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Die skurrilsten Bestattungsrituale der Welt

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Eine klassische Erdbestattung im Sarg oder eine Beisetzung in der Urne sind nicht die einzigen Möglichkeiten für Verstorbene ihre letzte Ruhe zu finden. Jenseits der Grenzen Europas sind weitaus unkonventionellere Bestattungsriten üblich. Wir haben die außergewöhnlichsten Beisetzungsrituale der Welt gesammelt.

Kunstvolle, individuelle Särge

Särge müssen nicht immer gewöhnliche Holzkisten sein - das beweist das in Ghana lebende Volk der Ga. In einer überdimensionalen Limoflasche, einem stylischen Turnschuh oder einem bunten Fisch begraben zu werden ist dank der Werke der Sargkünstler in der Region kein Problem.

Bunte, auf die Persönlichkeit des Verstorbenen abgestimmte Särge gehören in Ghana zu jeder Bestattung dazu. Daher ist es Tradition, sich bereits zu Lebzeiten den eigenen Sarg auszusuchen, der zum Lebensstil, dem Beruf oder Hobby passt.

Flussbestattungen in Indien

Der Ganges, einer der größten Flüsse der Welt, sucht sich seinen Weg vom Himalaja bis zum Indischen Ozean und ist nicht nur eine wichtige Trinkwasserquelle, sondern zugleich auch ein Massengrab.

Nach hinduistischem Ritual werden die Verstorbenen auf einem Scheiterhaufen verbrannt und die Asche in den Ganges oder in anderes heiliges Wasser gestreut. Der Ganges wird von den Hindus als Heiligtum verehrt und es ist deshalb der Wunsch vieler Gläuber, sich in dem Fluss bestatten zu lassen.

Doch nicht selten kann sich der arme Teil der Bevölkerung das für die Einäscherung benötigte Brennholz nicht leisten und so werden die Leichname häufig komplett unverbrannt oder nur teilweise verbrannt in den Ganges gekippt.

Zwar sind Seebestattungen und Flussbestattungen auch in einigen europäischen Ländern erlaubt, dabei wird jedoch lediglich die Asche des Verstorbenen verstreut. Dass der Leichnam komplett dem Fluss übergeben wird, wäre in Deutschland undenkbar.

Totenversorgung der etwas anderen Art

Die Einwohner der indonesischen Insel Sulawesi gehen mit ihrer Tradition noch einen Schritt weiter. Alle paar Jahre exhumieren sie ihre in Höhlen oder Steinsärgen beigesetzen Verwandten, um sie zu waschen und im Anschluss neu einzukleiden.

Damit nicht genug: Die hergerichteten mumifizierten Leichen werden durch das Dorf getragen und öffentlich zur Schau gestellt, bevor sie ihren Weg zurück in den Sarg finden. Durch die Ma'nene, die Zeremonie der Leichenreinigung, sollen die Angehörigen auch über ihren Tod hinaus die Möglichkeit haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Für die Menschen auf Sulawesi ist der Brauch ein Akt der Nächstenlieben und soll sie vor Bösem schützen. Die Ma'nene hat daher für sie eine wichtigere Bedeutung als Geburtstage oder Hochzeiten.

Chinesische Grab-Stripper

In China lassen es die Hinterbliebenen bei Bestattungen gerne krachen. Da viele Trauergäste bei der Beisetzung für ein hohes Ansehen des Verstorben sprechen, wurde nach einer Möglichkeit gesucht, möglichst viele Menschen zur Trauerfeier zu locken.

Vor allem beim männlichen Teil der chinesischen Bevölkerung zieht ein Mittel ganz besonders gut - leicht bekleidete, tanzende Stripper. China gilt im Allgemeines als prüde und auch in Bars ist Striptease verboten.

Doch davon ließen sich viele Hinterbliebene in den ländlichen Regionen Chinas in den vergangenen Jahren nicht abschrecken - immerhin wollten sie für ihren verstorbenen Verwandten eine mitreißende Bestattung mit zahlreichen Trauergästen.

Im Jahr 2015 hatte die Regierung genug von den unsittlichen und illegalen Tanzeinlagen auf Beerdigungen und beschloss, die Nacktshows künftig mit sofortigen Ermittlungen und harten Strafen zu ahnden.

Trauer gegen Bares

Wie in China, spiegelt eine gut besuchte Trauerfeier auch in Kenia die Beliebtheit des Verstorbenen wider. In einigen Teilen des Landes hat sich daher ein rentables Geschäftsmodell etabliert.

Hatte der Verstorbene nicht genug Freunde und Bekannte, um mit einer eindrucksvollen Trauergemeinde aufzuwarten, können bei einsprechenden Agenturen einfach einige Gäste hinzugebucht werden, die sich unter die echten Angehörigen mischen. Dass diese den Verstorbenen gar nicht kannten, spielt bei der Bestattung keine Rolle - die Tränen fließen trotzdem wie auf Knopfdruck.

Wellness-Behandlung für Verstorbene

In Peking erhalten Verstorbene eine ganz besondere Wellnessbehandlung. Einige Hinterbliebene meinen es besonders gut mit ihren Verstorbenen und buchen vor der Beisetzung für diese einen Aufenthalt in einer Wellness-Oase.

Dort erhalten die Toten Rückenmassagen, Maniküre und Pediküre sowie Gesichtsbehandlungen. Schön und entspannt werden sie im Anschluss beigesetzt.

Alle diese Bestattungsrituale sind in Deutschland aufgrund des Friedhofzwangs und des hier geltenden Bestattungsgesetzes übrigens nicht erlaubt. Doch auch hierzulande gibt seit einigen Jahren den vermehrten Wunsch nach individuelleren und alternativen Bestattungsarten.

So sind neben den traditionellen Erd- und Feuerbestattungen mittlerweile auch Seebestattungen sowie Baumbestattungen möglich, bei denen die Asche des Verstorbenen im Meer oder am Fuße eines Baumes beigesetzt wird.

Im Bundesland Bremen gibt es inzwischen zusätzlich die Möglichkeit, die Asche auf einem Privatgrundstück zu bestatten. Mit dieser Lockerung des Bestattungsgesetzes ist Bremen aktuell jedoch ein einsamer Vorreiter in Deutschland.

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