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So funktioniert die AfD

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13, 14, 19, 24 Prozent - damit wird die selbsternannte Alternative in deutsche Landesparlamente gewählt. Bundesweit erreicht sie 14 Prozent. Was macht diese Partei so erfolgreich? Hier steht, warum.

Erwarten Sie jetzt keine große politische Abhandlung. Gehen Sie nicht davon aus, dass es hier um „Politik" geht. Denn Politik ist komplex. Dafür hat die AfD keinen Nerv. Es geht der AfD nicht um Politik, sondern um Demagogie. Die folgenden 7 Weisheiten befolgt die Partei daher sklavisch. Und verkauft das anschließend als „Politik".

Eigentlich ist es ein demagogisches Faschingstreiben. Kommen Sie mit ins irre Abenteuerland. Es sind ja nur 7 Schritte.

Schritt 1: Predigen Sie. Etwas Einfaches

Sie wissen ja: die Gesellschaft ist komplex. Politik ist nicht mit dem gordischen Knoten vergleichbar, den man in der Mitte zerschlägt. Da steigt kein normaler Mensch mehr durch! Kärrnerarbeit, sich in Themen einlesen, über Jahre zum Experten zu werden - ach Gottchen, das geht viel leichter!

Tun Sie als erfolgreicher Demagoge einfach so, als ob alles fürchterlich einfach wäre. Geben Sie, um Ihr Publikum nicht zu überfordern, die Antworten gleich selber - und glauben Sie sie am besten auch.

Also:

• Beamte sind faul.
• Flüchtlinge sind kriminell.
• Politiker sind korrupt.
• Parteien denken nicht ans „Volk", nur an sich selbst.
• Die Presse ist gelenkt.
• Der Islam ist gefährlich.

Na, Sie kennen das ja.

Sie roden damit den Dschungel der Komplexität - und machen alles fürchterlich übersichtlich. Einen adrett hergerichteten Garten erschaffen Sie, alles schön aufgeräumt. Leider vollkommen realitätsfremd. Das ist vielleicht der Vorgarten von „Wolkenkuckucksheim", aber mit der wirklichen, immer noch komplexen und vielschichtigen Welt hat das nichts zu tun.

Es ist egal - denn Sie nehmen Ihr Publikum auf einen gedanklichen Wellness- und Entspannungstrip mit: alles nicht so schwer, wie „die" immer sagen. Komplexität reduziert - der Mensch fühlt sich aufgehoben, in dieser übersichtlichen Welt. Voll von hart und brav arbeitenden Menschen. Und „die Anderen" kriegen selbst „diese einfache Welt" nicht geordnet! Wenn es unter Ihrem Publikum noch immer Leute gibt, denen es schlecht geht? Dann sind's „die Anderen". Unter anderem die, die diese einfache Welt nicht mal ordnen können!

Schritt 2: Teilen Sie die Welt. In „die Wir" und „die Anderen"

Kurze, einfache Formel (wir reduzieren ja die Komplexität):

• „Wir" sind gut, „die Anderen" sind böse.

Ganz wichtig: nie etwas Positives über „die Anderen" sagen!

„Die Anderen" (Flüchtlinge) können keine Ordnung halten.
„Die Anderen" sind kriminell.
„Die Anderen" bedrohen „unsere deutschen Frauen".

Und wenn nicht, dann praktizieren „die Anderen" eine Religion, die man nicht kennt (den Islam).

Klappt auch mit Politikern, der Presse oder großen Wirtschaftsunternehmen.

Alsdann zündet man die zweite Stufe: die der Bedrohung.

„Die Anderen" werden immer mehr.
„Das System" lässt die ins Land!
Egal, wohin man guckt: man wird verraten!

Von der Presse. Von der Politik. Vom Leben an sich. Vom Busfahrer, wenn man zu spät an der Haltestelle steht. Und all das als „ehrlicher, arbeitsamer, deutscher, braver, deutscher Bürger!" Es ist die Kanalisation aller möglichen und vermeintlichen Ungerechtigkeiten und deren Fokussierung auf „die Anderen".

