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Niemanden interessieren die Ergebnisse - doch wir werden noch lange unter den G20-Krawallen leiden

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G20
dpa
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Das Bitterste an all dem sind die Bürger, deren Mazdas, Renaults und Kias in Altona abgefackelt wurden, die Geschäftsleute, deren Läden zerstört und verwüstet wurden.

Nicht eine dieser Aktionen hat es "dem Kapital" oder "dem Schweinesystem" gezeigt. Menschen wie du und ich wurden getroffen, die jetzt ihren Job, ihr Leben deutlich erschwert fortführen müssen.

Und, nein: ein Auto anzuzünden, da kommt der nette Herr Kaiser von der Versicherung nicht am nächsten Tag mit nem Bündel Geldscheinen. Es ist keine "zu vernachlässigende Kleinigkeit angesichts der weltweiten Ungerechtigkeit." Es ist schlicht völlig hirnverbrannt und unverantwortlich.

Beste Munition für CDU, CSU und AfD

Es wird sich bemerkbar machen: hemmungslose Gewalt (oder deren Anschein!) wird zukünftig noch konsequenter, härter und unnachgiebiger verfolgt werden. Es wird weniger Freiheiten bei Demonstrationen geben, kürzere Geduldsfäden.

Das Auflösen der Protestcamps war im Nachhinein wohl richtig (und ja: ich fand es zuerst auch übertrieben). Für "Kulturzentren" wie die Rote Flora, wie die Rigaer Straße, wird es eng. Wenn Stimmen aus der Politik die Schließung dieser Etablissements fordern - wer soll sich diesem Ansinnen nach dieser Nacht noch verschließen?

Mehr zum Thema: All wichtigen Informationen zum G20-Gipfel findet ihr in unserem Live-Blog

Das Wort vom "Nichtdulden egal welcher Parallelgesellschaften - Nazis, arabische Clans oder eben Linksextreme" erhält Durchschlagskraft, und das völlig zurecht.

Ergebnisse des Gipfels interessieren jetzt schon niemanden mehr, durchaus berechtigter Protest dringt nicht mehr durch - und wird wohl gedanklich oft mit den Extremisten und ihrem Bürgerkrieg im Schanzenviertel in Verbindung gebracht.

Auch das muss Protest erst mal schaffen: den eigenen Protest abzusägen und dessen Berechtigung zu vernichten. Ein Bärendienst für all jene, die sich friedlich äußern wollten, beste Munition für CDU, CSU und AfD: Wer mag widersprechen, wenn von "schlimmster linksextremer Gewalt" gesprochen wird?

Der deutlich massivere Anstieg rechtsextremer Straftaten, das Gift des Hasses, das von Rechtsaußen die Gesellschaft hinterhältig zersetzt, all das wird durch den Bürgerkrieg in einigen Hamburger Straßen völlig relativiert - und verblasst. Schwer zu glauben, daß das so gewollt war.

"Das bisschen Gewalt"

Pack bleibt Pack, egal ob es in Heidenau Straßen in Schutt und Asche legt und Ausländer jagt oder in Hamburg Straßen in Schutt und Asche legt, Bürgerkrieg auf dem Rücken tausender Anwohner probt und sinnlose Gewalt zelebriert. Sicherheit ist nicht links oder rechts, Sicherheit ist menschliches Grundbedürfnis.

Mehr zum Thema: "Es war eine Scheißidee": Medien streiten, wer an den Hamburger Gewaltexzessen Schuld hat

Das jetzt seitens der Roten Flora zur Schau gestellte Entsetzen ist meines Erachtens verlogen: Es gibt kein "bisschen Gewalt", das dann "gesellschaftlich vertretbar" ist. Entweder friedlich - oder gar nicht.

Wer Öffentlichkeit will, vermummt sich nicht. Hinweise auf die "Hamburger Härte" bei der Auflösung der "Welcome to hell"-Demonstration ist billiges "Blame-Game": "Ja, wir haben Stadtteile von Hamburg tagelang verwüstet, aber hätte uns die Polizei nicht provoziert..." Wer so argumentiert, sollte sich in keine (politische) Debatte mehr einmischen. Nie mehr.

Kommt dann als Nächstes: "Ja, ich habe den IKEA verwüstet, aber hätte mich die Farbe des Billy-Regals nicht provoziert...?"

Die eigene Freiheit endet dort, wo die des anderen beginnt: Wer sich glücklich schätzt, nicht in einem autokratischen Regime zu leben, sollte nicht davon ausgehen, er hätte hier die Freiheit, seine Kritik in Form von lokal begrenzten Bürgerkriegen frei zu äußern.

Mehr zum Thema: Szene-Anwalt: Randalierer sollen bitte nicht im eigenen Viertel marodieren - sondern bei den Nachbarn

Wer das tut, hat Freiheit nicht verstanden. Man hat sich trotzdem an Regeln zu halten. Freiheit ist nicht, sich die Freiheit zu nehmen, Anordnungen der Polizei keine Folge zu leisten um sich dann im Anschluss die Freiheit zu nehmen, die nächste Drogerie oder den nächsten Supermarkt in Schutt und Asche zu legen.

Um schlussendlich das Fazit "damit kritisiere ich die menschenverachtenden Auswüchse des globalisierten Kapitalismus" zu ziehen. Das ist eine derart mental dürre Slapstick-Nummer, die von eng begrenztem kognitiven Horizont des Debattierenden kündet. Kurz gesagt: es ist völlig hirnverbrannt.

Entsetzen, Erschütterung und Fassungslosigkeit

Ich denke an die über 200 verletzten Polizisten und gerade deren Familien, für die die Bilder der rauchenden Trümmer mitten in einer der wohlhabendsten Städte Europas völlig verstörend sein müssen, an deren Angst - und kann es den Beamten in dieser Ausnahmesituation auch nicht übelnehmen, wenn sie nach Ansage einer Räumung auch wirklich im Zweifelsfall jeden, egal ob Bürger oder Journalist, aus dem Weg räumen, der vielleicht just in diesem Moment eine Debatte über Pressefreiheit führen will.

G20 in Hamburg wird die öffentliche Debatte über den Tag hinaus bestimmen. Es ist zu hoffen, daß sich diese blinde Zerstörungswut zukünftig nicht wiederholt - und man in der Stadt die richtigen Schlüsse zieht.

Im Moment, so kurz danach und eigentlich noch mittendrin, bleibt mir Entsetzen, Erschütterung und Fassungslosigkeit. Hoffentlich bleibt es heute ruhig. Dieses wunderbare Hamburg hat das nicht verdient.

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