BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Björn Uhde Headshot

"Ich könnte heulen" - so ist die Stimmung in der SPD nach der Wahl

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LANDTAGSWAHL SPD
dpa
Drucken

Shit.

Still ist es. Quer durch die Partei. Irgendwas zwischen Schock und wirklich großem Erstaunen. Wusste man in Schleswig-Holstein, daß es knapp werden würde, war NRW als sichere SPD-Bastion an sich unumstritten. Ja: "War".

Heute ist klar: Kraft und die SPD sind klar abgewählt worden. 9% Verlust (der sich zwar von Hochrechnung zu Hochrechnung minimiert), daneben die CDU mit einem durchaus umstrittenen "Kniffel"-Laschet und mit einem Wahlkampf, der teilweise auf nachgewiesenen Falschaussagen (Mittel des Bundes für den Landesverkehrshaushalt) basierte: Das sind die großen Gewinner.

Erste Stimmen gehen, jetzt so kurz nach dem Rücktritt Hannelore Krafts, von der Schulpolitik als Sollbruchstelle aus. Das sei das Gebiet der Grünen gewesen, und die hätten - so eine Stimme - "wirklich nichts begriffen".

"Wie kann man die Pfeife Laschet bloß wählen?"

Aber auch andere sagen, man habe sich zu sehr im Klein-Klein verloren und das, was Sozialdemokraten ausmacht, nicht offensiv genug nach außen vertreten. Ähnlich wie in Schleswig-Holstein habe das allerdings wenig mit Schulz zu tun.

Mehr zum Thema: "Furchtbar": Das sind die ersten Reaktionen auf den Wahlsieg der CDU

"Wie kann man die Pfeife Laschet bloß wählen? Ich könnte heulen" - "Das zwölfte Bundesland, in dem die Rechtspopulisten sitzen. Ekelhaft. Jetzt gilt es, auf den 24. September zu sehen" - Stimmen, die zeigen, daß man sich den heutigen Abend, wenn schon mit einem Verlust, doch deutlich geringer vorgestellt hat.

Ein weiterer, subjektiv aufgenommener Punkt: Die SPD sei zu altbacken erschienen, der Dreiklang Schulpolitik, Verkehr und Innere Sicherheit erkläre den deprimierenden Wahlausgang.

War Ralf Jäger ein Klotz am Bein?

Andere sind weniger geschockt, beschreiben den Abend an Rhein und Ruhr als "absehbar". Einige wenige gehen so weit und schreiben die SPD bei der Bundestagswahl schon komplett ab.

Weiterer Grund für die Schlappe: Ralf Jäger. Nicht wenige sind der Auffassung, daß das Festhalten am nach der Kölner Silvesternacht und dem Fall Anis Amri umstrittenen Landesinnenminister ein schwerwiegender Fehler war. Obwohl er davon abgesehen "an sich einen guten Job" gemacht habe, sei er ein Klotz am Bein gewesen.

Mehr zum Thema: Alls zur NRW-Wahl im Live-Blog

Der sofortige Rücktritt Hannelore Krafts wird mit Wohlwollen aufgenommen - das sei "klare Kante" und "folgerichtig". Was nicht vergessen werden sollte: Sie ist nicht nur als Ministerpräsidentin, sondern auch als Landesvorsitzende und stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende zurückgetreten.

Die SPD an Rhein und Ruhr ist nachvollziehbar tief enttäuscht

Es wird sich also in der größeren SPD-Architektur etwas verändern.

Natürlich zieht die Landtagswahl im größten deutschen Bundesland auch Stimmen von weiters an, die beschränken sich aber auf Allgemeinplätze (und sind daher wenig aussagekräftig): Die SPD sei zu unkonkret in ihrer Linie und - natürlich - werde alles besser, wenn man sich vom "Neoliberalismus" verabschieden würde.

Bekannte Formulierungen bekannter Figuren, die durchgängig destruktiver Natur sind.

Fast einstimmig: keine Große Koalition in Nordrhein-Westfalen. Laschet solle jetzt zeigen, was er drauf habe und ein Jamaika-Bündnis mit FDP und Grünen zimmern - oder eine schwarzgelbe Minderheitsregierung anführen.

Die unausgesprochene Hoffnung: Er scheitert daran.

Leider sehen die Hochrechnungen ein christlich-liberales Bündnis als zunehmend wahrscheinlicher an - wenn auch nur mit hauchdünner Mehrheit von einer Stimme.

Was bleibt? Langfristig ist das heute noch nicht abzusehen. Kurzfristig lässt sich sagen: Die SPD an Rhein und Ruhr ist nachvollziehbar tief enttäuscht. Die Ratlosigkeit, wie es dazu kommen konnte, die wird man nicht in wenigen Tagen beseitigen können.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.