Der, der so redet, handelt demagogisch. Er verstärkt Ängste (vollkommen irrelevant, ob sie tatsächlich existieren) und lenkt sie eben auf „die Anderen", die vermeintlichen „Feinde", um:

• Wir werden falsch informiert! Wer ist schuld? „Die Lügenpresse!"
• Unsere Vorschläge, auch wenn sie vollkommen absurd und irr sind, werden nicht gehört! Wer ist schuld? „Die Etablierten (Parteien oder Politiker)! Die hören einfach nicht zu!" dass es vielleicht in der Natur des vollkommen weltfremden Vorschlags liegt, wird, muss geleugnet werden; denn „Wir" sind ja stets gut. Ergo sind das auch unsere Vorschläge.
• Keine Gehaltserhöhung? Liegt am „dicken Siggi", der „sich schon wieder die Diäten erhöht hat!" (alles inhaltlich komplett falsch, aber egal)

Es werden bewusst Gegensätze konstruiert: hier der kleine Betrieb, der erfolgreich sein könnte, wenn er nicht gegen das große Unternehmen konstant verlieren würde; hier der arbeitsame Angestellte, dem „das System" zu viele Steuern abknöpft; und natürlich auch der Klassiker: „„die Anderen" kriegen alles gestellt: Wohnung, Geld, Lebenshaltungskosten, Integrationskurse! Und ich? Ich bange um meine Rente!"

Es geht stets um den Kampf gegen „die Anderen". Spaltung wird herbeigeredet und alsdann als Bedrohung zementiert.

In diesem Kampf ist der Demagoge kreativer Sprachschöpfer. Fragen Sie sich selbst, seit wann folgende Worte Eingang in die Alltagssprache gefunden haben:

• Altparteien
• Lügenpresse
• Establishment
• Parteienkartell
• Pinocchiopresse
• Zecke
• Sozialschmarotzer
• Berufsdemonstrant
• Einheitspartei
• Merkeldiktatur

Schritt 3: Geben Sie sich unfehlbar. Geben Sie niemals einen Fehler zu

Die AfD ist Meisterin dieser Disziplin. Sie preist sich als „einzig wahre Stimme des Volkes" an. Wer nicht für sie ist, ist „gegen Deutschland". Vollkommene Selbstüberhöhung, mit einem Nimbus der Unzerstörbarkeit. Die „einzige Volkspartei" - Sie kennen das.

Hier dürfen keine Fehler passieren, ganz klar. Tun sie es doch, ist es Zeit für Uminterpretation.

Die Liste dieser Uminterpretationen ist lang:

• Der „Schießbefehl": Interview gegeben, autorisiert, veröffentlicht - und nachher war alles „falsch wiedergegeben". Trotz Aufzeichnung und Autorisierung.
• Der „Mausrutscher": Auf die Frage, ob Beatrix von Storch auch auf Frauen schießen würde, antwortete sie mit einem knappen, unmissverständlichen JA. Später war sie auf der Maus ausgerutscht. Jetzt, ernsthaft?
• Gaulands Gedächtnisschwäche: „Nicht neben Boateng wohnen wollen? - Kann mich nicht erinnern, das jemals gesagt zu haben! Und wenn ich es gesagt habe, dann habe ich ja nur gesagt, dass es Menschen gibt, die so denken könnten." --> Jemand, der so spricht, weiß haargenau, was er da sagt.
• Eigene Statements werden teilweise Wort für Wort seziert, um in erbsenzählender (und unwahrscheinlich nervtötender!) Manier dem Gegenüber zu beweisen, dass alles ganz anders war. --> Was wiederum dafür spricht, dass hier einer ganz genau weiß, was er gesagt hat. Und die Worte mit Bedacht gewählt hat. Ansonsten könnte das mit dem Sezieren nicht so gut klappen.

In allen Fällen wird den handelnden AfD-Personen Fehlverhalten nachgewiesen - schuld sind trotzdem immer „die Anderen" (s. Punkt 2).

In den obigen Beispielen natürlich die „staatlich gelenkte und indoktrinierte Presse", die „bewusst falsch berichtet". Am Ende geht es gar nicht mehr um die eigentlichen Themen, sondern um die Versuche eines „bösen Systems", die AfD zu schädigen. Die AfD steht auf einmal im Mittelpunkt, und zwar als Super-Märtyrer der Nation - und nicht mehr das Thema. Opferrolle deluxe.

Warten wir auf Frauke Petrys Statement, wenn sie des Meineids überführt werden sollte. Ich wette auf „das Justizsystem lässt Pädophile (Anspielung auf Edathy) davonkommen und ich werde, weil ich anderswo schlicht die Dinge sage, die das Volk denkt, hier abgestraft!"

