Kindern in Frage. Betrachtet das Ganze einmal aus der Sicht des Lehrers. Ihr habt ihm grade zu verstehen gegeben, dass ihr ihm keinen Glauben schenkt, solange euer Kind die Aussage nicht bestätigt.

Der Lehrer kann bei der Erziehung eurer Kinder nicht eure Rolle übernehmen

Viele Eltern sind fälschlicherweise der Meinung, dass ein Lehrer Kindern all die wichtigen Lehren, die sie für das Leben brauchen, in der Schule beibringen kann. Aber als Eltern liegt es in unserer Verantwortung, unseren Kindern gutes und respektvolles Benehmen beizubringen. Das ist nicht Aufgabe der Schulen.

Viele Eltern lassen sich außerdem zu Aussagen wie "ach, darum soll sich der Lehrer kümmern!" verleiten. Jetzt denkt aber mal an die reinen Zahlen. Ein Lehrer sieht eure Kinder ungefähr sechs Stunden am Tag, fünf Tage die Woche, 40 Wochen im Jahr. Das ist nicht genug Zeit, um ihnen neben dem Lehrplan auch noch Gesellschaftsregeln beizubringen.

Eure Aufgabe als Eltern ist es, euren Kindern ein Vorbild zu sein und euren Kindern die wichtigen Werte und Lehren des Lebens zu vermitteln. Ein Lehrer kann euch hier unterstützen, aber ihr seid es, denen eure Kinder nacheifern, also gebt ihnen ein gutes Beispiel ab.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post CA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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