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Was nach Sonntag passiert ist die logische Konsequenz eines komischen, nicht lustigen Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WAHL MECKLENBURG
dpa
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Vor wenigen Tagen erreichte mich die E-Mail einer Redakteurin der Huffington Post Deutschland. Sie bat mich einen Gastkommentar für eine Sonderreihe bezüglich der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern zu verfassen.

Der Aufhänger laut Mail und eine Frage, die sich das Content-Management-System mit angeschlossener 15-köpfiger Redaktion und Community stellt ist, was ich zum Jahrestag des denkwürdigen Merkelzitates: "Wir schaffen das" sage.

Ein gewöhnlicher Satz

Im ersten Moment würde ich sagen, dass das ein gewöhnlicher Satz ist. Subjekt, Prädikat, Objekt - soweit alles korrekt. Das genau dieser Satz zeitgleich mit den Schicksalswahlen in Mecklenburg-Vorpommern seinen Jahrestag feiert ist natürlich ein lustiger Zufall, den es definitiv maßlos auszuschlachten gilt.

An dieser Stelle einige Zitate, die meiner Meinung nach ebenso wenig aus dem deutschen
Kollektivgedächtnis gelöscht werden sollten:

1. "Wir brauchen umfassende Kontrollen, damit nicht weiter so viele unregistrierte Flüchtlinge über Österreich einreisen können. Die Polizei muss auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So steht es im Gesetz." - Frauke Petry über Grenzschutz, am 30. Januar 2016

2. "Wer das Gastrecht missbraucht, der hat das Gastrecht dann eben auch verwirkt." - Sahra Wagenknecht über Geflüchtete, am 11. Januar 2016

3. "Wir müssen die Grenzen dicht machen und dann die grausamen Bilder aushalten." - Alexander Gauland zum Grenzschutz, am 24. Februar 2016

4. "1000 Jahre Deutschland - ich gebe euch nicht her." - Björn Höcke, immer

5. "Deswegen sage ich, die sind balla balla und ein Pfeifenverein und ich bleibe auch dabei." - Gregor Gysi zum Bundesamt für Verfassungsschutz, am 14. Juli 2016

Auf diese erste Frage der Mail aufbauend folgten weitere. Eine davon: Was bedeuten die Flüchtlinge für Mecklenburg-Vorpommern? In erster Linie bedeuten die Flüchtlinge für uns Geld! Immerhin schafften es im vergangenen Jahr über 29,5 Millionen von ihnen aus Sachsen und den anderen alten und neuen Bundesländern - teilweise über die gefährliche Brandenburgroute - in den nachgewiesen sonnigsten Winkel unserer Republik.

Schlechtwetterflüchtlinge bringen Geld

Diese sogenannten Schlechtwetterflüchtlinge bringen nicht nur Wirtschaftsleistung und Kapital in unser Land sondern mit ihren fremden Sprachen und Gepflogenheiten auch Interkulturalität und Pluralismus in unseren braunen Alltag. Aber eben in erster Instanz Geld.

Ich hoffe, dass die Redaktion der Huffington Post Deutschland diese Flüchtlinge und nicht diejenigen meint, die vor Hunger, Krieg oder anderen unvorstellbaren Qualen geflohen sind. Immerhin reden wir hier im Bundesland von einem Betreuungsschlüssel von 1:1278. Nein, Sie meinen sicherlich die Schlechtwetterflüchtlinge.

Darauf aufbauend resultiert auch die Antwort auf eine weitere Frage der Mail: Was muss diesbezüglich unternommen werden?

Viele sagen: Brandenburgroute sperrangelweit auf und mehr, mehr, mehr. Mehr Strände, mehr Attraktionen, mehr Angebote, mehr Meer, mehr Sand, mehr Strandkörbe, mehr Eis, mehr Pommes Schranke, mehr Fun, Fun, Fun für diese armen Flüchtlinge und vor allem mehr Kommata pro Satz.

Wir von der PARTEI sagen aber, dass es irgendwann auch reicht! Die Autos stauen sich auf unseren schönen neuen Autobahnen, die Strände quellen über und werden im Übermaße verdreckt, Gastronomen, Hoteliers und deren Angestellte stöhnen vor Überbelastung.

Ein antitouristischer Schutzwall

Damit muss Schluss sein! Aus diesem Grund fordern wir einen antitouristischen Schutzwall an unseren Grenzen, der in Stoßzeiten unsere Heimat vor dem Ansturm von Touristen schützt.

Nur mit diesem Plan können wir gewährleisten die historische Aufgabe, vor der wir stehen - also auch im dritten Jahr in Folge die meisten Schlechtwetterflüchtlinge deutschlandweit und unabhängig vom Königsteiner Schlüssel aufzunehmen - adäquat zu bewältigen und in Einklang mit den Interessen unserer Bevölkerung zu bringen.

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Bei der Bewältigung dieser Aufgabe wird uns auch die Beantwortung einer weiteren Frage der Huffington Post Deutschland Redaktion helfen: Gibt es einen Rechtsruck in Mecklenburg-Vorpommern?

Natürlich gibt es ihn und das ist auch gut so! Das ist wichtig und wurde viel zu viele Jahre unter den Tisch gekehrt und als Schandfleck unseres Landes abgetan. Von Berlin, der Europäischen Union und den USA wird dieser Rechtsruck gar unterbunden. Rechts von Mecklenburg-Vorpommern ist Polen. Noch weiter rechts ist Russland.

Beide Länder und die dazwischen auch sind wichtige Partner für uns. Das haben bereits mehrere Politiker wirklich aller Parteien in diesem Wahlkampf klar gemacht. Sanktionen müssen enden und Gespräche aufgenommen werden. Ein Rechtsruck wie ihn diese Republik noch nie gesehen hat muss gerade mit unserem direkten Nachbarn rechts, also Polen, stattfinden und weit über das Maß hinaus gehen auf dem er im Moment existiert.

Neben Autos und Zigaretten, Erdgas, gewaltigen Silvesterknallern und billigen Arbeitskräften gibt es vieles was hin und her gerückt werden kann. Wissenschaft, Kultur, Religion, Päpste, Wirtschaftsgüter, noch mehr Zigaretten und nicht zuletzt auch noch mehr Schlechtwetterflüchtlinge.

Wir können mit Polen mehr teilen als eine Insel und die Oder-Neiße-Grenze und das sollte auch jeder wissen.

Was nach Sonntag passiert ist also nur eine logische Konsequenz einer fehlgeleiteten Tourismuspolitik und einem komischen, nicht lustigen Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern. Ich möchte nur hoffen, dass am Montag noch alle lieb zueinander sind.

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