Also: Erfinden Sie Sündenböcke! Damit lassen sich Probleme ganz einfach erklären:

• Warum gibt es Arbeitslose? Weil die Flüchtlinge den Deutschen Arbeitsplätze wegnehmen!
• Warum wird Frauke Petry, Alexander Gauland, Björn Höcke (wählen Sie den Namen nach Ihrer persönlichen Tagesform) so angefeindet? Weil sie so mannhaft die Interessen des kleinen Mannes vertreten und weil die da oben Angst um ihre Privilegien haben!
• Warum ist die Rente unsicher? Weil die nichtlegitimierte Merkeldiktatur Millionen Muslime ins Land lässt, um die „Umvolkung" durchzusetzen!

Demagogen aktivieren so die Ängste des kleinen Mannes, zugleich aber auch seine Hoffnungen und Größenfantasien. Die AfD ist Opfer und Held zugleich. Ihre Vertreter handeln stellvertretend für die kleinen Leute: sie leiden wie sie, die Erfolge der AfD sind die Erfolge des kleinen Mannes. Und sie machen schließlich, was der kleine Mann nicht tut: Aufstehen und auf den Tisch hauen.

Maximale Solidarität, verbunden mit Bewunderung für die „Teufelskerle" der AfD, die im entscheidenden Moment das Ganze nicht mehr mit sich machen lassen.

Wenn sie scheitern, dann liegt es am verhassten „System", gegen das sie sich ja heroisch auflehnen. Und das eben ab und an auch mal nicht klappt. (Wahl)siege werden ebenso extrem (dann positiv) überhöht.

Eigener Misserfolg? Schlicht nicht vorgesehen. „It's the system, stupid!" Ansonsten führt hier eine daily soap Regie.

Schritt 4: Gefühle, Mann! Gefühle!

Sprache ist das eigentliche Werkzeug von Demagogen. Mit Sprache werden kalkuliert Emotionen geweckt. Das ist wichtig, denn die Entscheidung, einer Partei seine Stimme zu geben, wird nicht nach rationalen Argumenten (ein Irrglaube, der in der SPD weit verbreitet ist!), sondern nach Gefühl getroffen. Der normale Mensch ist kein politisch denkendes Lebewesen. Schlicht keine Zeit dafür, wenn es für die Tagesschau reicht, ist das schon großartig.

Willy Brandt, Bruno Kreisky: denen flogen die Herzen einfach so zu. Nicht mit rationalen Argumenten zu packen. Die hat man einfach gemocht. Man fühlte sich gut bei denen.

Demagogen wissen das. Und nutzen es. Im Zustand einer Gefühlserregung ist die Urteilskraft deutlich herabgesetzt, man ist empfänglicher für plakative Slogans. Und damit pflastert die AfD flächendeckend die sozialen Netze zu.

Fragen Sie sich selber: Welche Politikertypen waren die letzten 10 Jahre „angesagt"?

Selbstkontrollierte, administrative, technokratische Gestalten. Frau Merkel ist keine Frau mit enormen Gefühlsausbrüchen. Auch Heiko Maas wirkt nicht wie ein Rock 'n Roller. Und das zieht sich durch die politische Klasse: vage, technisch, wenig Emotion - und am Ende meist „alternativlos".

Demagogisches Reden verlangt das genaue Gegenteil: kurze, prägnante Sätze mit viel Gefühl. Die Sprache der AfD funktioniert so, peitscht auf und wirkt im Gegensatz zu der anderer Politiker verständlich. Rechtschreibfehler inklusive. Hauptsache kurz, empörend, wütend und gegen vermeintlich „äußere Feinde" gerichtet. Damit werden Bedürfnisse bedient.

Die Sprache ist ein eklatanter Gegenpol zu der, die wir aus dem politischen Betrieb kennen. Und damit wichtiges Unterscheidungsmerkmal. „Wir" gegen „die Anderen" - aber das kennen Sie ja schon.

Demagogische Gefühlssprache ist kein Nebenprodukt von Politik und keine Folge von spontanen „Entgleisungen", die einem Politiker in der Hitze des Gefechtes passieren. Das ist ein zielgerichtetes Instrument. Begriffe wie „Asylantenstrom, Flüchtlingsflut, Invasion und Überschwemmung durch Fremde" wurden sorgfältig ausgewählt. Sie lösen Angst aus. Menschen wird das Gefühl vermittelt, Entsetzliches komme auf sie zu. Die AfD kann sich sodann als vermeintlicher „Retter" präsentieren. Ordnung und Sicherheit ausstrahlen.

