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Was Sie sich nicht trauen, ihren Bestatter zu fragen

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Der Tod ist nach wie vor ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft. Selbst wenn Menschen persönlich von einem Todesfall betroffen sind, gibt es viele Fragen, die sie beschäftigen und die sie sich dennoch nicht traut, laut auszusprechen.

Wir beantworten einige dieser Fragen, die sich niemand traut, einen Bestatter zu stellen.

Wird man bei einer Erdbestattung von Würmern gefressen?

Bei einer Erdbestattung wird der Sarg meist 1,80 bis 2,20 Meter tief begraben. In dieser Tiefe gibt es keine Würme, diese leben nur bis etwa 30 Zentimetern unterhalb der Erdoberfläche. Für die Zersetzung des Leichnams sind Bakterien und Enzyme verantwortlich.

Wachsen die Haare und Nägel von Leichen weiter?

Entgegen dem weitverbreiteten Irrglauben wachsen weder die Haare noch die Nägel nach dem Tod eines Menschen weiter. Vielmehr trocknet die Haut aus und zieht sich zusammen, wodurch die Nägel mitunter länger wirken können.

Kann man sich einen Sarg eigentlich auch selbst basteln?

Ja, es ist durchaus möglich, sich in einem selbstgebauten Sarg beisetzen zu lassen. Beim Bau sollte man aber beachten, dass der Sarg den jeweiligen Vorschriften der Friedhofsordnung sowie dem Landesbestattungsgesetz entspricht.

Neben den vorgeschriebenen Maßen des Sarges, muss verrottbares Material genutzt werden und unter anderem darauf geachtet werden, dass keine Flüssigkeit aus dem Sarg austreten kann. In den meisten Fällen ist es einfacher, einen professionell angefertigten Sarg beim Bestattungsunternehmen auszusuchen und zu bestellen.

Sind Leichen giftig und gibt es das Leichengift wirklich?

Noch immer hält sich das Ammenmärchen, dass bei einer Erdbestattung sogenannte Leichengifte entstehen. Beim natürlichen Prozess der Verwesung entstehen infolge mikrobieller Zersetzung zwar Schwefelverbindungen in extrem geringer Konzentration, diese sind in der niedrigen Konzentration aber ungiftig.

Da man sich an einem Leichnam jedoch wie an einem lebenden Menschen mit Krankheiten infizieren kann, tragen Bestatter aus hygienischen Gründen bei Umgang mit einem Verstorbenen vor Infektionen schützende Gummihandschuhe - wie es auch behandelnde Ärzte oder Pflegepersonal tun.

Für die Hinterbliebenen ist das Berühren des gerade Verstorbenen ungefährlich, wenn sie die gesundheitliche Vorgeschichte kennen und ansteckende Krankheiten ausschließen können.

Darf man einen Leichnam auch selbst zum Bestatter transportieren?

Laut Bestattungsgesetz ist es Privatpersonen in Deutschland nicht erlaubt, einen Leichnam zu überführen. Nur Bestatter und lizensierte Überführungsunternehmen haben das Recht, einen Verstorbenen zu transportieren.

Je nach Sterbeort und Bestattungsart sind manchmal mehrere Fahrten nötig, beispielsweise vom Sterbeort zum Bestatter, ins Krematorium oder zum Friedhof. All diese Überführungen müssen vom Bestattungsunternehmen oder einem professionellen Überführungsunternehmen durchgeführt werden - wer sich nicht daran hält und den Transport selbst übernimmt, macht sich unter Umständen sogar strafbar.

Darf man bei einer Kremation zuschauen?

In manchen Krematorien ist es möglich, bei Feuerbestattungen dabei zuzuschauen, wie der Sarg des Verstorbenen in das Feuer einfährt. Beim Einäscherungsprozess selbst kann man jedoch nicht zuschauen.

Bleiben sterbliche Überreste nach Ablauf der Ruhezeit im Grab?

Bei einer Einebnung eines Grabes wird dieses nicht ausgehoben, sondern die sterblichen Überreste verbleiben in der Erde.

Es kommt häufig vor, dass große Knochen - wie etwa Oberschenkelknochen und Schädel - nach Ablauf der Ruhezeit eines Erdgrabes nicht vollständig verwest sind. Werden bei einer Neubelegung und der Aushebung des Grabes Knochen gefunden, werde diese gesammelt und tiefer im gleichen Grab oder einer nicht näher gekennzeichneten Stelle auf dem Friedhofsgelände erneut bestattet.

Was passiert, wenn Verstorbene nicht gekühlt werden?

Ab dem Todeszeitpunkt beginnt die Zersetzung und Verwesung eines Leichnams. Um den Verwesungsprozess zu verlangsamen, wird der Verstorbene im Bestattungsunternehmen bis zur Bestattung bei etwa vier bis acht Grad in einem speziellen Kühlraum aufbewahrt. Würde der Leichnam nicht gekühlt werden, würde die Verwesung innerhalb kürzester Zeit dazu führen, dass es zunächst zu einer zunehmenden Geruchsentwicklung und schließlich zum vermehrten Austritt der Körperflüssigkeiten kommt.

Kann man bei einer Feuerbestattung nicht einfach den Sarg weglassen?

Für eine Feuerbestattung muss der Leichnam in einen speziellen Kremationssarg gebettet werden. Viele Hinterbliebene fragen sich, ob man diesen Sarg aus Kostengründen nicht einfach weglassen könne, immerhin wird er nur verbrannt.

Der Kremationssarg wird jedoch nicht nur für den Transport des Verstorbenen zum Krematorium und die Einfahrt in den Einäscherungsofen, sondern auch für die Einäscherung selbst benötigt. Ohne das Sargholz würde der Verbrennungsvorgang nicht funktionieren beziehungsweise deutlich schwieriger sein, da der Brennwert des Sargholzes bei der Ofenkonstruktion und der Ofentemperatur bereits einkalkuliert ist.

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