Wirkungsvolle persönliche Angriffe zielen daneben auf den Namen oder auf körperliche Besonderheiten der entsprechenden Personen. Sigmar Gabriel wird zum „Siggi", zum „Dicken" oder zum „Siechmar". Auch das Straßenschild mit dem „Merkelmussweg" oder die Analogie zwischen Goebbels und Maas dienen dieser Emotionalisierung der Sprache.

Schritt 5: Drohen Sie „den Anderen"

Wer sich Frohnmaier und andere AfD-Vertreter anhört, kommt zum Schluss: Sie sind eigentlich Gewalttäter der Sprache. Frohnmaier sagt unverfroren „Wir werden hier aufräumen, wenn wir an der Macht sind!", die AfD-Führung will das Land „von den Altparteien befreien, Deutschland wieder demokratisch machen." Und das politische System sei „natürlich längst sturmreif".

Politik ist Kampf: Gegen „ungezügelte Invasion von Asyltouristen", gegen die „grundgesetzwidrige Abschaffung des Bargeldes", gegen den „Ausverkaufs Deutschlands mit TTIP" und natürlich immer wieder gegen die „korrupten Eliten, die Deutschland zugrunderichten - bewusst!" Erklärt wird nichts, dafür wird man von einem Strom an Behauptungen, die Empörung, Wut und Zorn auslösen sollen, überschwemmt.

Ein solcher Sprachgebrauch regt Gewaltfantasien an.

Befriedigen Sie dieses Bedürfnis Ihrer Anhängerschaft, „Feinden" zu drohen: der „Kampf gegen Links" auf einem Plakat mit brennenden Straßensperren. Millionenfach in den Kommentarspalten von Facebook, wo Kommentatoren Flüchtlinge vergasen, Politiker ermorden und Journalisten hinrichten wollen. Alles egal, Hauptsache: Hass. Befördern Sie das. Das sichert Ihre Macht.

Diese Drohungen (in den Reden, weniger auf Plakaten) animieren Gefolgsleute. Da werden Flüchtlinge verwünscht, dem eigenen Hass gegen vermeintlich „nichtdeutsche" Mitbürger freier Lauf gelassen, bis hin zu Vergasungen, Erschießungen und Ertränkungen. Die komplette Bandbreite, frei von jedem menschlichen Anstand, wird da unter dem Mantel der „Meinungsfreiheit" abgefeiert. Für die man sich im Anschluss wieder gerne aufs Grundgesetz beruft. Man ist ja flexibel, als Demagoge.

Schritt 6: Erzählen Sie Geschichten

Demagogen sind begnadete Märchenerzähler. Sie erläutern ihre Behauptungen gern anhand anschaulicher Geschichten. Sie greifen Einzelfälle aus der Feind-Gruppe („die Anderen") heraus und stellen sie exemplarisch an den Pranger. Und konstruieren eine Geschichte „pars pro toto". Ein Einzelfall wird zur Regel. Und damit zur Bedrohung.

Was vorgestern der Euro war, gestern der Flüchtling, heute der Islam, kann morgen die linksextremistische Gewalt sein, übermorgen Sozialdemokraten, Brillenträger oder Fahrradfahrer. Feindbilder können gewechselt werden wie Unterhosen. Vollkommen beliebig, hat sich eins abgenutzt, baut man ein neues auf.

Am Ende geht es um nichts Inhaltliches. Es geht um die Empörung.

Fakten zählen nichts in der Propaganda dieses erfundenen, bedrohlichen Weltbildes. Machen Sie sich also als Demagoge frei von „empirischen Beweisen". Seien Sie kreativ, und überwinden Sie die Wirklichkeit: Erfinden Sie Ihre eigenen Zahlen. Aus einem singulären Kriminalfall wird so schnell eine deutschlandweite Bedrohung organisierter orientalischer Sexgangster.

Erinnern Sie sich an den Kieler Sophienhof? 30 entfesselte Flüchtlinge auf der Jagd nach minderjährigen deutschen Mädchen! Am Ende blieb davon ein Gespräch übrig, das offenbar ein Mädchen so erzürnte, dass es diese Geschichte erfand. Hunderttausende Flüchtlinge sind unregistriert im Land? Pah! Das sind Millionen illegaler Asylanten! - das und viele andere, kleine Geschichten reichen der AfD zur konstanten Empörung. Die braucht sie, um am Leben zu bleiben.

Facebook wird hier zum Brandbeschleuniger des Brandstifters, solche Geschichten sind binnen Stunden zigfach im braunen Dunkelfacebook geteilt - und erreichen Tausende.

Erfinden Sie Autoritäten, wie Daten, Gesetze oder Personen, um ihre Argumente zu stützen. Quellen von Umfragen oder Zahlen? Werden überbewertet. Gehen Sie nie genau darauf ein. Wenn Sie es wider Erwarten müssen, schieben Sie es auf die Ungerechtigkeit des Systems, das Sie dazu zwingt. Oder unterstellen Sie Ihrem Gegenüber Arroganz, Abgehobenheit und/oder Unkenntnis.

Sicherstes Zeichen, dass man gegen einen Demagogen gewonnen hat: er verabschiedet sich urplötzlich aus einer Diskussion.

Trotzdem können Sie sich freuen, lieber Demagoge: je irrer, je wirrer Sie Ihre Behauptungen hinausposaunen, desto eher werden sie von der Gegenseite aufgegriffen, verurteilt - und damit weiterverbreitet. Parasitär verbreitet sich die Botschaft auf der „anderen" Seite so ebenfalls weiter.

Das Wichtigste ist erreicht: Man bleibt im Gespräch. Und zwar überall. Beatrix von Storch ist seit heute der festen Auffassung, Angela Merkel möchte die EM abschaffen. Wirre Aussage, zigfach geteilt: Ziel erreicht. Popcorn steht bereit.

Schritt 7: Wiederholen, wiederholen, wiederholen

Demagogische Propaganda wirkt durch stete Wiederholung. Erfinden Sie eine absurde Behauptung (siehe oben), und wiederholen Sie sie unentwegt - ohne Rücksicht darauf, ob sie durch Fakten schon längst widerlegt wurde. Bleiben Sie zäh. Nutzen Sie Facebook und lassen Sie andere das für Sie wiederholen.

Die Macht des wiederholten Wortes ist nicht zu unterschätzen. Denn mit der Zahl der Wiederholungen wächst auch die Bereitschaft bei Hörenden, die Behauptung als wahr zu akzeptieren. So kann eine Behauptung schließlich zur „Wahrheit" werden.

Das war's schon. Na, haben Sie sich wiedererkannt? Oder den einen oder anderen „Freund", der „Fakten" in sozialen Netzen oder im Bekanntenkreis weiterverbreitet? Und erkennen Sie die Hilflosigkeit, mit der dieser Demagogie gegenübergestanden wird? Kaninchen/Schlange.

Diese Kommunikationsmuster sind nicht neu. Sie sind einfach. Sie sind billig. Sie wurden bereits vor 16 Jahren von Walter Ötsch in seinem Buch „Haider light" beschrieben - und passten damals auf den FPÖ-Vorsitzenden wie heute auf die AfD.

Egal ob FPÖ oder AfD: Diese Gruppierungen interessieren sich nicht für die tatsächlichen Sorgen und Nöte der Menschen. Sie bieten keine Lösungen an, denn Probleme, über die man sich aufregt, sind ihre Existenzgrundlage. Ihr Treibstoff ist Empörung. Das brauchen sie, um in Parlamente zu kommen und sich selbst aus prekären finanziellen Verhältnissen zu befreien.

Um mehr geht es hier nicht.

Politische Diskussionen mit Vertretern dieser Gruppierungen müssen zwangsläufig im Nirvana enden, denn Vertreter dieser Parteien haben keine Standpunkte - nur (selbst)ventilierten Zorn.

Lösungen und Antworten finden Sie bei Linkspartei, SPD, Grünen, FDP, CDU und CSU.

Lassen Sie diesen Demagogen der AfD keinen Raum. Sie nennen sich Partei, sie denken, sie machen Politik - dabei veranstalten sie schlicht ein demagogisches Kasperletheater rund um Wut, Empörung und herbeigedichtetem Volkszorn.

Sie sind nur dann gefährlich, wenn man diese Muster nicht kennt. Sie kennen sie jetzt.

Björn Uhde

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Dieser Text basiert auf einem ZEIT-Artikel aus dem Jahr 2000, in dem Walter Ötsch, der Autor von „Haider light", die Mechanismen von Demagogie erklärt. Er war so freundlich, die erneute Bearbeitung und Anpassung an die aktuellen deutschen Verhältnisse zu erlauben.

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